Die Wall Street zeigte sich am Dienstag von Störfeuern unbeeindruckt. Getrieben von einer kräftigen Erholung im Halbleitersektor schüttelten der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq 100 die Sorgen der Vorwoche ab. Auch die angelaufene Berichtssaison liefert den Bullen starke Argumente. Die Rally steht auf einem soliden Fundament.
Zum Handelsschluss notierte der Standardwerte-Index Dow Jones mit Kursgewinnen von 0,7 Prozent bei 52,230 Punkten. Der marktbreite S&P 500 rückte am Dienstag um 0,9 Prozent vor auf 7.509 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 legte am kräftigsten zu und stand am Ende mit 29155 Punkten 1,9 Prozent über dem Vortagesniveau. Die Rekordstände der US-Indizes geraten damit wieder in Schlagdistanz.
Iran & Zölle: Donald Trump teilt wieder aus
Dabei mangelte es keineswegs an Belastungsfaktoren. Von US-Präsident Trump gab es bei einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun im Weißen Haus neue Drohgebärden in Richtung des Irans. Das US-Militär werde das Gebiet rund um die iranische Atomanlage "Pickaxe Mountain" bei Natans "in Kürze und mit voller Wucht ins Visier nehmen". Bereits zuvor hatte der Republikaner Angriffe auf den Komplex angedroht. Mit Blick auf die bisherigen Attacken legte Trump nach: "Ehrlich gesagt haben sie noch nichts gesehen. Wir waren nett." Auch Hoffnungen auf rasche Gespräche mit Teheran erteilte er eine Absage: Der Iran wolle sich zwar „verzweifelt treffen“, doch solange keine ernsthaften Verhandlungen möglich seien, habe Washington „kein Interesse“.
Parallel bleibt die Lage an den wichtigsten Öltransportwegen angespannt. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen drohen mit einer Blockade saudischer Schiffe im Roten Meer, während der Verkehr durch die Straße von Hormus weiter stockt. Brent und WTI verteuerten sich heute um rund zwei Prozent.
Der Edelmetallmarkt präsentierte sich am Dienstag ebenfalls wieder fester. Der Goldpreis stieg zuletzt um 1,8 Prozent auf 4.080 Dollar, Silber gewann sogar mehr als vier Prozent und notierte zuletzt bei 58,77 Dollar.
Im Handelsstreit legte die USA heute ebenfalls nach. Nachdem Trump in der Nacht Zusatzzölle in Höhe von 50 Prozent auf zahlreiche Waren aus Kanada angekündigt hatte, deutete der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer neue Abgaben gegen weitere Länder an. Man werde "in Kürze Maßnahmen sehen". Doch auch die neuen Zoll-Drohungen verpuffen am Aktienmarkt.
Quartalszahlen halten die Bullen bei Laune
Der Fokus liegt stattdessen auf der Berichtssaison, die Anlegern allen Grund zum Optimismus liefert. Laut den Daten von FactSet übertrafen rund 90 Prozent der bislang berichtenden S&P-500-Unternehmen die Gewinnerwartungen – deutlich mehr als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Die Gewinne fielen dabei durchschnittlich 16 Prozent höher aus als erwartet. Nach den bislang gemeldeten Unternehmenszahlen zeichnet sich überdies das zweite Quartal in Folge ein Gewinnwachstum um mehr als 20 Prozent ab. Während der S&P 500 in den letzten zwölf Monaten um 19 Prozent stieg, zogen die Unternehmensgewinne noch stärker an. Das Ergebnis: Trotz seiner Rekordjagd liegt die Bewertung des S&P 500 heute niedriger als zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr.
Die heute vorgelegten Zahlen passen nahtlos ins Bild. Der US-Mischkonzern 3M steigerte seinen Gewinn im zweiten Quartal um elf Prozent auf 2,40 Dollar und lag damit oberhalb der Schätzung von 2,25 Dollar. Die Aktie gewinnt daraufhin 7,3 Prozent. Beim Autohersteller General Motors sprang das EPS sogar um 41 Prozent auf 3,57 Dollar und übertraf damit die von Analysten erwarteten 3,19 Dollar ebenfalls deutlich. Für die GM-Aktie geht es nach vorbörslichen Verlusten zum Handelsschluss um 4,9 Prozent nach oben auf 79,50 Dollar. Auch Hasbro versetzte die Anleger heute in Kauflaune. Der Quartalsgewinn des Spielzeugkonzerns fiel zwar im Jahresvergleich leicht von 1,30 Dollar auf 1,28 Dollar je Aktie, lag damit aber trotzdem zwölf Prozent über der Analystenprognose. Dank des boomenden Sammelkartenspiels „Magic: The Gathering“ schraubte der Spielzeugkonzern zudem seine Jahresziele nach oben. Die Aktie legt nach Zahlen um 8,8 Prozent zu und überwindet mit einem Satz den GD50 und GD200.
Weniger freundlich zeigen sich die Papiere von Danaher nach dem Quartalsbericht. Sie haben heute 11,0 Prozent verloren, obwohl der Labortechnikausrüster mit einem EPS von 1,94 Dollar fünf Prozent mehr als die von Analysten erwarteten 1,84 Dollar lieferte und den Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp acht Prozent steigerte. Dass die Aktie dennoch einbrach, lag am vorsichtigen Umsatzausblick für das Q3. Ebenfalls negativ, wenn auch weniger harsch, fiel die Reaktion beim Rüstungskonzern Northrop Grumman aus. Die Aktie ging 2,2 Prozent tiefer aus dem Handel, obwohl der Gewinn je Aktie von 7,68 Dollar gut zwölf Prozent über der Schätzung lag und das Unternehmen zudem den Jahresausblick anhob. Das Problem sehen die Anleger bei den schwächeren operativen Ergebnisse in einzelnen Sparten.
