Die EU-Kommission hat grünes Licht für die Übernahme von Sky Deutschland durch die RTL Group gegeben. Der Deal ist damit offiziell auf der Zielgeraden. Kaum ist die Nachricht raus, geht es für die Aktie der RTL Group nach Börsenschluss um 3,2 Prozent auf 39,25 Euro nach oben. DER AKTIONÄR erklärt, was das für RTL bedeutet.
Für überschaubare 150 Millionen Euro in bar schnappt sich die in Luxemburg ansässige RTL Group den Pay-TV-Sender Sky Deutschland. Doch ganz so günstig bleibt es wohl nicht. Denn ein erheblicher Teil des Kaufpreises ist variabel und an die Kursentwicklung der RTL-Aktie in den kommenden Jahren gekoppelt. Heißt: Entwickelt sich die Aktie dank der Übernahme gut, muss RTL dem Verkäufer Comcast zusätzlich noch bis zu 377 Millionen Euro an Gegenwert nachschießen. RTL hatte bereits im September ein Aktienrückkaufprogramm aufgelegt, um die Übernahme auch über eigene Papiere zu stemmen (DER AKTIONÄR berichtete).
Strategisch ist der Deal für RTL ein No-Brainer. Mit der Übernahme entsteht ein wertvolles Portfolio aus Free-TV, Pay-TV, Streaming und Sportrechten und das luxemburgische Medienunternehmen holt sich auf einen Schlag Millionen von zahlenden Abo-Kunden ins Haus. Der Jahresumsatz von Sky Deutschland lag zuletzt bei rund zwei Milliarden Euro – im Verhältnis dazu wirkt der Kaufpreis wie ein Schnäppchen. Zumal sich RTL durch den Zukauf aus der Abhängigkeit vom schwächelnden Werbemarkt befreit und sich im planbareren und margenstärkeren Abo-Geschäft besser auf. Zusammen kommen RTL+ und Wow, der Streaming-Dienst von Sky, wohl auf rund zwölf Millionen Kunden.
Daneben bringt die Übernahme vor allem eines: geballte Content- und Marketing-Power. Sportrechte wie die Freitags- und Samstagsspiele der Bundesliga, die gesamte 2. Bundesliga, die englische Premier League, Tennis und die Formel 1 treffen auf die hohe Reichweite von RTL und eröffnen zusätzliche Möglichkeiten bei der Vermarktung und Distribution – sowohl im Free-TV als auch im Streaming. Da rund 80 Prozent der Kunden von Sky Deutschland primär wegen Sportinhalten abonnieren, verfügt die RTL Group künftig über eine klar definierte und zahlungsbereite Zielgruppe. Die Inhalte lassen sich über neue Abo-Modelle gezielt monetarisieren. Gleichzeitig könnten ausgewählte Sportevents zurück ins Free-TV wandern, um die Reichweite zu erhöhen und die Werbeerlöse anzukurbeln.
Nach Angaben des RTL-Mutterkonzerns Bertelsmann summieren sich die erwarteten Synergien auf rund 250 Millionen Euro jährlich. Damit dürfte sich der Deal operativ schnell auszahlen. Die Transaktion soll am 1. Juni 2026 abgeschlossen werden. Anschließend soll RTL-Deutschland-Chef Stephan Schmitter das kombinierte Unternehmen leiten.
RTL erkauft sich günstiges Wachstum im Abo-Geschäft festigt seine Position als führender Anbieter in der deutschsprachigen Medienlandschaft. DER AKTIONÄR ist überzeugt, dass hier die Chancen überwiegen und hat die Aktie seit Ausgabe 28/25 auf der Empfehlungsliste.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: RTL Group.
22.04.2026, 21:24