Der indische Automobilmarkt rückt mehr und mehr in den Fokus der Automobilbranche. Nachdem sich das bevölkerungsreichste Land der Welt durch ein Handelsabkommen für europäische Hersteller öffnet, treibt nun auch BYD seine Offensive auf den Markt mit reichlich Potenzial voran. Mit einem Trick wollen die Chinesen bremsende Importquoten umgehen.
BYD treibt seine Pläne für den indischen Markt voran. Wie Bloomberg berichtet, prüft der chinesische Elektroautohersteller laut mit der Sache vertrauten Personen Optionen für eine Ausweitung des Geschäfts, darunter eine lokale Montage. Hintergrund ist die stark gestiegene Nachfrage. Händler sitzen demnach auf Hunderten Fahrzeugbestellungen.
Konkret erwägt BYD eine sogenannte SKD-Montage, also den Zusammenbau angelieferter Fahrzeugteile. Dieses Modell gilt als regulatorisch einfacher und deutlich günstiger als der Bau eines vollständigen Werks. Ein früherer Antrag für eine komplette Fabrik war von Indien abgelehnt worden. Parallel arbeitet BYD an lokalen Sicherheits- und Zulassungsfreigaben für weitere Modelle, da die Einfuhr kompletter Fahrzeuge strengen Quoten unterliegt.
Indiens Automarkt: Hohe Nachfrage, hohe Hürden
Der Nachfrage, das Potenzial aber auch der Druck sind hoch. BYD Indien-Verkäufe stiegen im vergangenen Jahr um rund 88 Prozent auf etwa 5.500 Fahrzeuge. Pro Modell dürfen jedoch nur 2.500 komplett montierte Fahrzeuge importiert werden. Hinzu kommen Zölle von bis zu 110 Prozent, die auf den Import von Fahrzeugen gelten. Eine SKD-Montage würde die Abgaben auf etwa 30 Prozent senken. Zum Vergleich: Der vollständig in China montierte und in Indien importierte Atto 3 wird mit rund 70 Prozent belegt.
BYD verkauft in Indien neben dem Klein-SUV Atto 3, den eMax 7, den Sealion 7 und die Limousine Seal. Der Atto 3 startet trotz hoher Zölle bei 2,5 Millionen Rupien (umgerechnet rund 22.800 Euro) und liegt damit unter vergleichbaren Tesla-Modellen. Während BYD von ausverkauften Beständen berichtet, kämpft Tesla laut den Quellen mit Rabatten gegen dieselben Markthürden.
Die Gespräche unterstreichen die strategische Bedeutung Indiens für BYD. Der Konzern will seine Auslieferungen außerhalb Chinas in diesem Jahr um fast 25 Prozent steigern. Zugleich wird der Markt auch europäische Hersteller attraktiver. Ein neues Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien senkt für begrenzte Importkontingente künftig die Zölle von bis zu 110 auf zunächst 40 Prozent.
Der indische Automarkt rückt immer stärker in den Fokus. Das bleibt auch bei BYD nicht unbemerkt. Die Überlegungen ergeben angesichts des großen Potenzial des Marktes Sinn. Die Hürden sind jedoch ebenfalls groß, weshalb für das Wachstum zunächst andere Regionen – speziell Europa und Südamerika – entscheidend sind. Anleger packen sich die BYD-Aktie auf die Watchlist, warten vor dem Einstieg jedoch ein charttechnisches Kaufsignal nach.
29.01.2026, 17:45