Tesla hat das dritte Quartal mit einem Gewinneinbruch abgeschlossen: Im Jahresvergleich gab es einen Rückgang von 43 Prozent auf 787 Millionen Dollar. Der Umsatz stagnierte bei rund 28,05 Milliarden Dollar (rund 25 Milliarden Euro). Tesla-Chef Elon Musk hatte am Tag vor den Quartalszahlen Überlegungen über einen Zusammenschluss mit der ebenfalls von ihm geführten Weltraumfirma SpaceX bestätigt. In der Telefonkonferenz zu den Tesla-Zahlen war das Thema dann jedoch tabu.
Der Rückgang beim Autoverkauf kam nicht überraschend, da das dritte Quartal des Vorjahres von einer Sonderkonjunktur geprägt war. US-Präsident Donald Trump ließ Ende September 2025 die Steuervergünstigung von 7.500 Dollar beim Kauf von Elektroautos auslaufen. In dem Vierteljahr schnellten die Tesla-Auslieferungen um 7,4 Prozent hoch, weil viele Interessenten in den USA die Prämie noch mitnehmen wollten. Danach kam - wie auch bei anderen Herstellern - ein Rückschlag.
In diesem Jahr konnte Tesla die Auslieferungen zum Teil ausbauen, im dritten Quartal waren sie aber im Jahresvergleich um zwei Prozent gesunken. Tesla übertraf beim Umsatz zugleich die Erwartungen von Analysten. An der Börse wurden die Zahlen negativ aufgenommen. Die Aktie verlor nachbörslich etwas mehr als vier Prozent.
Roboter und Robotaxis
Laut Musk liegt Teslas Zukunft bei der Produktion selbstfahrender Robotaxis und humanoider Roboter. In beiden Bereichen trifft seine Firma aber auf viel Konkurrenz - während das Geld bisher weiterhin hauptsächlich mit dem Verkauf von Elektroautos verdient werden muss.
Tesla produziert zwar die ersten Roboter mit dem Namen Optimus. Laut Musk hat die Fertigungslinie im Stammwerk im kalifornischen Fremont die Kapazität, eine Million Roboter jährlich zu bauen. Es werde jedoch "wahrscheinlich mindestens ein Jahr und vielleicht etwas länger dauern", bis Tesla auf 20.000 Roboter pro Woche komme, sagte er. "Teile des Designs" würden immer noch verändert.
Musk schwärmt: Optimus werde "das größte Produkt auf der Welt" sein
Musk, der mitunter gerne zu großspurigen Ankündigungen greift, behauptete erneut, Optimus werde "das größte Produkt auf der Welt" sein. Er sprach auch von Plänen für eine "Optimus-Akademie", in denen die Maschinen erlernen sollten, Aufgaben auszuführen. Erste Roboter könnten "in etwa einem Jahr" an Kunden geliefert werden, sagte Musk. Sie würden zunächst voraussichtlich in der Industrie eingesetzt, für gefährliche oder repetitive Aufgaben. Musk will sie mit der Zeit auch an Haushalte verkaufen.
Ärger um Cybercab
Tesla fährt auch die Produktion des Robotaxis-Fahrzeugs Cybercab hoch, das weder Pedale, noch Lenkrad hat. Die Wagen befördern Passagiere bisher nur im texanischen Austin, weitere Städte sollen aber laut Tesla folgen.
Zugleich gibt es Ärger mit der Straßenverkehrsbehörde NHTSA. Denn in den USA ist etwa ein Bremspedal grundsätzlich Pflicht. Fahrzeuge ohne Lenkrad und Pedale können Hersteller nur mit einer Ausnahmegenehmigung auf die Straße bringen - und dann maximal 2.500 davon pro Jahr. Tesla beantragte jedoch keine Genehmigung.
Die beim autonomen Fahren führende Google-Schwesterfirma Waymo setzt als Robotaxis umgebaute herkömmliche Autos ein, bei denen der Platz am Lenkrad einfach leer bleibt. Tesla greift zum Teil auch auf Fahrzeuge der Modelle 3 und Y zurück, in die Software zum autonomen Fahren geladen wird. Voraussichtlich im zweiten Quartal werde Tesla ersten Autobesitzern erlauben, ihre Wagen zum Geldverdienen als Robotaxis loszuschicken, hieß es. Musk hatte die Möglichkeit schon vor Jahren angekündigt.
Musks Ansatz beim autonomen Fahren ist umstritten. Er beharrt darauf, dass die Teslas nur mit Kameras unterwegs sind und auf andere Sensoren verzichten. Rivalen wie Waymo setzten dagegen zusätzlich teurere Laser-Radare ein, die die Umgebung der Fahrzeuge erfassen. Viele Experten finden Kameras nicht verlässlich genug, um sich nur auf sie zu verlassen.
RBC sieht Kurspotential für Tesla bis 480 Dollar
Goldman Sachs hat die Einstufung für Tesla nach den Zahlen mit einem Kursziel von 360 Dollar auf "Neutral" belassen. Der Quartalsbericht habe gute Fortschritte in mehreren Bereichen dokumentiert, schrieb Mark Delaney. So komme Tesla im Bereich Autonomes Fahren gut voran. Die Funktion sei in mehr als 75 Prozent der US-Auslieferungen enthalten. Zudem attestierte Delaney starke Auftragsbestände im Auto- und Energiegeschäft sowie eine höher als erwartete Profitabilität. Er rechnet 2027 und 2028 mit mehr Gewinndynamik, ließ seine Schätzungen aber weitgehend unverändert.
Jefferies-Analyst Philippe Houchois sieht für die Aktie Potenzial bis 400 Dollar. Der Elektroautobauer habe mit Umsatz und operativem Ergebnis (Ebit) die Erwartungen erfüllt, mit dem Barmittelzufluss aber dank niedrigerer Investitionen klar positiv überrascht, schrieb Houchois in einer ersten Reaktion.
Etwas optimistischer äußerte sich Tom Narayan von der kanadischen Bank RBC. Das Management strebe bis 2030 einen jährlichen Absatz von 5 Millionen Fahrzeugen an. Die kurzfristigen Erwartungen für den Roboter Optimus habe Tesla zwar gedämpft, doch das Robotaxigeschäft entwickle sich offenbar gut. Das Kursziel von Narayan lautet 480 Dollar.
Tesla hat im dritten Quartal 2026 die Gewinn- und Margenerwartungen der Wall Street erfüllt, beim Umsatz aber kaum Wachstum gezeigt. Für die Zukunft bleibt es dabei: Die Aufmerksamkeit der Investoren richtet sich zunehmend auf Teslas Strategie für künstliche Intelligenz. Das Unternehmen steckt viel Geld in den Humanoiden Roboter Optimus, in Robotaxis und KI-Anwendungen. Die Firma von Elon Musk bringt rund 1,52 Billionen Dollar auf die Börsenwaage. Das KGV liegt für 2027 liegt bei 224, das KUV lautet 12. Damit ist und bleibt Tesla ist eine Wette darauf, dass Musk seine Versprechen künftiger Erfolge einlösen kann. Wer investiert ist, bleibt dabei.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: SpaceX, Tesla.
Enthält Material von dpa-AFX
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