Der Versicherungsriese Allianz nimmt nach einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs umstrittene Kürzungen bei fondsgebundenen Riester-Rentenverträgen zurück. Betroffene Versicherte dürfen mit spürbar höheren Auszahlungen rechnen. DER AKTIONÄR zeigt, was das auch für die Anleger bedeutet.
Der BGH hat klargestellt, dass Versicherer den Rentenfaktor nicht einseitig dauerhaft senken dürfen, ohne sich gleichzeitig zu verpflichten, ihn bei verbesserten Rahmenbedingungen wieder anzuheben. Solche Klauseln benachteiligen Kunden unangemessen und verletzen das Äquivalenzprinzip.
Der sogenannte Rentenfaktor legt fest, wie viel monatliche Rente Versicherte pro 10.000 Euro angespartem Kapital erhalten. Die Allianz hebt diesen Wert in betroffenen Verträgen nun wieder auf das ursprünglich vereinbarte Niveau an – teilweise um rund ein Drittel höher als zuletzt.
Damit dürfte es in den kommenden Monaten zu Nachzahlungen und steigenden Rentenleistungen kommen. Für Verbraucher ist das ein Erfolg – für die Allianz dagegen eine Belastung.
Kurzfristig könnten höhere Rückstellungen nötig werden. Allerdings betrifft die Rücknahme nur bestimmte Altverträge. Laut der Allianz bezieht sich der Unterlassungsanspruch lediglich auf Riester-Verträge mit einer konkreten Regelung, die zwischen Juni und November 2006 abgeschlossen wurden.
Ebenfalls entscheidend: Der BGH hat nicht Rentenfaktor-Anpassungen generell gekippt, sondern das einseitige Modell ohne Pflicht zur Wiederanhebung. Bereits seit 2007 enthalten entsprechende Verträge die Pflicht zur späteren Wiederanhebung und sind damit nicht betroffen.
Auch im Neugeschäft sind Rentenfaktoren heute vorsichtiger kalkuliert. Viele Tarife enthalten entweder klarere Anpassungsmechanismen oder von Anfang an niedrigere Faktoren. Die Folgen für den Gesamtkonzern und damit auch für die Anleger sind daher marginal.
Für die Allianz-Aktie ist das Urteil ein Altlasten-Thema ohne größere Relevanz. Der Versicherungsriese ist fundamental weiter hervorragend aufgestellt. Auch charttechnisch hat sich die Lage entspannt. Der Test der 100-Tage-Linie verlief erfolgreich und nun dreht die Aktie von hier aus wieder nach oben. Anleger können daher zugreifen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.
Heute, 07:39