DAX, MDAX und SDAX waren am Donnerstag weiter im Rückwärtsgang unterwegs. Der schwelende Iran-Konflikt, die angespannte Lage in der Straße von Hormus und ein Ölpreis jenseits der 100-Dollar-Marke lassen die Sorgen der Anleger größer werden. Gleichzeitig hält die Berichtssaison der Unternehmen die deutschen Börsen auf Trab und bringt bei einigen Einzelwerten deutliche Kursausschläge mit sich.
Der deutsche Aktienmarkt hat sich am Donnerstag erneut schwergetan. Der DAX ging den vierten Tag in Folge mit Verlusten aus dem Handel und schloss bei 24.155 Zählern. Mit einem kleinen Minus konnte sich der deutsche Leitindex noch einmal haarscharf über der 200-Tage-Linie halten. Zeitweise rutschte der Kurs heute unter die 24.000-Punkte-Marke. Beim Index für die mittelgroßen deutschen Unternehmen weiteten sich die Verluste am Donnerstag sogar auf 1,0 Prozent aus. Der SDAX gab um 0,9 Prozent nach. 2026 zeigen sich die Nebenwerte bislang allerdings vergleichsweise robust – der SDAX liegt seit Jahresbeginn als einziger der drei deutschen Indizes im Plus.
Straße von Hormus bleibt Unsicherheitsfaktor Nummer eins
Die Konsolidierung wird nach wie vor maßgeblich vom Iran-krieg bestimmt. An den Märkten herrscht die Sorge, dass sich das Tauziehen um eine Wiederaufnahme von Verhandlungen weiter hinzieht und die Lage im Nahen Osten damit angespannt bleibt. Vor allem die Straße von Hormus steht im Fokus. Die wichtige Schifffahrtsroute für den globalen Öltransport bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Solange dort keine nachhaltige Entspannung in Sicht ist, steigt insbesondere für Industrie-, Chemie-, Luftfahrt- und Logistikunternehmen das Risiko für eine Versorgungsknappheit.
Entsprechend ziehen die Preise für fossile Energien weiter an. Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent hält sich am Donnerstag hartnäckig über der Marke von 100 Dollar. Die Angst vor einer steigenden Inflation und schwächeren Konjunktur wächst. Dass diese Angst längst nicht mehr nur theoretischer Natur sind, zeigen inzwischen auch die Konjunkturdaten. In der Eurozone hat sich die Stimmung der Unternehmen im April weiter eingetrübt. Hohe Öl- und Gaspreise, Sorgen vor möglichen Lieferengpässen und die allgemeine Unsicherheit rund um den Iran-Krieg drücken auf die Erwartungen.
"Die Unternehmen haben Sorge vor einer schwindenden Kauflaune der Verbraucher und steigenden Kosten als Folge der höheren Energiepreise", schrieb Michael Herzum, Chefökonom von Union Investment. Mögliche Störungen der Lieferketten belasteten die Stimmung zunehmend, je länger die wichtige Straße von Hormus geschlossen bleibe.
Einzelwerte im Fokus
Der DAX-Wert Infineon stemmte sich mit plus 8,0 Prozent am Donnerstag erneut gegen den schwachen Gesamtmarkt und setzte seine April-Rally eindrucksvoll fort. Rückenwind kam von starken Signalen aus der Halbleiterbranche, insbesondere von STMicroelectronics und Texas Instruments. Die Aussicht auf einen neuen Nachfragezyklus – auch getrieben durch KI und Automotive – ließ das Papier erstmals nach 25 Jahren wieder über die Marke von 50 Euro klettern.
Im SDAX führte AKTIONÄR-Empfehlung Verbio mit zehn Prozent Kursgewinn das Feld heute an. Fantasie lieferte ein Medienbericht über mögliche EU-Pläne zur flächenden Einführung von E20-Kraftstoff. Sollte dieser Schritt durchgesetzt werden, dürfte die Nachfrage nach Bioethanol deutlich anziehen – wovon Verbio als einer der führenden europäischen Produzenten direkt profitieren würde.
Die Aktien der RTL Group stiegen um gut ein Prozent. Fantasie gab die Meldung von Mittwochabend, wonach der Medienkonzern grünes Licht für die Übernahme von Sky Deutschland erhalten hat. Damit stellt sich RTL im hart umkämpften Streaming- und TV-Markt stark auf (DER AKTIONÄR berichtete).
Dahingegen sorgten beim Pharmazulieferer Sartorius der am Donnerstagmorgen veröffentlichte Quartalsbericht für Ernüchterung. Zwar bestätigte das Unternehmen seine Jahresziele und berichtete von einer anhaltenden Erholung, doch die Ergebnisse lagen teils unter den Erwartungen (DER AKTIONÄR berichtete). Nach der jüngsten Kursrally nutzten Anleger die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen – das Papier sackte um zehn Prozent ab.
Bei FlatexDEGIRO drückten Anleger nach der Vorlage des Geschäftsberichts ebenfalls den Verkaufsknopf. Das erste Quartal lief zwar besser als von Analysten erwartet, doch der vorsichtige Ausblick enttäuschte. Die Aktie ging mit minus 7,7 Prozent aus dem Handel. Von der Kurserholung seit Ende März hat sie damit die Hälfte wieder eingebüßt.
Spannung vor den SAP-Zahlen
Ein großes Event steht am Abend noch an: Nach US-Börsenschluss veröffentlicht Europas größter Software-Entwickler SAP seine Geschäftszahlen. Die Nervosität war während der heutigen Handelssitzung mit Händen zu greifen. Bis kurz vor Schluss wurden SAP-Aktien konsequent abverkauft und schlossen mit minus 6,1 Prozent am DAX-Ende – kein gutes Omen. Analysten rechnen für nachher mit soliden, aber wenig spektakulären Zahlen.
In welcher Verfassung sich die US-Börsen heute zeigen, lesen Sie hier:
Hinweis auf Interessenkonflikte:
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, hält unmittelbar und mittelbar eine wesentliche Beteiligung an der flatexDEGIRO AG, die unter den Marken flatex und DEGIRO Online-Brokerage betreibt.
Heute, 18:15