Strategy passt seine Kapitalstruktur an und plant den vorzeitigen Rückkauf eines Teils seiner ausstehenden, zinslosen Wandelanleihen mit Fälligkeit im Jahr 2029. Zur Refinanzierung könnte das Unternehmen dabei erstmals auch auf Erlöse aus dem Verkauf von Bitcoin zurückgreifen. Jahrelang war das ein Tabu, doch nun könnte Strategy schon bald ein Exempel statuieren.
Konkret beabsichtigt das Management um Mitgründer und Executive Chairman Michael Saylor, Wertpapiere im Nennwert von rund 1,5 Milliarden Dollar vorzeitig zurückzuzahlen. Dies entspricht der Hälfte dieser spezifischen Emissionstranche. Basierend auf den aktuellen Modellrechnungen wird der tatsächliche Rückkaufpreis auf rund 1,38 Milliarden Dollar geschätzt. Somit ist der vorzeitige Rückkauf durchaus lukrativ und nachvollziehbar.
Für Reaktionen an den Finanzmärkten sorgen jedoch die Pläne zur Finanzierung der Transaktion. In den eingereichten SEC-Unterlagen listet das Unternehmen verschiedene Optionen zur Beschaffung der erforderlichen Liquidität auf. Neben den bestehenden Barreserven und den potenziellen Erlösen aus laufenden Aktienemissionen wird in dem Dokument explizit auch der strategische Verkauf von Bitcoin als zulässige Finanzierungsquelle aufgeführt.
Ein tatsächlicher Verkauf von Bitcoin würde eine Abkehr von der bisherigen Treasury-Politik des Unternehmens darstellen. Seit dem Beginn der Krypto-Käufe im Jahr 2020 verfolgte das Management die Strategie, die digitale Währung konsequent zu akkumulieren und als Reservewährung in der Bilanz zu halten. Mehr als 800.000 Bitcoin hat Strategy inzwischen angehäuft.
Veräußerungen wurden in den letzten Jahren kategorisch ausgeschlossen. Überhaupt hat Strategy bislang nur ein einziges Mal Bitcoin verkauft, nämlich im Dezember 2022. Damals wurden 704 Bitcoin mit Verlust verkauft, um steuerliche Vorteile auszunutzen („Tax-Loss-Harvesting“). Nur zwei Tage später hat Strategy damals jedoch 810 Bitcoin zurückgekauft.
Dass ein Verkauf nun formell als Option deklariert wird, deckt sich jedoch mit einer jüngsten Anpassung der Unternehmenskommunikation. Im Rahmen der jüngsten Zahlenvorlage hatte Saylor präzisiert, dass Verkäufe unter bestimmten bilanziellen oder strategischen Bedingungen regulatorisch und operativ möglich sind (DER AKTIONÄR berichtete). Zudem deutete er an, dass ein erster Verkauf bereits kurzfristig erfolgen könnte, um den Markt zu sensibilisieren.
Den riesigen Bitcoin-Schatz künftig aktiv zu nutzen, statt die Coins nur passiv zu horten, kann aus unternehmerischer Sicht sinnvoll sein. Die Vorstellung, dass ausgerechnet der Erfinder der Bitcoin-Treasury-Strategie bald aktiv verkauft, sorgt am Markt aber dennoch für Unbehagen. Die Strategy-Aktie knickt am Freitag im US-Handel um fast sechs Prozent ein, der Bitcoin rutscht erneut unter die 80.000-Dollar-Marke.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 16:05