Das US-Arbeitsministerium hat den Verbraucherpreisindex für August vorgelegt, und die Schlagzeile trifft die Erwartungen: Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics stiegen die Preise gegenüber Juli saisonbereinigt um 0,4 Prozent, nach 0,1 Prozent im Vormonat. Die Jahresrate bleibt bei 3,4 Prozent. Der Haken steckt eine Zeile tiefer. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie legte um 0,3 Prozent zum Vormonat zu – erwartet worden waren 0,2 Prozent. Auf Jahressicht ging sie wie prognostiziert von 2,5 auf 2,4 Prozent zurück.
- Verbraucherpreise im August 0,4 Prozent über dem Vormonat, Jahresrate unverändert 3,4 Prozent – beides exakt im Rahmen der Erwartungen.
- Die Kernrate steigt um 0,3 Prozent statt der erwarteten 0,2 Prozent.
- Am kommenden Mittwoch entscheidet die Fed. Der Terminmarkt hatte schon vor der Zahl rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung um 25 Basispunkte eingepreist.
Treiber der Gesamtrate war der Ölmarkt. Die Benzinpreise zogen um 3,9 Prozent an und machten damit mehr als ein Drittel des gesamten Monatsanstiegs aus. Der Energieindex stieg um 2,1 Prozent, nachdem er im Juli noch um 1,5 Prozent gefallen war; Heizöl verteuerte sich um 10,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr liegt Energie damit 16,3 Prozent im Plus, Benzin sogar 27,4 Prozent. Gegenläufig wirkten die Versorger: Strom verbilligte sich um 0,2 Prozent, Erdgas um 1,1 Prozent. Die Nahrungsmittelpreise stiegen um lediglich 0,1 Prozent, im Supermarkt blieb das Preisniveau unverändert.
Wichtiger für die Fed ist die Kernrate – und die hat sich verschlechtert. Mit 0,3 Prozent nach 0,2 Prozent im Juli zieht der Preisdruck abseits von Tank und Teller wieder an. Haupttreiber ist der Index für Wohnkosten, der um 0,3 Prozent zulegte nach nur 0,1 Prozent im Juli. Dahinter stehen vor allem Hotelübernachtungen mit einem Plus von 2,4 Prozent, nachdem sie im Juli noch um 2,8 Prozent gefallen waren. Dazu kamen Kommunikation mit 2,3 Prozent, Flugpreise mit 2,7 Prozent und Bildung mit 0,8 Prozent. Entlastung gab es nur aus zwei Ecken: Die Gesundheitskosten sanken um 0,2 Prozent, die Kfz-Versicherung um 0,8 Prozent. Dass die Jahresrate der Kernrate trotzdem auf 2,4 Prozent zurückging, ist ein Basiseffekt – kein Entwarnungssignal.
Darum sind die Verbraucherpreise für die Kursentwicklung wichtig
Der Verbraucherpreisindex war die letzte große Zahl vor dem Zinsentscheid am Mittwoch. Anders als der Erzeugerpreisindex, der am Donnerstag mit einer Jahresrate von 5,4 Prozent für Unruhe gesorgt hatte und die Kosten auf Herstellerseite misst, bildet der Verbraucherpreisindex ab, was beim Verbraucher ankommt. Fed-Gouverneur Christopher Waller hatte erklärt, er könne ein Stillhalten mittragen, solange die Inflation Richtung zwei Prozent laufe – bei einem heißen August-Wert aber über eine Anhebung nachdenken. Genau dieser Fall ist eingetreten. Für den Aktienmarkt zählt dabei weniger die Zahl selbst als das lange Ende: Jeder Basispunkt mehr bei den Renditen drückt über den höheren Diskontierungszins auf die Bewertung künftiger Gewinne, und das trifft hoch bewertete Wachstumswerte zuerst.
Vorbörslich ist der Future auf den Dow Jones mit 0,7 Prozent im Plus. Der S&P 500 steigt rund 0,6 Prozent an, der Future auf den Nasdaq 100 klettert um 0,8 Prozent. WTI fällt unter 100 Dollar, die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe fallen leicht auf 4,94 Prozent an.
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