Schon am Aktienkurs lässt sich erkennen, dass es bei Stellantis alles andere als rund läuft. Vom Allzeithoch im April 2024 hat das Papier der Opel-Mutter rund zwei Drittel verloren. Neue Zahlen untermauern nun den Ernst der Lage: Der Output der italienischen Werke lag im Jahr 2025 auf dem Niveau der 1950er-Jahre.
Der heftige Einbruch der Produktion in Italien liefert eine Erklärung für die anhaltende Skepsis der Anleger. Stellantis hat im vergangenen Jahr dort fast ein Viertel weniger Fahrzeuge gebaut als noch 2024. Insgesamt liefen 379.706 Fahrzeuge, inklusive Transporter, vom Band. Der reine Pkw-Output lag bei 213.706 Einheiten. Zum Vergleich: Im Jahr 1955 produzierte Fiat in Italien 230.988 Autos.
Bis Ende September war die Lage noch deutlich schlechter. Die Pkw-Produktion lag zu diesem Zeitpunkt 36 Prozent unter Vorjahr. Nur das bessere vierte Quartal verhinderte einen noch stärkeren Absturz. Treiber war vor allem der Hochlauf des neuen Fiat 500 Hybrid in Turin sowie der Produktionsstart des neuen Jeep Compass im Süden des Landes. In Mailänder Werk Mirafiori führte das sogar noch zu einem Plus von 17 Prozent im Gesamtjahr.
Nur noch ein Viertel der Spitzenzeiten
In allen anderen italienischen Werken ging die Produktion dagegen zweistellig zurück. Besonders hart traf es Melfi. Dort brach die Produktion um nahezu die Hälfte ein. In Cassino stand die Fertigung 105 Tage still. Insgesamt hat sich der Output in Italien seit dem jüngsten Hoch von über 750.000 Fahrzeugen im Jahr 2023 etwa halbiert. Jahrelang wurden sogar mehr als eine Million Einheiten erreicht.
Die Ursachen sind vielschichtig. Unter dem früheren Konzernchef Carlos Tavares verlagerte Stellantis Teile der Fertigung in günstigere Länder wie Marokko. Gleichzeitig blieb die Nachfrage nach dem vollelektrischen Fiat 500 deutlich hinter den Erwartungen zurück. Hinzu kommt der wachsende Druck durch chinesische Anbieter wie BYD sowie die Einführung von Modellen des Partners Leapmotor über das eigene Vertriebsnetz.
Bringt Filosa die Wende?
Der neue Konzernchef Antonio Filosa versucht, politisch gegenzusteuern. Stellantis kündigte Aufträge von mehr als sieben Milliarden Euro bei italienischen Zulieferern an und investierte im Jahr 2025 rund zwei Milliarden Euro in die heimischen Werke. Ob das reicht, entscheidet sich auch mit dem neuen Strategieplan, den der Konzern im ersten Halbjahr vorlegen will.
Stellantis steht unter Druck. Dass der Output in Italien so stark gefallen ist liegt jedoch auch an Entscheidungen des Ex-CEOs Carlos Tavares. Bis Filosa allerdings nicht beweist, dass er es besser kann, drängt sich ein Einstieg bei der Aktie des Mehrmarkenkonzerns nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Stellantis.
07.01.2026, 17:05