Etwas mehr als eine Woche nachdem die Commerzbank mit ihren Zahlen höhere Ziele in Aussicht gestellt hatte, präzisiert CEO Bettina Orlopp die Pläne beim Jobabbau. Dabei spielt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine große Rolle. Die Frage bleibt indes, ob es noch zu einer Umsetzung der neuen Strategie kommt.
Das Wichtigste kurz und knapp
• Die Commerzbank will durch den vermehrten Einsatz von Künstlicher Intelligenz tausende Jobs ersetzen.
• Die Finanzziele bis 2030 wurden zuletzt deutlich erhöht.
• Die UniCredit arbeitet unterdessen weiter an einer Übernahme – die Ziele könnten daher nie umgesetzt werden.
Die Commerzbank hat mit einem starken Jahresauftakt unlängst geglänzt und die Prognosen bei den Nettozinserträgen nach oben geschraubt. Mit den Quartalszahlen hat das Team um CEO Orlopp zudem eine nachgeschärfte Strategie präsentiert. Statt 4,6 Milliarden Euro Nettogewinn wollen die Frankfurter 2030 nun 5,9 Milliarden Euro verdienen – bei einer mit 43 Prozent dann deutlich geringeren Kosten-Ertrags-Quote (Q1/2026: 53 Prozent).
Damit einhergehen wird indes ein Abbau von 3.000 Stellen. Ein „sehr großer Teil“ davon soll durch den verstärkten Einsatz von Künstlicher Intelligenz überflüssig werden, sagte die Managerin der Deutschen Presse-Agentur. „KI ist sehr kraftvoll in verschiedenen Bereichen.“ Die Auswirkungen seien größer als man vor gut einem Jahr angenommen habe.
Beim Jobabbau will sie die eigene Belegschaft so weit wie möglich schonen. „Wir gehen zum Beispiel an die Kapazitäten bei externen Call-Centern ran“, sagte Orlopp. „Das Gleiche gilt für das IT-Umfeld, wo wir noch viele Externe einsetzen.“ Betriebsbedingte Kündigungen will die Commerzbank vermeiden. „So, wie unsere Demografie in der Bank ist, werden wir diesen Prozess maximal sozialverträglich gestalten“, bekräftigte Orlopp.
Hintergrund für das ambitionierte Nachschärfen der Strategie ist die Tatsache, dass die UniCredit der Commerzbank im Nacken sitzt und diese übernehmen will. Aktuell läuft ein freiwilliges Übernahmeangebot, das allerdings einen Preis impliziert, der unter dem Börsenkurs der Commerzbank liegt. Zudem ist keine Prämie enthalten.
Die Schlinge um die Commerzbank zieht sich langsam zu. Die Zeit wird zeigen, ob die neue Strategie der Commerzbank überhaupt umgesetzt wird oder das Geldhaus vorher italienisch wird. Für investierte Anleger besteht weiter kein Handlungsbedarf, sie bleiben an Bord. Wer noch nicht Aktionär der Commerzbank ist, kann überlegen, ob er mit ein paar Papieren noch auf die Übernahme setzt.
Was macht die Commerzbank?
Die Commerzbank ist eine der führenden Banken in Deutschland. Sie betreut Privatkunden, Firmenkunden und institutionelle Investoren. Nach der Deutschen Bank ist die Commerzbank die zweitgrößte börsengelistete Bank Deutschlands.
Ist die Commerzbank-Aktie im DAX gelistet?
Ja, die Commerzbank-Aktie ist im DAX gelistet und zählt damit zu den wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.
Zahlt die Commerzbank eine Dividende?
Ja, die Commerzbank zahlt grundsätzlich eine Dividende. Sie Höhe hängt von der Geschäftsentwicklung, der Kapitalausstattung und den Beschlüssen von Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung ab. In den vergangenen Jahren wurde sie mehrfach kräftig erhöht.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 08:21