Der Wasserstoff-Spezialist Thyssenkrupp Nucera ist mit einem deutlichen Dämpfer in das neue Geschäftsjahr 2025/26 gestartet. Die am Mittwochmorgen vorgelegten Zahlen zum ersten Quartal verfehlten die Erwartungen der Analysten teils deutlich. Dennoch hält das Management an der Jahresprognose fest und setzt auf eine deutliche Belebung im weiteren Jahresverlauf.
Der Umsatz des Elektrolyse-Spezialisten brach im ersten Quartal (per Ende Dezember) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um massive 44 Prozent auf 147 Millionen Euro ein. Analysten hatten im Schnitt mit 155 Millionen Euro gerechnet. Besonders schmerzhaft: Auch auf der Ergebnisseite rutschte Nucera tief in die roten Zahlen. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) lag bei minus vier Millionen Euro, nach einem Plus von acht Millionen Euro im Vorjahr. Damit wurde auch hier die Konsensschätzung von minus zwei Millionen Euro verfehlt.
Der Hauptgrund für den Umsatzrückgang: Große Projekte wie das Vorzeigeprojekt NEOM in Saudi-Arabien sind weitgehend abgearbeitet, während neue Großprojekte noch nicht im gleichen Maße zur Verumsatzung beitragen. Im Segment Grüner Wasserstoff (gH2) halbierte sich der Erlös nahezu auf 77 Millionen Euro.
Lichtblick im Chlor-Alkali-Geschäft
Während die Zahlen für das abgelaufene Quartal enttäuschen, gibt es beim Auftragseingang zumindest einen Hoffnungsschimmer für die nahe Zukunft. Zwar lag der Auftragseingang in Q1 mit 75 Millionen Euro ebenfalls unter dem Vorjahreswert (95 Millionen Euro), doch das Management verwies auf einen bereits im Dezember unterzeichneten Großauftrag im Chlor-Alkali-Bereich.
Dieser „größte Chlor-Alkali-Auftrag für ein Neubauprojekt in der Geschichte“ im hohen zweistelligen Millionenbereich wird erst im zweiten Quartal verbucht. CEO Dr. Werner Ponikwar sieht zudem „verstärkt positive Marktimpulse“, insbesondere im Bereich des grünen Wasserstoffs, auch wenn das Umfeld herausfordernd bleibe.
Prognose bestätigt
Trotz des schwachen Starts bekräftigte der Vorstand daher seine Prognose für das Gesamtjahr 2025/26: Der Umsatz soll demnach 500 bis 600 Millionen Euro betragen und deutlich unter dem Vorjahreswert von 845 Millionen Euro liegen. Zudem soll sich das EBIT zwischen minus 30 Millionen und der schwarzen Null bewegen. Der Auftragseingang könnte 350 bis 900 Millionen Euro betragen.
Um die Ziele zu erreichen, muss Nucera in den kommenden drei Quartalen deutlich an Fahrt aufnehmen. Das Unternehmen setzt dabei auf Kostendisziplin und eine verbesserte Bruttomarge durch einen profitableren Projektmix. Gleichzeitig wird weiter massiv in Forschung und Entwicklung investiert, um technologisch bei Hochtemperaturelektrolyse (SOEC) und neuen Membran-Generationen die Nase vorn zu behalten.
Die durchwachsenen Zahlen lösen keine Euphorie aus. Im vorbörslichen Handel gibt das Papier etwas nach. Ein Einstieg drängt sich aus Sicht des AKTIONÄR weiterhin nicht auf.
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