Vergangene Woche erlebte der Halbleitersektor den stärksten Rücksetzer seit über einem Jahr. Die Nerven liegen blank. Tech-Analysten sind sich jedoch einig: Die fundamentalen Treiber der KI-Revolution sind intakt. AMD, Broadcom, Micron und andere AKTIONÄR-Empfehlungen aus dem Sektor bieten nach dem Rücksetzer eine gute Einstiegsgelegenheit.
"Wir glauben, dass noch reichlich Potenzial vorhanden ist. Die Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur werden noch weit über 2028 und 2029 hinaus zulegen. Das treibt die Nachfrage nach Halbleitern, während das Angebot auf absehbare Zeit knapp bleibt", schreibt Vijay Rakesh von Mizuho Securities. Ebenso sehen die Analysten der Morgan Stanley vor dem Hintergrund der langfristigen Wachstumstreiber den jüngsten Ausverkauf bei Chipherstellern als "attraktiven Einstiegszeitpunkt". Auch die Investmentbank JPMorgan geht davon aus, dass Halbleiterwerte bald wieder mehr Käufer anziehen werden.
Die heutige Kursentwicklung gibt den bullishen Analystenstimmen recht: Das Index-Zertifikat auf den neu aufgelegten Chip Titans Index des AKTIONÄR liegt aktuell 4,8 Prozent im Plus. Der Index selbst steigt heute von 90,8 auf 95,9 Punkte. Er bündelt 20 führende Unternehmen entlang der gesamten Halbleiter-Wertschöpfungskette – von Chipdesignern wie Nvidia, AMD und Broadcom über Speicherhersteller wie Micron und SK Hynix bis hin zu Ausrüstern wie ASML und Applied Materials.
UBS: Die drei besten Kaufchancen
Die Aktie von AMD notierte nach der Korrektur zum Handelsschluss am Freitag 15 Prozent unter ihrem Allzeithoch. Sechs Prozent machte der Kurs seither bereits wieder wett. Nach Ansicht der UBS-Analysten wird die operative Story zunehmend stärker. Insbesondere der Free Cash Flow soll sich weiter verbessern.
Im ersten Quartal erzielte das Unternehmen einen Umsatz in Höhe von 10,3 Milliarden Dollar – 5,78 Milliarden Dollar davon stammen aus dem Data-Center-Geschäft. Im zweiten Quartal dürfte der Gesamtumsatz laut Analystenschätzungen um 47 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar gestiegen sein, der Data-Center-Umsatz soll sich dabei sage und schreibe auf 6,60 Milliarden Dollar verdoppelt haben. Am 4. August wird AMD die offiziellen Zahlen veröffentlichen.
Die größten Geschäftstreiber sind zum einen die starke Nachfrage nach EPYC-Serverprozessoren, zum anderen die steigenden Auslieferungen der Instinct-Beschleuniger. CEO Lisa Su geht davon aus, dass das Servergeschäft in den kommenden Quartalen noch deutlich an Tempo gewinnen wird, da AMD die Produktion ausweitet, um die hohe Nachfrage bedienen zu können. Besonders das Kundeninteresse an der neuen MI450-Serie sowie am Rack-System Helios entwickele sich nach ihren Angaben stärker als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig wachse die Pipeline großer Rechenzentrumsprojekte kontinuierlich.
Mit dem Kursziel von 700 Dollar sieht die UBS für die AMD-Aktie 32 Prozent Luft nach oben.
Broadcom hat sich angesichts der branchenweiten Korrektur in der vergangenen Woche überraschend stark gehalten. Der drastische Rücksetzer vom Rekordhoch erfolgte hier bereits Anfang Juni infolge der Quartalszahlen. Zuletzt bot hingegen die bis 2031 ausgeweitete Partnerschaft mit Apple eine starke Stütze. Gemeinsam entwickeln beide Unternehmen weitere Generationen maßgeschneiderter Chips. Insgesamt wurde die Produktion von mehr als 15 Milliarden Chips zugesagt, was eine hohe Visibilität für die Umsätze von Broadcom verspricht. Zudem investiert Apple in den Ausbau des Werks in Fort Collins, Colorado.
Im zweiten Geschäftsquartal stieg der Umsatz um 48 Prozent auf 22,2 Milliarden Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das KI-Geschäft – getragen von der hohen Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Beschleunigern sowie Netzwerklösungen für Rechenzentren. CEO Hock Tan erwartet für das laufende Quartal Wachstum des Umsatzes im Halbleiter-Segment um mehr als 200 Prozent auf 16 Milliarden Dollar.
Die UBS-Analysten taxieren den fairen Wert der Broadcom-Aktie auf 485 Dollar – 26 Prozent über dem aktuellen Kurs.
Die Aktie von Micron geht mit einem Rücksetzer um 32 Prozent von ihrem Allzeithoch bei 1.255 Dollar als größter Verlierer aus der jüngsten Korrekturphase. Dabei beweist der Speicherchiphersteller mit jedem Quartalsbericht aufs Neue, dass er schneller wächst als die Analysten erwarten. Im abgelaufenen Quartal schnellte der Umsatz von 9,30 Milliarden Dollar auf 41,5 Milliarden Dollar und hat sich damit binnen eines Jahres mehr als vervierfacht. Die Schätzung von 35,7 Milliarden Dollar wurde damit bei weitem überboten.
Hinzu kommt: Das Wachstum dürfte so schnell nicht abreißen. Micron schließt kontinuierlich neue mehrjährige Lieferverträge ab und die Produktionskapazitäten sind bis weit ins Jahr 2027 hinein bereits vollständig ausgelastet. Aus diesem Grund sieht die UBS auch hier ein enormes Potenzial und schraubte das Kursziel Ende Mai auf 1.625 Dollar hoch (DER AKTIONÄR berichtete). Dies entspricht auf dem aktuellen Kursniveau einem Ertragspotenzial von 70 Prozent.
Die Korrektur im Halbleitersektor war eine überfällige Bereinigung und hat die hohen Bewertungen etwas abgekühlt. An der langfristigen Story hat sich dagegen nichts geändert: GPUs, Speicherchips und Netzwerkinfrastruktur bleiben für den Ausbau der KI-Rechenzentren über Jahre hinaus gefragt. AMD, Broadcom und Micron zählen weiterhin zu den aussichtsreichsten Profiteuren und bleiben die Favoriten des AKTIONÄR. Wer breit gestreut in den gesamten Chip-Sektor investieren möchte, setzt auf den Chip Titans Index. Alle Informationen und Investitionsmöglichkeiten finden Sie hier.
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