Der Ölmarkt dreht weiter nach oben. Brent steigt heute zeitweise wieder über die Marke von 110 Dollar, WTI kratzt an der 100-Dollar-Schwelle. Auslöser ist ein explosiver Mix: geopolitische Eskalation, neue Angriffe im Ukraine-Krieg und ein überraschender Paukenschlag aus der OPEC. Die Lage bleibt extrem volatil.
Im Zentrum steht weiter der Konflikt zwischen den USA und Iran. Die Straße von Hormus bleibt faktisch blockiert – ein Nadelöhr, durch das normalerweise rund ein Fünftel des globalen Öl- und Gasverkehrs läuft. US-Präsident Donald Trump erklärte, Iran wolle die Passage „so schnell wie möglich“ wieder öffnen. Voraussetzung ist allerdings ein Ende der US-Blockade. Eine Einigung ist bislang nicht in Sicht.
UAE verlassen die OPEC
Parallel sorgt eine zweite Nachricht für Unruhe: Die Vereinigten Arabischen Emirate treten zum 1. Mai aus der OPEC aus. Ein schwerer Schlag für das Kartell.
Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nichts, gewinnt durch den aktuellen Konflikt aber zusätzliche Brisanz. Die VAE wollen künftig flexibler agieren und ihre Förderung unabhängig steuern.
Ohne OPEC-Bindung hätte das Land mehr Spielraum, die Produktion deutlich auszuweiten. Experten warnen vor einer schwächeren Disziplin im Kartell – und damit vor stärkeren Preisschwankungen.
Kurzfristig verpufft der Effekt allerdings weitgehend. Der Markt bleibt unterversorgt, solange die Straße von Hormus blockiert ist.
Ukraine greift russische Infrastruktur an
Zusätzlichen Druck erzeugen neue Angriffe im Ukraine-Krieg. Die Ukraine wehrt sich und nimmt immer wieder erfolgreich Öl-Ziele ins Visier. Jetzt wurde eine wichtige Raffinerie am Schwarzen Meer erneut getroffen. Es kam zu einem Großbrand.
Die Anlage gehört zu den exportorientierten Standorten Russlands. Wiederholte Angriffe auf Energieinfrastruktur verschärfen die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter. Russland soll daher auch nur sehr bedingt von den gestiegenen Preisen profitieren.
Absicherungen
Trotz steigender Preise sichern sich erste Händler bereits gegen fallende Kurse ab. Hintergrund: Sollte es doch zu einer schnellen Einigung mit Iran kommen oder die VAE ihre Produktion hochfahren, droht eine Gegenbewegung.
Kurzfristig dominieren Knappheit und Risikoaufschläge. Mittelfristig wächst die Unsicherheit, wie stabil dieses Preisniveau ist. Mehr zum Öl-Trade lesen Sie auch in der neuen AKTIONÄR-Ausgabe.
Heute, 21:36