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24.06.2021 DER AKTIONÄR

Kommentar von Lars Brandau: Vom Aktionär zum Trader – eine normale Entwicklung

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Die Anlage in Hebelprodukte wird seit geraumer Zeit immer beliebter. Allerdings gilt für Hebelprodukte dasselbe, was für alle Kapitalmarktprodukte gilt: Nur wer das Produkt versteht und kennt, kann auch seine möglichen Chancen und Risiken beurteilen und einschätzen. DDV-Geschäftsführer Lars Brandau mit einem Kommentar.

Der sogenannte Hebel (Leverage) bietet überproportionale Kurschancen und fungiert zugleich als Absicherungsinstrument. Die Fülle und unterschiedlichen Typenbezeichnungen von Hebelprodukten mögen auf den ersten Blick etwas verwirren, aber sie alle eint die aus der Physik bekannte Hebelwirkung. Dort lassen sich mit relativ wenig Körperkraft auch große Lasten in Bewegung setzen. So verhält es sich auch bei Hebelprodukten. Mit geringem Geldeinsatz lassen sich im günstigen Fall hohe Gewinne erzielen, aber eben auch entsprechende Verluste generieren. Während beim Direktinvestment in eine Aktie mitunter ordentlich in die Tasche gegriffen werden muss, um attraktive Erträge zu erwirtschaften, genügt bei Hebelprodukten ein vergleichsweise kleiner Einsatz. 

Zugegebenermaßen ist es für völlig unbeleckte Anlegerinnen und Anleger nicht leicht in die Welt der Optionsscheine und Knock-Outs einzutauchen. Die Einstiegshürde ist nicht zu unterschätzen. Das hat jedoch alleine schon aufgrund der erhöhten Risiken auch seine Berechtigung.

Das alles entscheidende Kriterium für eine erfolgreiche Anlage in Hebelprodukte ist zunächst einmal die Marktmeinung; das wiederum ist nicht anders als bei der Aktie auch. Und diese Marktmeinung muss sich der oder die Selbstentscheiderin ohnehin eigenständig erarbeiten und auf Basis von Informationen bilden. Dem oder der potenziellen Anlegerin muss klar sein, dass sich Hebelprodukte unterschiedlich gegenüber verschiedenen Faktoren, beispielsweise der Volatilität, verhalten. Nur, wenn er ihren Einfluss versteht kann erfolgreich in Hebelprodukte investieren. Auch wenn die Breite eher uninformierte Öffentlichkeit immer wieder behauptet, dass es sich beim Traden um reine Zockerei handelt, haben Hebelprodukte im Grunde damit nichts zu tun. 

Es handelt sich vielmehr um eine erweiterte und ausgesprochen sinnhafte Form des Handelns im Rahmen der Portfolio-Ausgestaltung. Auch im privaten Depot können diese Derivate als wohldosierte Beimischung durchaus nutzenstiftend sein und die Rendite verbessern. Neben der Funktion als Absicherungsinstrument zum Beispiel gegen fallende Kurse besitzen Hebelprodukte noch eine weitere Eigenschaft. Sie können ihren Beitrag zu einer notwendigen breiten Streuung im Portfolio leisten. Diversifikation ist hier das Schlagwort und für viele Anlegerinnen und Anleger fast schon ein Allheilmittel, um im Niedrigzinsumfeld überhaupt noch Renditen zu erwirtschaften.

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