FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Börsenturbulenzen rund um den Iran-Krieg haben dem Onlinebroker Flatexdegiro
Die Flatexdegiro-Aktie verlor am Donnerstagvormittag zuletzt knapp 6 Prozent auf 34,42 Euro und war damit Mdax-Schlusslicht. Nach einigem Auf und Ab in den vergangenen Monaten wurde das Papier damit gut 6 Prozent billiger gehandelt als zum Jahreswechsel. In den vergangenen zwölf Monaten hat es jedoch fast 63 Prozent an Wert gewonnen.
Für den Branchenexperten Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies ist die Luft bei der Aktie vorerst raus. Er beließ seine Einstufung des Papiers auf "Hold" und sein Kursziel bei 32 Euro. Das erste Quartal setze dort an, wo das vierte Quartal aufgehört habe - nämlich mit einer geopolitisch bedingten, hohen Marktvolatilität.
Im ersten Quartal brummte das Geschäft kräftig, wie Flatexdegiro bereits am Mittwochabend nach Börsenschluss mitgeteilt hatte. Die Zahl der Transaktionen wuchs im Jahresvergleich um 17 Prozent auf fast 23 Millionen. Der Umsatz legte um fast ein Fünftel auf knapp 174 Millionen Euro zu. Dazu trugen nicht nur höhere Provisionen je Transaktion, sondern auch gestiegene Zinserträge bei.
So hatte der Angriff Israels und der USA auf den Iran Ende Februar die Finanzmärkte durcheinandergewirbelt. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus als wichtige Handelsroute für den Öltransport hat die Weltwirtschaft seither im Griff. Entsprechend schichteten Anleger ihre Depots um, was Flatexdegiro mehr Umsatz bescherte. Zugleich wuchsen die Bareinlagen auf den Konten, und Anleger nahmen mehr Wertpapierkredite in Anspruch.
Zudem gewinnt das Unternehmen weiterhin neue Kunden. So stieg die Zahl der Kundenkonten von Ende Dezember bis Ende März um 3 Prozent auf knapp 3,6 Millionen.
Chef Behrens sieht Flatexdegiro jedenfalls auf Kurs, Umsatz und Gewinn 2026 wie geplant zu steigern. So soll der Erlös um 5 bis 10 Prozent auf 588 bis 616 Millionen Euro und das Konzernergebnis um 5 bis 15 Prozent auf 168 bis 184 Millionen Euro wachsen. Analysten gingen hier zuletzt bereits von stärkeren Steigerungen aus.
In einer Telefonkonferenz mit Journalisten warnte der Manager jedoch davor, die Wachstumsraten der ersten drei Monate auf das ganze Jahr hochzurechnen. Schon in der Vergangenheit habe Flatexdegiro von externen Faktoren wie Krisen profitiert. So hatten im vergangenen Jahr die von den USA verhängten Strafzölle gegen große Teile der Welt heftige Turbulenzen an den Börsen nach sich gezogen.
Für 2027 peilt die Flatexdegiro-Spitze weiterhin einen Umsatz von rund 650 Millionen Euro und einen Überschuss von rund 200 Millionen Euro an. Dabei setzt der Vorstand verstärkt auf neue Angebote wie Kryptohandel und Wertpapierleihe. Auch bei der in Deutschland geplanten "Frühstart-Rente" und Altersvorsorge-Depots will Flatexdegiro mitmischen./stw/lew/stk
Quelle: dpa-AFX