Stück für Stück bröckelt der Kurs der SAP-Aktie. Der Abwärtstrend ist offensichtlich. Daran ändern auch gelegentliche Gegenbewegungen nichts. Auf ein Minus von 37,5 Prozent summieren sich die Verluste der vergangenen zwölf Monate. Analysten ziehen nach und nach Konsequenzen. AKTIONÄR-Leser waren bereits vor dem jüngsten Rutsch gewarnt.
Es wäre einfach gewesen, in einem Bullenmarkt auf Verdacht die Aktie zum Kauf zu empfehlen. Stattdessen berichtete DER AKTIONÄR in den vergangenen Monaten mehrfach kritisch im Heft und für Online-Plus-Abonnenten (siehe Beiträge am Artikelende). Zuletzt in der Ausgabe, die als E-Paper am vergangenen Mittwoch erschien. Tags darauf rutschte SAP erneut ab.
Im Artikel „Zwischen KI und Tradition“ hatte DER AKTIONÄR genau den kritischen Punkt seziert: Die KI- und Cloud-Strategie und die Bedenken von Kunden und Anlegern in diesem Bereich. „Unternehmen möchten selbst über ihren technologischen Weg entscheiden“, sagte Jens Hungershausen, der Vorstandsvorsitzende der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe im Interview mit DER AKTIONÄR.
Klartext-Schlussfolgerung im Text: „Wenn SAP das ignoriert, droht Reibung. Wenn SAP es erfüllt, wird die Transformation langsamer. Die starke Individualisierung ist zur strukturellen Belastung geworden.“
Kursziel gesenkt
Jetzt wird die Liste der Mahner länger. Goldman Sachs senkt das Kursziel für SAP von 320 auf 260 Euro, bleibt aber bei „Kaufen“. Das klingt auf den ersten Blick widersprüchlich. Ist es aber nicht. Es ist ein klares Signal, dass selbst Optimisten ihre Erwartungen zurückschrauben müssen. Weil der Markt gerade gnadenlos aussortiert, wer als potenziell angreifbar gilt.
SAP ist kein Einzelfall: Gerade steht praktisch der gesamte Software-Sektor unter Beschuss. Anleger fürchten, dass neue KI-Tools ganze Geschäftsmodelle schneller angreifen könnten als viele bisher eingepreist hatten. Stichtwort: KI-disruptionsgefährdet.
Ähnlich argumentiert AlphaValue/Baader Europe – und wird bei SAP spürbar vorsichtiger. Das Kursziel sinkt von 211 auf 190 Euro. Der Grund: mehr Unsicherheit durch mögliche technologische Schocks, ausgelöst durch generative KI. Zwar stellt SAP beschleunigtes Wachstum bis 2027 in Aussicht. Doch AlphaValue rechnet damit, dass es zu Bremsspuren kommen könnte – und setzt konservativere Schätzungen an als das Unternehmen selbst.
Wer die AKTIONÄR-Analysen verfolgt hat, konnte sich auf die anhaltend negative Kursentwicklung bei SAP vorbereiten. SAP ist nicht plötzlich ein schlechtes Unternehmen. Aber die Aktie ist in einer Phase, in der der Markt keine Geduld hat. DER AKTIONÄR hatte das Risiko analysiert, die Gefahr erkannt – und SAP deshalb nicht neu empfohlen.
Heute, 17:43