20‑Milliarden‑Verlust und Dividenden‑Stopp: Europäischer Autoriese zieht die Notbremse

20‑Milliarden‑Verlust und Dividenden‑Stopp: Europäischer Autoriese zieht die Notbremse
Foto: Mike Dotta/Shutterstock
Stellantis N.V. -%
Philipp Schleu Heute, 10:31 Philipp Schleu

Der Autogigant Stellantis muss einen harten Schlag hinnehmen. Das Unternehmen verbucht Sonderbelastungen von insgesamt rund 22 Milliarden Euro. Dadurch summiert sich das Ergebnis für die zweite Jahreshälfte 2025 voraussichtlich auf einen Verlust von 19 bis 21 Milliarden Euro. Hohe Kosten und die weltweit schwache Nachfrage nach Elektroautos erzwingen einen radikalen Strategiewechsel.

Die Neuausrichtung hat ihren Preis. Von der Gesamtsumme der Abschreibungen entfallen rund 6,5 Milliarden Euro auf direkte Barzahlungen. Der Rest sind bilanzielle Wertberichtigungen. Ein prominentes Opfer dieser Kehrtwende ist die Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution. Das geplante Joint Venture in Kanada wird beendet. Ursprünglich wollte Stellantis dort über fünf Milliarden kanadische Dollar (umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro) in eine großflächige Batteriefabrik investieren. Dieses Vorhaben ist nun Geschichte.

Stellantis wird die Belastungen im zweiten Halbjahr 2025 verbuchen. Die Kosten werden aus dem operativen Gewinn herausgerechnet, um das Kerngeschäft vergleichbar zu halten. Zusätzlich wird der Autobauer in diesem Jahr keine Dividenden zahlen.

Stellantis (WKN: A2QL01)

Filosa räumt bei den Marken auf

Konzernchef Antonio Filosa, der das Ruder im Juni übernommen hat, baut den Hersteller mit seinen 14 Marken massiv um. Er will Marktanteile zurückgewinnen und gleichzeitig die Risiken durch mögliche US-Zölle minimieren. Dafür opfert er bisherige Prestigeprojekte. So wurde der vollelektrische Pickup RAM 1500 in den USA bereits gestrichen. Auch in Europa tritt Stellantis auf die Bremse und verzögert wichtige Elektro-Projekte der Marke Alfa Romeo.

Während Stellantis früher voll auf Strom setzte, stehen nun Effizienz und Flexibilität im Vordergrund. Der Grund: Die Kunden greifen seltener zum E-Auto als gedacht. Entsprechend korrigiert Filosa die Ambitionen nach unten, um die Cash-Reserven des Konzerns zu schonen.

Die gesamte Branche korrigiert

Stellantis ist mit diesen Problemen nicht allein. Die gesamte Automobilindustrie bilanziert derzeit die Kosten der verfehlten Elektro-Euphorie. Ford meldete zuletzt Belastungen in Höhe von 19,5 Milliarden Dollar für den Umbau seines Elektrogeschäfts. Bei General Motors summierten sich die Abschreibungen auf 7,6 Milliarden Dollar. Auch deutsche Hersteller wie Porsche mussten ihre Prognosen im vergangenen Jahr mehrfach nach unten schrauben, weil der Absatz der Stromer stockte.

Stellantis vollzieht eine schmerzhafte, aber notwendige Kurskorrektur. Die Milliarden-Abschreibungen sind das Eingeständnis, dass die schnelle Transformation zum reinen E-Auto-Bauer gescheitert ist. Anleger sollten die Aktie weiterhin meiden.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Stellantis.

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