Lange war Rheinmetall an der Börse kaum zu bremsen. Doch seit rund einem Jahr befindet sich der Rüstungs-Highflyer mittlerweile in einer Konsolidierungsphase. Am Montag notiert die Aktie allerdings mit einem Plus von rund vier Prozent an der DAX-Spitze. Meldungen aus dem Nahen Osten und eine Kaufempfehlung der Citigroup treiben die Aktie an.
Die Citigroup hat Rheinmetall von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft, das Kursziel allerdings leicht von 1.480 auf 1.408 Euro gesenkt. Experte Charles Armitage geht davon aus, dass die jüngsten Kursrückgänge im gesamten Sektor maßgeblich von der Hoffnung auf ein Friedensabkommen in der Ukraine geprägt waren – nebst Bedenken über die Finanzierung steigender Verteidigungsausgaben in Europa. Beide Argumente seien nachvollziehbar, aber seiner Ansicht nach übertrieben.
Der Krieg wird derzeit in einer Sackgasse gesehen. Russland und die Ukraine überzogen sich nach der jüngsten Waffenruhe zuletzt wieder gegenseitig massiv mit Luftangriffen. In der Nacht auf Sonntag hatte die Ukraine russischen Angaben zufolge heftige Angriffe auf die Region Moskau gestartet. Russland hat die massiven ukrainischen Drohnenattacken in der Nacht mit Gegenangriffen beantwortet.
Armitage sieht Russland auch im Falle eines Kriegsendes in der Ukraine als Bedrohung für Europa. Schweden und Deutschland zählten dann zu den wenigen Ländern in Europa, die ihre Kreditaufnahme erhöhen könnten, um Mehrausgaben für die Verteidigung zu finanzieren. Andere Länder seien finanziell stärker eingeschränkt und wären zu weniger populären Schritten wie etwa Steuererhöhungen oder Einsparungen gezwungen.
Schwung aus dem Nahen Osten
Für zusätzlichen Rückenwind im Gesamtmarkt sorgten Meldungen, wonach im Iran-Krieg weitere Lösungsideen ausgetauscht werden. Unter anderem soll die US-Seite iranischen Medien zufolge dazu bereit sein, Ölsanktionen gegen Teheran vorübergehend zu lockern. Dies gilt als zentrale Forderung des Iran, um einem Friedensabkommen zuzustimmen und die Straße von Hormus zu öffnen. Im Gegensatz zum Ukraine-Krieg hatten europäische Rüstungskonzerne vom Konflikt im Nahen Osten nicht profitiert – und werden hier eher als Verlierer gespielt.
Rheinmetall ist in der vergangenen Woche kurz unter den Stoppkurs des AKTIONÄR gerutscht. Langfristig bleiben die Perspektiven für den Rüstungskonzern zwar gut. Für einen Wiedereinstieg müsste sich das Chartbild aber aufhellen – und mehrere Tage steigende Kurse eine Trendwende anzeigen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Rheinmetall.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 16:34