Der DAX ist am Donnerstag aus seiner mehrmonatigen Seitwärtsphase ausgebrochen und hat ein neues Allzeithoch markiert. Der Index ging mit einem Plus von 2,16 Prozent bei 25.580,88 Punkten aus dem Handel. Besonders stark zeigten sich Werte aus dem Immobilien-Sektor sowie die Bayer-Aktie.
Den ersten Anstoß für die starke Aufwärtsbewegung lieferte der gefallene Ölpreis, der mit der Hoffnung auf Fortschritte bei den Gesprächen zwischen dem Iran und den USA begründet wurde. Am Nachmittag folgte der entscheidende Impuls dann von einem schwachen US-Arbeitsmarktbericht, der den Anlegern gefiel. Laut Analyst Tobias Basse von der NordLB mindert dieser eindeutig den Druck zu Zinsanhebungen, unter dem der neue Fed-Chef Kevin Warsh stehe. „Er kann damit leichter auf Zeit spielen und auf freundlichere Inflationsdaten warten", so Basse.
Der weniger technologielastige deutsche Aktienmarkt konnte sich der weltweiten Tendenz entziehen, wonach Halbleiterwerte unter der Sorge vor einem Überangebot an KI-Rechenkapazitäten litten.
Unter den deutschen Chipwerten gaben die Titel von Infineon als größter DAX-Verlierer um zwei Prozent nach. Die Aktien des Baukonzerns Hochtief verloren knapp zwei Prozent, nachdem sie bis Anfang Mai als gefeierter Profiteur des Rechenzentren-Ausbaus zugelegt hatten. Hintergrund der Schwäche bei Chip- und KI-Werten sind kolportierte Überlegungen des Social-Media-Konzerns Meta, überschüssige Rechenleistung an externe Kunden zu verkaufen.
Die ansonsten sehr lange Gewinnerliste in den Indizes der DAX-Familie war unter anderem von weiter erholten Rüstungswerten geprägt. Die Rheinmetall-Aktie wurde dank eines Anstiegs um 6,1 Prozent wieder über 1.100 Euro gehandelt, nachdem sie in der Vorwoche wegen eines verlorenen Großauftrags bis auf 900 Euro gefallen waren.
An die Spitze des DAX setzten sich jedoch die Bayer-Papiere, die es mit einem Plus von fast neun Prozent erstmals seit fast drei Jahren wieder über die Marke von 50 Euro schafften – und das deutlich. Der Agrarchemiekonzern bündelt sein US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in einer eigenständigen Tochtergesellschaft namens Ruveon. Zudem sprach die Deutsche Bank für die Aktie eine Kaufempfehlung aus.
Am Markt wurden zudem Reformbeschlüsse der Bundesregierung diskutiert. An der Börse profitierten davon Unternehmen aus dem Immobilienbereich – vor allem Vonovia mit einem Kurssprung um sechs Prozent, weil das Paket die Absicht enthält, eine Verstaatlichung privater Mietwohnungsbestände zu untersagen. Der Experte von JPMorgan bezeichnete dies mit Blick auf die Enteignungsdebatte in Berlin als „sehr positiv".
Für Bewegung sorgten vereinzelt auch Analystenkommentare. So stiegen die Titel der Deutschen Bank um 5,3 Prozent. Morgan Stanley hat das deutsche Geldhaus mit Blick auf die anstehende Berichtssaison zum zweiten Quartal – gemeinsam mit Barclays – zum Favoriten unter Europas Investmentbanken gekürt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bayer.
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