Das war regelrecht historisch: Cerebras Systems hat einen bemerkenswerten Börsenstart hingelegt. Denn die Aktie des KI-Chipherstellers eröffnete am Donnerstag an der Nasdaq bei 350 Dollar, nachdem die Anteilscheine zuvor zu 185 Dollar ausgegeben worden waren. Damit wurde das Unternehmen direkt mit mehr als 100 Milliarden Dollar bewertet.
Insgesamt platzierte Cerebras 30 Millionen Aktien und nahm damit 5,55 Milliarden Dollar ein. Es war der größte Börsengang eines US-Technologiekonzerns seit Uber im Jahr 2019. Sollte die Mehrzuteilungsoption vollständig genutzt werden, könnte das Emissionsvolumen sogar auf mehr als 6,3 Milliarden Dollar steigen.
Der Börsengang profitiert stark vom anhaltenden Boom rund um Künstliche Intelligenz. Anleger setzen derzeit massiv auf Unternehmen aus der Halbleiter- und KI-Branche. Davon profitieren auch andere Chipkonzerne wie Intel, AMD oder Micron, die in diesem Jahr bereits enorme Kursgewinne verzeichnet haben. Hintergrund ist vor allem die rasant steigende Nachfrage nach leistungsfähigen KI-Chips für Rechenzentren und sogenannte KI-Agenten, die Aufgaben zunehmend eigenständig erledigen können.
Cerebras gilt als einer der spannendsten Herausforderer von Nvidia. Das Unternehmen entwickelt spezielle KI-Prozessoren und verspricht durch seine Chiparchitektur Vorteile bei Geschwindigkeit und Kosten gegenüber klassischen Grafikprozessoren. Nvidia bleibt zwar klarer Marktführer, doch Cerebras positioniert sich gezielt als Alternative im boomenden KI-Markt.
Operativ entwickelte sich das Unternehmen zuletzt ebenfalls stark. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 76 Prozent auf 510 Millionen Dollar. Gleichzeitig gelang der Sprung in die Gewinnzone. Nachdem zuvor noch ein hoher Verlust angefallen war, erzielte Cerebras nun einen Nettogewinn von 88 Millionen Dollar.
Der Weg an die Börse verlief allerdings nicht ohne Probleme. Bereits 2024 hatte Cerebras einen ersten IPO-Anlauf gestartet, diesen später aber wieder zurückgezogen. Kritiker hatten damals die starke Abhängigkeit von einem einzelnen Kunden aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bemängelt. Inzwischen hat sich diese Abhängigkeit jedoch deutlich reduziert. Laut aktuellem Börsenprospekt entfielen zuletzt nur noch 24 Prozent des Umsatzes auf das KI-Unternehmen G42. Ein weiterer großer Kunde bleibt allerdings die Mohamed bin Zayed University of Artificial Intelligence in Abu Dhabi.
Experten rechnen nun damit, dass der erfolgreiche Börsengang von Cerebras eine neue IPO-Welle im KI-Sektor auslösen könnte. Beobachter erwarten, dass auch Unternehmen wie OpenAI, Anthropic oder Elon Musks SpaceX beziehungsweise xAI in den kommenden Monaten den Gang an die Börse vorbereiten könnten.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.
Aktien der Nvidia befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
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