Der chinesische Elektroauto-Gigant BYD startet einen neuen Vorstoß auf dem nordamerikanischen Markt. Wie Stella Li, Executive Vice President des Konzerns, in einem Interview bestätigte, prüft BYD derzeit neben dem Bau eines eigenen Produktionswerks in Kanada auch die Übernahme westlicher Konkurrenten.
Ein entscheidender Punkt: Das Unternehmen beharrt dabei auf einem Alleingang. „Ich glaube nicht, dass ein Joint Venture funktionieren würde“, so Li. Damit stellt sich der Autobauer explizit gegen die Forderungen der kanadischen Regierung, die sich eine Kooperation mit heimischen Firmen wünscht.
Unabhängigkeit als Wettbewerbsvorteil
Der Grund für die kompromisslose Haltung ist die Strategie der vertikalen Integration. BYD fertigt einen Großteil der Komponenten selbst und hält die Lieferketten streng unter eigener Kontrolle. Ein Joint Venture würde dieses Konzept gefährden. Während BYD in Kanada also auf Autonomie setzt, bleibt der US-Markt vorerst außen vor. Aufgrund der hohen Zölle und politischer Restriktionen gegen chinesische Vernetzungstechnologie bezeichnete Li das Geschäft in den USA als „kompliziert“.
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Übernahmepläne bei schwächelnden Traditionsmarken
Neben dem Neubau von Werken bringt BYD ein deutlich aggressiveres Szenario ins Spiel: die Übernahme angeschlagener westlicher Automobilhersteller. Viele traditionelle Konzerne aus den USA, Europa und Japan kämpfen derzeit mit der Doppelbelastung durch Investitionen in Verbrennermotoren und den teuren Umstieg auf Elektromobilität. BYD beobachtet den Markt genau. Vorbilder gibt es: Der Geely-Konzern bewies vor über einem Jahrzehnt mit der Übernahme von Volvo, wie eine solche Transformation gelingen kann.
Fokus auf Export und neue Technologien
Der internationale Druck wächst jedenfalls. In den ersten zwei Monaten verzeichnete BYD einen Absatzrückgang von 36 Prozent auf 400.241 Einheiten. Um das Ruder herumzureißen, setzt das Management auf neue Hardware: Die jüngste Generation der „Blade“-Batterien und eine ultraschnelle Ladetechnologie sollen auch Käuferschichten erschließen, die bisher skeptisch gegenüber Elektroautos waren. Bis 2026 hat sich der Konzern das Ziel gesetzt, 1,3 Millionen Fahrzeuge im Ausland abzusetzen. Neben Kanada investiert das Unternehmen massiv in Brasilien, wo bis 2027 etwa 500 Millionen Real – umgerechnet rund 97 Millionen Dollar – in ein landesweites Schnellladenetz fließen sollen.
BYD agiert strategisch klug. Während die Konkurrenz in Europa und den USA unter Margendruck leidet, nutzt der chinesische Primus seine Skaleneffekte für eine globale Expansion. Anleger bleiben an Bord.
Heute, 08:50