SpaceX beendet Verlustserie: Quartalszahlen rücken in den Fokus
Bei SpaceX griffen die Käufer nach sieben Verlusttagen in Folge heute erstmals wieder zu. Die Aktie stieg um drei Prozent auf 123,54 Dollar. Elon Musk kündigte den Termin für die erste Veröffentlichung des Quartalsberichts an. Am 4. August erhalten Investoren einen detaillierten Einblick in die Geschäftsentwicklung des Raumfahrtkonzerns. Die Konsensschätzung bei Bloomberg rechnet mit einem Umsatz in Höhe von 6,94 Milliarden Dollar und einem Nettoverlust von 2,03 Milliarden Dollar.
Der Termin hat einen Haken: Zwei Tage später läuft ein Teil der Lock-up-Frist aus. Insider dürfen dann bis zu 20 Prozent ihrer gesperrten Aktien verkaufen – insgesamt könnten so bis zu 911,5 Millionen Anteilsscheine auf den Markt kommen. Weitere zehn Prozent würden freigegeben, falls der Kurs an mindestens fünf der zehn Handelstage vor den Zahlen jeweils mindestens 30 Prozent über dem Ausgabepreis schließt. Davon ist SpaceX aktuell weit entfernt: Die Aktie notiert unter dem IPO-Preis von 135 Dollar.
Für neue Fantasie sorgt derweil der für Donnerstag geplante Starship-Start, nachdem ein erster Versuch wegen Problemen bei der Triebwerkszündung kurzfristig abgebrochen werden musste. Auch die Analysten bleiben optimistisch: Die Bank of America traut der SpaceX-Aktie mit einem Kursziel von 235 Dollar beinahe eine Verdopplung zu.
Mag-7: Tesla vor Zahlen stark
Im Vorfeld der morgen anstehenden Zahlen gingen die Tesla-Aktien am Dienstag 2,5 Prozent höher aus dem Handel. AKTIONÄR-Leser wissen: Die Wall Street erwartet einen Umsatz in Höhe von 27,6 Milliarden Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 0,50 Dollar. Der eigentliche Kurstreiber dürften am Mittwoch indes nicht die zahlen selbst, sondern die Aussagen von CEO Elon Musk zu Robotaxis und dem humanoiden Roboter Optimus sein. Analysten sehen in beiden Projekten weiterhin die wichtigste Grundlage für die astronomische Bewertung der Aktie.
Auch Alphabet legt am Mittwoch nach Börsenschluss Zahlen vor. Die Papiere hingegen verloren 1,4 Prozent auf 347,15 Dollar. Anders als bei Tesla dürften hier vor allem harte Kennzahlen den Takt vorgeben. Im Fokus steht das Werbegeschäft, das weiterhin den Großteil der Gewinne liefert. Analysten rechnen für das zweite Quartal mit Werbeerlösen von 81,1 Milliarden Dollar. Für die Cloud-Sparte wird ein kräftiger Umsatzsprung auf 22,4 Milliarden Dollar erwartet. Neue Gemini-Modelle und der geplante Serverchip „Frozen v2“ unterstreichen die Ambitionen der hohen KI-Investitionen. Mehr zu den Erwartungen an die Alphabet-Zahlen lesen Sie hier.
Zu den Gewinnern der Mag-7-Titel gehörten heute außerdem Nvidia (plus 2,0 Prozent), und Apple (plus 0,4 Prozent). Microsoft (minus 1,1 Prozent), Amazon (minus 1,0 Prozent) und Meta (minus 0,3 Prozent) standen auf der Verliererseite.
Von wegen KI-Kater: SMCI-Aktie nachbörslich im Rausch
Besonders stark meldete sich heute der Halbleitersektor zurück. Nvidia legte knapp zwei Prozent zu, nachdem der Branchenprimus erklärte, dass die neueste Chip-Generation inzwischen bei den Kunden ankomme. Die Aktien von Micron Technology sprangen sogar um 12,2 Prozent. Intel und AMD standen zum Börsenschluss mehr als acht Prozent im Plus.
Nachbörslich sorgte Super Micro Computer für das nächste Ausrufezeichen: Der Kurs gewann im regulären Handel bereits sieben Prozent und sprang im nachbörslichen Handel rund 20 Prozent nach oben. Der Serverbauer stellte mit seinen vorläufigen Quartalszahlen eine Bruttomarge von 15 bis 17 Prozent sowie einen Rekordauftragsbestand von mehr als 60 Milliarden Dollar in Aussicht.
Novo Nordisk zerpflückt Eli Lillys Werbekampagne
Für Schlagzeilen sorgte am Dienstag Novo Nordisk mit einer Klage gegen Eli Lilly. Der dänische Pharmakonzern wirft dem US-Rivalen irreführende Werbung vor (DER AKTIONÄR berichtete). Der Vorwurf: Eli Lilly soll in der Werbung für Zepbound und Mounjaro veraltete Dosisvergleiche genutzt haben, um Verbraucher über die Wirksamkeit im Vergleich zu Wegovy und Ozempic von Novo Nordisk zu täuschen. Die Aktien von Eli Lilly legten heute dennoch um 2,5 Prozent zu und notieren nahe ihrem Rekordhoch.
Das war an den US-Börsen heute außerdem wichtig:
Heute, 22:36
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