Auf dem Heimatmarkt in China wird es für BYD immer unangenehmer: Die Konkurrenz wächst, Subventionen fallen weg und die Auslieferungen stocken. Umso wichtiger wird daher die internationale Strategie: In Mexiko fasst der Autobauer nun ein Werk ins Auge, das auf Anhieb zum größten außerhalb Chinas werden könnte. Auch Mercedes-Benz spielt eine Rolle.
BYD zählt neben Geely und VinFast zu den drei Finalisten im Bieterverfahren um ein Gemeinschaftswerk von Nissan-Mercedes in Aguascalientes. Das Werk wurde 2017 eröffnet und verfügt über eine jährliche Kapazität von 230.000 Fahrzeugen. Produziert werden dort aktuell noch der Mercedes GLB sowie Infiniti-Modelle, die Fertigung endet spätestens im Mai 2026.
Für BYD wäre der Kauf strategisch nachvollziehbar. Der Konzern hatte seit 2024 den Bau einer eigenen Fabrik in Mexiko geprüft, scheiterte jedoch an regulatorischen Hürden in Mexiko und Verzögerungen durch Chinas Handelsministerium. Mit dem Erwerb eines bestehenden Standorts würden diese Blockaden umgangen: keine langwierigen Genehmigungen, eingespielte Belegschaft, vorhandene Logistik. BYD hätte eine sofortige Produktionsbasis für Mexiko und Lateinamerika.
BYDs internationales Netz von Fabriken
Das Vorgehen würde insgesamt zu BYDs globaler „Local-for-Local“-Strategie passen. Nach neuen Kapazitäten in Thailand, Brasilien und Ungarn würde Mexiko die Expansion in einen weiteren Kernmarkt beschleunigen. Hintergrund sind Handelsbarrieren gegen chinesische Hersteller. Die lokale Fertigung schafft Flexibilität und reduziert Abhängigkeiten vom Heimatmarkt.
BYD hat Mexiko nicht ohne Grund schon länger im Auge. Hersteller aus China kommen dort gut an, haben ihren Marktanteil seit 2020 auf rund zehn Prozent gesteigert. BYD steigerte seine weltweiten Verkäufe seit 2020 um das Zehnfache und überschritt 2025 erstmals die Marke von 1 Million Fahrzeugen im Ausland.
Mercedes und Nissan haben keine Verwendung
Für Mercedes und Nissan ist der Verkauf Teil einer Bereinigung. Nissan reduziert im Rahmen eines globalen Umbaus seine Werke deutlich, Mercedes verlagert die nächste GLB-Generation nach Ungarn. Der Verkauf des modernen Werks würde Kapital freisetzen und Überkapazitäten abbauen.
Für BYD werden die Überseemärkte immer wichtiger. Mit dem Mercedes-Nissan-Werk würde der Autobauer auf Anhieb neue Kapazitäten gewinnen, Zölle umgehen und das sich zuletzt verlangsamende Wachstum wieder antreiben. Langfristig sieht DER AKTIONÄR BYD hierfür gut aufgestellt. Ein Einstieg drängt sich aufgrund des aktuell angeschlagenen Chartbilds aktuell aber nicht auf.
Heute, 13:25