BYD ist vor allem als weltgrößter Hersteller elektrifizierter Fahrzeuge bekannt. Weniger bekannt ist dagegen die Batteriesparte, die jedoch ein wesentlicher Bestandteil des Unternehmens ist. Selbst Tesla war zeitweise Kunde von BYDs fortschrittlicher Blade-Battery. Am Wochenende präsentierten die Chinesen spannende Neuigkeiten aus dem Batteriesektor und lieferten sogar Infos zu einem absoluten Trendthema: Feststoffbatterien.
BYD hat auf einem Investorenbriefing einen Einblick in den Stand der dritten Generation seiner Natrium-Ionen-Batteriearchitektur gegeben. Im Mittelpunkt standen erstmals konkret Natrium-Ionen-Batterien, die sich nach Angaben des Konzerns in einer fortgeschrittenen Entwicklungsphase befinden. Die Zellen erreichen demnach eine Lebensdauer von bis zu 10.000 Ladezyklen. Eine Serienfertigung ist jedoch noch nicht beschlossen und soll erst bei konkreter Markt- und Kundennachfrage anlaufen. Im aktuellen Fahrzeuggeschäft dominieren weiterhin Lithium-Eisenphosphat-Batterien mit meist 2.000 bis 3.000 Zyklen.
BYD gibt an, zentrale Herausforderungen wie Natrium-Ausfällungen und hohe Betriebstemperaturen durch neue Materialkonzepte sowie Anpassungen im elektrochemischen System gelöst zu haben. Für den Konzern ist das ein wichtiger Entwicklungsschritt, da Natrium im Vergleich zu Lithium günstiger und breiter verfügbar ist. Für stationäre Speicher sind solche Zyklenzahlen bereits Stand der Technik, im Automobilbereich wäre dies ein deutlicher Fortschritt. Langfristig eröffnet das Potenzial für günstige Fahrzeuge und stationäre Energiespeicher.
Das Batteriegeschäft spielt im BYD-Konzern eine Schlüsselrolle. Der Hersteller zählt zu den größten Produzenten von Traktionsbatterien weltweit und deckt Entwicklung, Fertigung und Integration selbst ab. Diese vertikale Struktur verschafft BYD Kontrolle über Kosten, Skalierung und Technologiepfade und unterscheidet den Konzern von vielen reinen Autobauern. Neben Fahrzeugen beliefert BYD auch externe Kunden und den wachsenden Markt für Energiespeicher.
BYD bei Feststoffzelle auf dem Vormarsch
Parallel treibt BYD die Entwicklung von Feststoffbatterien voran. Der Fokus liegt auf sulfidbasierten Systemen, die höhere Reichweite, kürzere Ladezeiten und eine längere Lebensdauer versprechen. Wie BYD mitteilte, strebt man ab 2027 erste kleine Serien an Die breite Industrialisierung von Feststoffbatterien wird nach Einschätzung von Experten überwiegend erst um 2030 erwartet.
Wo steht BYD bei der Feststoffbatterie?
Im Vergleich zur Konkurrenz bewegt sich BYD damit im Mittelfeld der Zeitpläne. Toyota strebt mit seinen oxidbasierten Feststoffbatterien eine frühere Serienanwendung ab 2027 an, hat damit den ambitioniertesten Zeitplan, musste seine Ziele jedoch wiederholt anpassen. Auch Samsung SDI strebt die Massenfertigung ab 2027 an. CATL, der größte Batterieproduzent der Welt, verfolgt einen BYD-ähnlichen, eher konservativen Ansatz mit einer Pilot- und Kleinserien ab 2027, die große Skalierung wird vor 2030 angestrebt. Bereits 2026 sollen Halbfeststoffakkus in Massenproduktion gehen. Das von der VW-Tochter PowerCo unterstützte Start-up QuantumScape will erste komerzielle Lieferungen ab 2027 durchführen, jedoch stellt sich hier die Frage der Skalierung. Eine Pilot-Produktionslinie wurde Anfang Februar eingeweiht. BYD kombiniert technologische Entwicklung mit eigener Fahrzeugproduktion und positioniert sich damit als pragmatischer Umsetzer im globalen Batteriewettlauf.
BYDs Batteriesparte ist ein wichtiges Standbein im Unternehmen. Die hohe vertikale Integration stellt die Versorgung mit Zellen sicher, was sich unter anderem in Zeiten der Corona-Pandemie zeigte. Gleichzeitig werden auch Konkurrenten mit Batterien versorgt – zuletzt wurde Ford als potenzieller Kunde genannt. In Sachen Feststoffbatterie liegt BYD mit der Konkurrenz in etwa gleichauf, bis hier allerdings merkliche Umsätze zu erwarten sind, dürften noch Jahre vergehen. Ein Einstieg drängt sich aktuell nicht auf.
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