Ströer ist solide ins neue Geschäftsjahr gestartet. Der Werbevermarkter konnte im ersten Quartal sowohl Umsatz als auch operatives Ergebnis steigern. Vor allem die digitale Außenwerbung erwies sich erneut als Wachstumstreiber. An der Börse kommen die Zahlen gut an. Zudem gibt es immer wieder Spekulationen über eine Übernahme. Eine Bestandsaufnahme.
Die Erlöse von Ströer stiegen im ersten Quartal im Jahresvergleich um vier Prozent auf 496 Millionen Euro. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte lag das Wachstum bei 1,1 Prozent. Besonders stark entwickelte sich das Kerngeschäft mit Außenwerbung (OOH Media): Hier zog der Umsatz um gut fünf Prozent auf 221 Millionen Euro an.
Treiber war erneut die digitale Außenwerbung. In diesem Bereich legten die Erlöse um zwölf Prozent zu, während das klassische Außenwerbegeschäft leicht rückläufig war. Ströer profitiert damit weiter vom Trend hin zu digitalen Werbeformaten und gewinnt laut Analysten Marktanteile hinzu.
Auch operativ konnte der Konzern zulegen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um knapp zwei Prozent auf 119 Millionen Euro. Unter dem Strich ging der Gewinn allerdings von 12,7 auf 8,8 Millionen Euro zurück.
„Im ersten Quartal haben wir einmal mehr gezeigt, wie nachhaltig unser Geschäftsmodell trägt. In unserem Kerngeschäft OOH Media konnten wir die Profitabilität deutlich steigern, und wir haben unseren Cashflow spürbar verbessert. Digital Out-of-Home bleibt dabei unser klarer Wachstumsmotor – gleichzeitig treiben wir die Transformation unseres Kerngeschäfts konsequent in Richtung einer integrierten Plattform weiter voran“, kommentiert Vorstandschef Udo Müller das Zahlenwerk.
Die Jahresprognose wurde bestätigt. Für 2026 stellt Ströer weiterhin ein organisches Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Beim bereinigten operativen Ergebnis erwartet der Konzern eine weitgehend stabile Entwicklung.
Und sonst? Bei Statista gibt es erste positive Signale auf Kundenseite, allerdings befindet sich das Unternehmen weiterhin in einer Transformationsphase, weshalb es noch Zeit braucht, bis sich die Vertriebsdynamik beschleunigt. AsamBeauty leidet unter einem Plattformwechsel im Onlinegeschäft sowie einem schwachen Konsumumfeld und im Segment Dialog sowie bei den eigenen Plattformen im Digitalgeschäft zeigen sich solide organische Trends.
Analysten äußerten sich nach den Zahlen überwiegend positiv. JPMorgan-Experte Marcus Diebel sprach von einem soliden Quartal. Vor allem das Außenwerbegeschäft habe überzeugt und die Erwartungen leicht übertroffen. Belastend wirkten jedoch weiterhin die schwächeren Entwicklungen in den Bereichen Data as a Service (DaaS) und E-Commerce.
Für Berenberg bleibt Out-of-Home bleibt der Lichtblick: Wettbewerber wie JCDecaux, Lamar oder Clear Channel hätten sich ähnlich positiv über ihr OOH-Geschäft geäußert. Wachstumstreiber seien dabei die Digitalisierung sowie verbesserte Möglichkeiten beim Targeting und der Erfolgsmessung. „Deutschland gilt weiterhin als unterentwickelter OOH-Markt, und Ströer ist dort mit einem Marktanteil von über 60 Prozent sowie einer dominanten Stellung im Bereich Digital Out-of-Home (DOOH) hervorragend positioniert“, so die Branchenkenner.
Für zusätzliche Fantasie sorgen die immer wieder aufkeimenden Übernahmespekulationen: Zuletzt hieß es, die US-Investmentfirmen I Squared und Blackstone würden ein Angebot im mittleren 40-Euro-Bereich je Aktie vorbereiten. Bereits im April gab es Spekulationen über ein Interesse von Investoren an dem Out-of-Home-Werbegeschäft, das mit klassischen Anzeigeflächen (Classic OOH) und digitalen Bildschirmen (Digital OOH) in Bahnhöfen und Einkaufszentren zu den Kernaktivitäten des Konzerns zählt.
Diesen Plan sollen I Squared und Blackstone inzwischen aufgegeben haben und stattdessen nun eine Übernahme des gesamten Unternehmens prüfen. Ob es am Ende tatsächlich zu einem Deal kommt, bleibt allerdings völlig offen.
Fakt ist: Mit der starken Entwicklung im margenstarken Digitalgeschäft und der bestätigten Prognose sendet Ströer ein wichtiges Signal an den Markt. Gelingt es dem Werbespezialisten, die Schwäche in den übrigen Bereichen einzudämmen, könnte die Aktie ihre zuletzt eingeleitete Stabilisierung fortsetzen und Kurs auf die 50-Euro-Marke nehmen. Aus charttechnischer Sicht wurde mit dem Bruch des Abwärtstrends bereits ein passendes Kaufsignal generiert. DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot daher auf steigende Kurse bei der Aktie.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von Ströer befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Heute, 10:10