Die Wall Street startet am Freitag mit leichten Gewinnen in den letzten Handelstag der Woche. Nach dem gestrigen Intraday-Reversal sorgt die Aussicht auf eine Verhandlungslösung im Iran-Krieg für vorsichtige Zuversicht. Vor dem langen Pfingstwochenende bleibt die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer jedoch gedämpft.
Die US-Leitindizes knüpfen kurz nach dem Handelsstart kraftvoll an ihre gestrige Erholung an. Der Dow Jones legt um über 400 Punkte respektive 0,8 Prozent zu und markiert bei 50.717 Zählern ein neues Rekordhoch.
Der Nasdaq und der S&P 500 notieren direkt nach der Opening Bell um jeweils rund ein halbes Prozent im Plus. Damit steuert der S&P 500 auf seine achte Gewinnwoche in Folge zu. Das ist die längste Serie seit Ende 2023. Der Dow Jones steuert derweil auf die dritte positive Woche innerhalb der letzten vier Wochen zu.
Zuletzt hatten optimistische Signale von US-Präsident Donald Trump die Kurse gestützt. Er erklärte, die Verhandlungen zur Beendigung des Krieges befinden sich in der „Endphase“. Teheran bestätigte, dass der jüngste Vorschlag aus Washington die Positionen beider Seiten einander nähergebracht habe.
Beim Blick auf die Details zeigen sich jedoch deutliche Hürden. Wie aus US-Regierungskreisen verlautete, sind die Kontrahenten beim angereicherten Uran und vor allem bei den geplanten Straßenzöllen an der Straße von Hormus komplett uneins. Teheran will dort dauerhafte Gebühren von Handelsschiffen eintreiben. US-Außenminister Marco Rubio stellte daraufhin klar, dass ein solches illegales Zoll-System ein diplomatisches Abkommen „völlig unmöglich“ mache. Washington drohte umgehend damit, Schiffe abzufangen, die diese Abgaben zahlen.
Wie zäh die Lage vor dem verlängerten Feiertagswochenende bleibt, zeigt der Blick auf die Rohstoffe. Trotz der kurzfristigen Entspannung notiert die Sorte Brent mit aktuell rund 102 Dollar pro Barrel weiterhin gut 50 Prozent über dem Niveau vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs.
Da die Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt, schwelen die Inflations- und Zinsängste im Hintergrund weiter. Die Steilvorlage lieferte dagegen der asiatische Handel, wo der Nikkei-Index getrieben vom anhaltenden Halbleiter-Boom neue Rekordstände markierte.
Einzelwerte im Fokus
So bleibt im Halbleitersektor weiterhin viel Musik. AMD gewinnt rund vier Prozent, nachdem CEO Lisa Su eine anhaltend hohe Nachfrage nach CPUs für die kommenden Jahre prognostizierte. Bei ARM Holdings sehen die Anleger nach der viertägigen Rally von 42 Prozent derweil eine Atempause.
An die Spitze des S&P 500 setzt sich am Freitag Dell Technologies. Die Aktie springt um rund zwölf Prozent nach oben und attackiert das jüngste Rekordhoch von Anfang Mai. Für Schwung sorgt eine frische Studie von Evercore ISI.
Bei Take-Two Interactive ist die vorbörsliche Euphorie dagegen komplett verflogen. Nach einem festen Start dreht die Aktie ins Minus und verliert rund drei Prozent. Zwar bestätigte der Gaming-Riese den Veröffentlichungstermin für das mit Spannung erwartete Grand Theft Auto VI (GTA 6) im November. Im Handelsverlauf rückt nun jedoch der Quartalsbericht in den Fokus: Unter dem Strich verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von rund 60 Millionen Dollar, was die kurzfristigen Sorgen der Anleger über die Profitabilität bis zum GTA-Release anheizt.
Die Aktie des Kosmetikkonzerns Estée Lauder springt um gut elf Prozent nach oben. Die Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit dem spanischen Branchenkollegen Puig Brands wurden offiziell beendet. Der Markt reagiert erleichtert auf den Abbruch der Übernahmegespräche.
Der Pharmagigant Merck legt um rund drei Prozent zu. Ein gemeinsam mit Kelun-Biotech entwickeltes Lungenkrebs-Medikament senkte das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung in einer Phase-3-Studie um 65 Prozent.
Im Software-Sektor sorgen starke Bilanzen für Kauflaune. Der Cloud-Spezialist Workday gewinnt nach dem Handelsstart rund acht Prozent, nachdem sowohl die Quartalsergebnisse als auch der angehobene Margen-Ausblick die Markterwartungen übertrafen. Zudem kehrte Mitgründer Aneel Bhusri als CEO zurück.
Heute, 15:59