Trotz des vorerst gescheiterten Milliarden-Deals um das Kunststoff-Joint-Venture Envalior und der Abstufung der Bonität auf Ramschniveau schließt Lanxess kurzfristige Verkäufe von Unternehmensteilen aus. Auch eine Kapitalerhöhung stehe derzeit nicht zur Debatte, sagte Finanzvorstand Oliver Stratmann am Donnerstag auf der virtuellen Hauptversammlung.
Das Wichtigste in Kürze:
• Lanxess schließt trotz geplatztem Envalior-Deal und Ramschrating kurzfristige Asset-Verkäufe oder eine Kapitalerhöhung aus.
• Aktionärsvertreter kritisieren die Strategie scharf und sehen den Konzern heute schwächer und anfälliger als früher.
• Der geplatzte Verkauf des Envalior-Anteils belastet die Bilanz schwer; Moody’s entzog Lanxess deshalb den Investment-Grade-Status.
"Wir sehen keinen akuten Handlungsdruck für kurzfristige oder nicht wertorientierte Asset-Verkäufe", erklärte der Manager. Lanxess sei langfristig solide finanziert und verfüge über ungenutzte Kreditlinien von 1,3 Milliarden Euro.
Aktionärsvertreter hatten zuvor angesichts des massiven Gewinneinbruchs und des stark gefallenen Aktienkurses deutliche Kritik an der Strategie des Kölner Spezialchemiekonzerns geäußert. Zwar sei Lanxess in den vergangenen Jahren umgebaut worden, wetterfest sei der Konzern dadurch aber nicht geworden, sagte Linus Vogel von der Fondsgesellschaft Deka Investment. Statt stärker und robuster wirke Lanxess heute eher wie ein kleinerer und anfälligerer Konzern.
Strukturell erinnere das Unternehmen inzwischen weniger an einen widerstandsfähigen Spezialchemiekonzern als an einen "geschrumpften Zykliker". Belastet wird Lanxess weiter von Sorgen um die Bilanz. Im März hatte Finanzinvestor Advent den Kauf des verbliebenen Lanxess-Anteils von knapp 41 Prozent an Envalior vorerst abgesagt und fehlende Finanzierungsmöglichkeiten angeführt. Dadurch entgingen dem Konzern rund 1,2 Milliarden Euro, die eigentlich für den Schuldenabbau vorgesehen waren.
In der Folge entzog die Ratingagentur Moody's Lanxess den begehrten "Investment Grade"-Status. Stratmann betonte jedoch, dass der Konzern an einer Rückkehr zu einem soliden Investment-Grade-Rating arbeite. Ab 2027 gebe es weitere vertragliche Verkaufsoptionen für den Envalior-Anteil, spätestens 2028 müsse Advent mindestens die Hälfte davon übernehmen.
DER AKTIONÄR hält weiterhin an seiner Einschätzung fest: Die Lanxess-Aktie bleibt nach wie vor ein sehr heißes Eisen und dementsprechend nur für ganz Mutige geeignet. Alle anderen verharren vorerst weiter an der Seitenlinie, zumal das Marktumfeld weiterhin schwierig bleibt.
FAQs
Womit verdient Lanxess sein Geld?
Lanxess produziert Spezialchemikalien für Branchen wie Automobil, Bau, Landwirtschaft und Konsumgüter.
Warum stand die Lanxess-Aktie zuletzt unter Druck?
Hohe Energiekosten, eine schwache Industriekonjunktur und die geringe Nachfrage belasteten das Geschäft.
Wie reagiert Lanxess auf das schwierige Marktumfeld?
Der Konzern setzt auf Kostensenkungen, Stellenabbau und eine stärkere Fokussierung auf profitable Bereiche.
Heute, 07:30