Als Werbevermarkter wurde Ströer im Jahr 2025 durch die Konjunktursorgen und insbesondere durch den US-Zollstreit spürbar ausgebremst. Ende August musste Vorstand Udo Müller sogar die Jahresprognose senken. Im laufenden Jahr dürfte nach einer Phase stagnierender Erlöse und Ergebnisse die Rückkehr auf den Wachstumspfad gelingen. Das macht die günstig bewertete Aktie zu einer interessanten Comeback-Spekulation.
Als Werbevermarkter kombiniert Ströer Außenwerbung, digitale Medien, Dialogmarketing, E-Commerce und Data-as-a-Service unter einem Dach.
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Ströers größtes und profitabelstes Segment Out-of-Home (OoH; Umsatzanteil rund 60 Prozent), das mit seinen klassischen Anzeigeflächen (Classic OoH) und digitalen Bildschirmen (Digital OoH) in Bahnhöfen und Einkaufszentren zu den Kernaktivitäten des Konzerns zählt, musste im Vorjahr eine nachlassende Umsatzdynamik verkraften. Trotz eines weiterhin herausfordernden konjunkturellen Umfelds ist im laufenden Jahr mit einer Beschleunigung des OoH-Wachstums zu rechnen – selbst bei einem leicht rückläufigen Gesamtwerbemarkt.
Daneben bündelt Ströer das Geschäft mit Internetwerbung und Callcentern in der separaten Sparte Digital & Dialog Media (Umsatzanteil rund 25 Prozent). Hier wird für 2026 nach einem erwarteten Ergebnisrückgang im laufenden Jahr wieder mit Wachstum gerechnet, unterstützt durch eine ertragsstarke Akquisition im Callcenter-Geschäft.
Im Bereich DaaS & E-Commerce (Umsatzanteil rund 15 Prozent) ist Ströer unter anderem mit Statista und Asam vertreten. Hier läuft derzeit ein Transformationsprozess, der mittelfristig wieder Wachstum bringen soll, kurzfristig jedoch herausfordernd bleibt: Statista leidet unter einer veränderten Suchnutzung, ist strukturell jedoch gut positioniert, während Asam dank starker Präsenz im Drogeriemarkt moderat wachsen dürfte.
Die Ausführungen von Finanzvorstand Henning Gieseke auf den Hamburger Investorentagen (HIT) in der vergangenen Woche lassen darauf schließen, dass der Werbevermarkter die gesenkten Planvorgaben für 2025 erreicht haben dürfte und der Start ins neue Jahr bislang recht ordentlich verlaufen ist. Kurzum: Ströer sollte die operative Talsohle durchschritten haben.
In Zahlen ausgedrückt: Bei Umsätzen von 2,18 Milliarden Euro (2025e: 2,07 Milliarden Euro) könnte im laufenden Jahr wieder ein Gewinn je Aktie von 3,23 Euro (2025e: 2,77 Euro) zu Buche stehen. Mit einem 2026er-KGV von 11 wäre die Aktie sehr attraktiv bewertet. Die für 2025 erwartete Dividende von 2,30 Euro je Aktie kann vollständig aus dem Free Cashflow bedient werden. Die Dividendenrendite liegt bei 6,5 Prozent.
Das Feld für ein Comeback ist bereitet. Passend dazu gab es vor dem Wochenende eine Reihe von Insiderkäufen. Shortseller befinden sich dem Vernehmen nach dagegen auf dem Rückzug. Neben den strukturellen Wachstumstreibern würde eine mögliche Belebung der Konjunktur in Deutschland dem Spezialisten für Außenwerbung mittelfristig zusätzlichen Rückenwind verleihen.
Belegt Ströer mit den am 5. März anstehenden Zahlen die skizzierte operative Trendwende und wird diese im weiteren Jahresverlauf durch die kommenden Quartalszahlen auch bestätigt, dürfte sich die Aktie wieder nachhaltig von ihren Tiefstständen lösen. Zum Vergleich: Analysten sehen die Aktie im Schnitt erst deutlich jenseits der 50-Euro-Marke fair bewertet. DER AKTIONÄR setzt im Real-Depot daher auf steigende Kurse.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von Allgeier und Ströer befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
11.02.2026, 10:50