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Microsoft: Jetzt verkauft Bill Gates alles

Microsoft: Jetzt verkauft Bill Gates alles
Foto: Anadolu/Halil Sagirkaya/picture alliance/dpa
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Lukas Meyer Heute, 16:10 Lukas Meyer

Das Ende einer Ära: Der Bill & Melinda Gates Foundation Trust hat im ersten Quartal 2026 seine verbliebenen Microsoft-Aktien komplett liquidiert. Was auf den ersten Blick wie ein Schock für Anleger wirkt, ist bei genauerer Betrachtung kein Misstrauensvotum gegen den Tech-Giganten. In der Vergangenheit waren die Verkäufe des Mitgründers ohnehin kein verlässlicher Indikator für die Kursentwicklung.

Aus dem aktuellen 13F-Filing für das erste Quartal 2026 geht hervor, dass die Stiftung ihre letzten 7,69 Millionen Anteile am Windows-Konzern auf den Markt geworfen hat. Beim aktuellen Kursniveau entspricht das einem Gegenwert von rund 3,2 Milliarden Dollar. Der Ausstieg kam mit Ansage: Bereits im dritten Quartal 2025 trennte sich die Stiftung von 17 Millionen Aktien für rund 8,8 Milliarden Dollar. Nun ist die Position offiziell auf Null geschrumpft.

Hinter der Umschichtung stecken stiftungsrechtliche Vorgaben zur Diversifikation und ein enormer Liquiditätsbedarf. Die Stiftung hat ihre jährlichen Ausschüttungen für globale Gesundheits- und Entwicklungsprojekte auf die Rekordsumme von neun Milliarden Dollar hochgefahren. Zudem greift eine strikte Vorgabe: Bis zum 31. Dezember 2045 muss das gesamte Stiftungsvermögen von derzeit rund 75 Milliarden Dollar vollständig ausgegeben sein („Spend Down“), da die Organisation dann permanent schließt. Durch den starken Kursanstieg der Microsoft-Aktie war das Klumpenrisiko im Portfolio schlicht zu groß geworden. Die größten Positionen der Stiftung sind nun Berkshire Hathaway und Waste Management.

Schlechtes Timing

Für Anleger ist die Nachricht kein Grund zur Panik. Ein Blick in die Historie zeigt, dass Verkäufe von Microsoft-Mitbegründer Bill Gates der Aktie langfristig nie geschadet haben. So trennte sich die Stiftung beispielsweise im zweiten Quartal 2019 von einem Paket von acht Millionen Aktien zu Kursen von damals rund 117 Dollar. Wer damals aus vermeintlicher Panik vor den Gates-Verkäufen mit ausgestiegen ist, lag gründlich falsch: Seitdem hat sich der Kurs der Microsoft-Aktie nochmals mehr als verdreifacht.

Microsoft (WKN: 870747)

Beim IPO am 14. März 1986 kostete eine Microsoft-Aktie 21 Dollar. Nach insgesamt neun Aktiensplits entspricht der damalige Erstausgabepreis umgerechnet knapp einem Cent. Wer zum IPO lediglich 1.000 Dollar investierte, besitzt heute ein Millionenvermögen. Gates hielt damals 45 Prozent der Anteile. Hätte er diese Position niemals angerührt, wäre er heute mit gigantischem Abstand der reichste Mensch der Welt. Seine kontinuierlichen Verkäufe dienten stets dem Aufbau der Stiftung sowie Umschichtungen in andere Vermögenswerte wie Agrarland oder Eisenbahnen, waren aus reiner Performance-Sicht jedoch eine historische Fehlkalkulation.

Während die Stiftung geht, greifen andere Milliardäre zu. Prominentes Beispiel ist der aktivistische Investor Bill Ackman. Mit seinem Hedgefonds Pershing Square hat Ackman im ersten Quartal eine neue, rund 2,1 Milliarden Dollar schwere Position bei Microsoft aufgebaut und hält nun 5,65 Millionen Aktien. Für Ackman ist der Kursrückgang aufgrund kurzfristiger KI-Sorgen eine attraktive Einstiegsgelegenheit. Er betont die Widerstandsfähigkeit des Microsoft-365-Ökosystems und den Wert der OpenAI-Beteiligung, den er auf rund 200 Milliarden Dollar schätzt.

Der Komplettausstieg der Gates-Stiftung hat rein strategische und philanthropische Gründe. Die fundamentale Story von Microsoft bleibt intakt. Während der Microsoft-Mitbegründer Kasse macht, nutzen Profis wie Bill Ackman das Niveau für Nachkäufe. Die Aktie bleibt ein Basisinvestment für jedes langfristig ausgerichtete Depot. Anleger lassen die Gewinne laufen.

FAQs zur Microsoft-Aktie

Wie lauten die Kursziele der Analysten?

Die Experten sind bullish gestimmt. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 600 Dollar. Das Spitzenkursziel an der Wall Street beträgt aktuell 675 Dollar. Beim aktuellen Aktienkurs von 422 Dollar entspricht das einem Kurspotenzial von rund 60 Prozent.

Ist die Microsoft-Aktie jetzt unterbewertet?

Ja. Der Markt hat das Papier aufgrund kurzfristiger Ängste vor zu hohen Investitionen zu stark abgestraft. Die fundamentale Wachstumsstory im Bereich Cloud (Azure) und Künstliche Intelligenz ist jedoch voll intakt. Für langfristig orientierte Anleger bietet das aktuelle Kursniveau daher eine attraktive Einstiegsgelegenheit.

Welche Rolle spielt OpenAI für den Kurs?

Eine entscheidende Rolle. Microsoft hält eine milliardenschwere Beteiligung an dem KI-Pionier. Die tiefe Integration der GPT-Modelle in das eigene Software-Ökosystem sichert dem Konzern einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil und treibt das profitable Wachstum im Cloud-Geschäft weiter an.

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Microsoft.

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