Die Deutsche Börse sendet zum Wochenstart ein kräftiges Lebenszeichen. Im starken Gesamtmarkt (DAX +1,7 %) hat sich die Aktie des Börsenbetreibers mit einem Plus von fast fünf Prozent an die Spitze des deutschen Leitindex gesetzt. Dahinter steckt eine Kombination aus der millionenschweren Umschichtung eines Großaktionärs und einer operativen Sonderkonjunktur.
Wie aus einer Stimmrechtsmitteilung hervorgeht, hat der britische Hedgefonds TCI (The Children's Investment Fund) unter der Führung des britischen Milliardärs Christopher Hohn seine Beteiligung an dem DAX-Konzern auf 5,15 Prozent ausgebaut. TCI ist auf dem Frankfurter Parkett kein Unbekannter und für sein aggressives Vorgehen bekannt. Bereits vor über zwanzig Jahren hatte Hohn die Deutsche Börse wegen der damals geplanten Übernahme der London Stock Exchange scharf attackiert, Aktionärsproteste angeschoben und den damaligen Chef Werner Seifert zum Rücktritt gezwungen.
In der Regel fordert der Fonds strikte Kostendisziplin, eine Optimierung der Kapitalallokation oder verschärfte Aktienrückkaufprogramme. Dieses Mal stehen die Zeichen jedoch nicht auf Sturm. Finanzkreisen zufolge versteht sich TCI als langfristiger Investor und sucht explizit nicht die Konfrontation mit dem Management. Es sei demnach nicht geplant, dass der Fonds eine aktivistische Rolle einnimmt. Ein Sprecher der Deutschen Börse betonte bereits, dass man das Engagement von TCI begrüße und einen konstruktiven Dialog fortsetze.
Milliarden-Übernahme im Blick
Die Aufstockung fällt in eine strategisch entscheidende Phase. Die Deutsche Börse plant derzeit die größte Übernahme ihrer Unternehmensgeschichte: Für etwas mehr als fünf Milliarden Euro soll die Fondsplattform Allfunds geschluckt werden. Der Vollzug wird aufgrund aufsichtsrechtlicher Genehmigungen für das Jahr 2027 erwartet.
Gewinne sprudeln in der Krise
Neben den Eigentümer-Spekulationen läuft das operative Geschäft auf Hochtouren. Die Deutsche Börse agiert in der aktuellen Marktphase als klassischer Krisenprofiteur. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar legte die Aktie rund acht Prozent zu. Grund dafür sind die hohen Handelsvolumina bei starken Kursschwankungen. Neben dem klassischen Kassamarkt (Xetra) und der Derivatebörse Eurex sprudeln die Gewinne vor allem an der Energiebörse EEX. Hier profitiert der Betreiber direkt von den heftigen Preisbewegungen beim Gas.
Zusätzliche Kursfantasie liefert das laufende Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 500 Millionen Euro. Mit dem heutigen Kursschub nimmt das Papier zudem Kurs auf die 50-Tage-Linie bei 257 Euro, unter die es Anfang Mai nach Gewinnmitnahmen gerutscht war. Im bisherigen Jahresverlauf steht für den Titel bereits ein Kursplus von rund 15 Prozent zu Buche.
Die Aufstockung durch TCI bringt gesunde Fantasie in den DAX-Wert. Zusammen mit den anziehenden Handelsvolumina durch den volatilen Krisenhandel und der anstehenden Allfunds-Großübernahme stehen weiteren Kursgewinnen kaum Hindernisse im Weg. Investierte Anleger bleiben an Bord.
FAQs zur Deutsche-Börse-Aktie
Ist die Deutsche Börse ein guter Dividendenzahler?
Ja. Der Konzern verfolgt eine verlässliche Ausschüttungspolitik mit einer jährlichen Dividendensteigerung. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wurde auf der Hauptversammlung am 13. Mai eine Dividende von 4,20 Euro je Aktie beschlossen. Beim aktuellen Kursniveau entspricht das einer Dividendenrendite von rund 1,6 Prozent.
Welches Unternehmen hat die Deutsche Börse zuletzt übernommen?
Der Börsenbetreiber hat im Februar den Erwerb der verbleibenden Minderheitsanteile (knapp 20 Prozent) am Analysehaus ISS STOXX für rund 1,1 Milliarden Euro vollzogen. Zuvor war der dänische Software-Spezialist SimCorp die letzte große Akquisition.
Wie verdient die Deutsche Börse ihr Geld abseits des Aktienhandels?
Das klassische Kassamarkt-Geschäft (Xetra) macht nur noch einen kleineren Teil der Erlöse aus. Den Großteil der Erträge erzielt der Konzern im hochprofitablen Handel mit Derivaten (Eurex), dem Clearing (Abwicklung von Geschäften) sowie dem Verkauf von Marktdaten, Indizes und IT-Dienstleistungen.
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Enthält Material von dpa-AFX
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