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Volkswagen‑Aktie im Aufwind: Glückt nun die Trendwende?

Volkswagen‑Aktie im Aufwind: Glückt nun die Trendwende?
Foto: josefkubes/Shutterstock
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Thorsten Küfner Heute, 10:58 Thorsten Küfner
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Volkswagen steuert auf einen tiefgreifenden Umbau zu. Europas größter Autohersteller plant, in den kommenden Jahren zusätzlich 50.000 Arbeitsplätze abzubauen, sein Modellangebot zu verkleinern und sich von weiteren Beteiligungen zu trennen. Vier Standorte bleiben weiterhin gefährdet. Ziel ist es, den Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

An der Börse kam die Einigung vom Vorabend gut an. Der DAX-Titel legte am Freitag im frühen Handel nach zeitweise zweistelligem Plus zuletzt um 6,1 Prozent auf 81,80 Euro zu und führte damit klar die Gewinnerliste im Leitindex an. Seit Jahresbeginn liegt das Papier dennoch noch immer gut ein Fünftel im Minus.

Deutsche-Bank-Analyst Tim Rokossa sieht in dem Schritt einen Beleg dafür, dass ein tiefgreifender Konzernumbau entgegen verbreiteter Anlegermeinung doch durchsetzbar ist. Er spricht von einem "grundlegenden Durchbruch" mit einem deutlich besseren Ergebnis als befürchtet – auch wenn die Probleme damit nicht sofort gelöst seien.

Citigroup-Analyst Harald Hendrikse betont, der "Zukunftsplan 2030" sei überraschend abgesegnet worden, der Realismus habe sich durchgesetzt. Die Aktie bleibe "investierbar", auch wenn sich die Anlegerstimmung angesichts der weitreichenden Entscheidungen nicht schlagartig drehen werde. UBS-Analyst Patrick Hummel bezeichnete die Einigung als "ausdrücklich positiv" und lobte, dass das Management seine Ziele größtenteils habe durchsetzen können – zudem sei alles schneller gegangen als erwartet.

Der Aufsichtsrat billigte am Donnerstagabend nach wochenlangem Streit überraschend und einstimmig weite Teile des Sanierungskonzepts von Vorstandschef Oliver Blume. Damit ist eine drohende weitere Eskalation zwischen Konzernspitze, dem Großaktionär Niedersachsen und den Arbeitnehmervertretern zunächst vom Tisch. Blume sprach von einem starken Zukunftssignal, Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch zeigte sich überzeugt, "dass mit dessen Umsetzung die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns gesichert wird".

Der Zukunftsplan 2030 gilt laut VW als "strategisch tiefgreifendstes Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group". Bis Ende Juni 2027 soll für die europäischen Werke ein Konzept für eine wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entstehen. Der Aufsichtsrat verwies dabei auf eine europaweite Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen; für die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm bestehe ab den Jahren 2031 bis 2034 aktuell keine gesicherte Anschlussauslastung, weshalb parallel nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten gesucht werde.

Nur eine "Light-Version"?

Neben den bestehenden Sparprogrammen sei eine grundlegende weltweite Personalanpassung nötig – daher der geplante Abbau von rund 50.000 Stellen. Bis 2035 soll zudem die Modellpalette um etwa die Hälfte und die Angebotskomplexität um rund 75 Prozent reduziert werden, mit Fokus auf die erfolgreichsten Fahrzeuge. Hinzu kommen schlankere Führungsstrukturen und kürzere Entscheidungswege sowie eine um etwa ein Drittel gestraffte Beteiligungsstruktur.

IG Metall und Betriebsrat werteten es als Erfolg, eine Eskalation verhindert zu haben, mahnten aber, der Vorstand müsse nun liefern. Eine Ausgliederung der Kernmarke VW Pkw sowie der Komponentensparte sei vom Tisch, kein Werk aufgegeben oder geschlossen worden. Gleichzeitig kritisierten Benner und Cavallo weiterhin den Kommunikationsstil des Vorstands in den vergangenen Wochen als "nicht zielführend".

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Plan als "Light-Version": Werksschließungen seien weder beschlossen noch ausgeschlossen, der Kompromiss aber immerhin besser als die zermürbenden öffentlichen Debatten der vergangenen zwei Jahre. In den kommenden Monaten dürfte es nun um konkrete Produktpläne und mögliche Werksschließungen gehen – eine gewisse Entspannung sei absehbar, dauerhafter "Frieden" aber noch nicht.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Volkswagen ist weiterhin bemüht, die Weichen für die Kehrtwende zu stellen. Doch noch steht in den Sternen, ob das reichen wird. Vorerst bleiben Anleger an der Seitenlinie.

Hinweis auf Interessenkonflikte

Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..

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