Rio Tinto und Glencore haben laut Berichten der Financial Times ihre Gespräche über eine potenzielle Fusion wieder aufgenommen. Ein erfolgreicher Deal könnte das weltweit größte Bergbauunternehmen mit einem Unternehmenswert von über 260 Milliarden Dollar schaffen. Das ist bisher bekannt.
Knapp ein Jahr nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen sitzen die Spitzen von Rio Tinto und Glencore offenbar wieder am Verhandlungstisch. Wie Kreise laut der Financial Times bestätigen, befinden sich die Gespräche noch in einem frühen Stadium, doch die strategische Notwendigkeit scheint dringender denn je. In einem Marktumfeld, in dem die Sicherung von Kupfervorkommen die gesamte Branche umgestaltet, suchen die beiden Schwergewichte nach Wegen, ihre Kräfte zu bündeln. Der jüngste Zusammenschluss von Anglo American und Teck Resources hat den Fusionsdruck auf Rivalen wie BHP und Rio Tinto massiv erhöht.
Ein wesentlicher Faktor für die neue Dynamik ist der Kupferpreis, der diese Woche ein Allzeithoch von über 13.300 Dollar pro Tonne erreichte. Analysten warnen vor einem massiven Versorgungsengpass, der bis 2040 auf zehn Millionen Tonnen anwachsen könnte. Glencore-Chef Gary Nagle hat sein Unternehmen bereits konsequent als „Kupfer-Wachstumswert“ positioniert und strebt an, die jährliche Produktion bis 2035 auf 1,6 Millionen Tonnen zu verdoppeln. Rio Tinto hingegen hat unter seinem neuen CEO Simon Trott einen harten Sparkurs eingeschlagen und prüft derzeit strategisch, welche Randaktivitäten für die neue Ausrichtung abgestoßen werden können.
Ein zentraler Knackpunkt früherer Gespräche – das Kohlegeschäft – wurde zwischenzeitlich adressiert. Während Rio Tinto bereits 2018 aus der Kohleförderung ausgestiegen ist, hat Glencore seine Kohleaktivitäten im vergangenen Mai in eine separate, in Australien ansässige Einheit umstrukturiert. Dies macht eine Abspaltung oder einen separaten Verkauf deutlich einfacher und beseitigt eine der größten Hürden für eine Fusion mit dem mittlerweile „kohlefreien“ Konkurrenten Rio Tinto. Ob die umfangreichen Handelsaktivitäten von Glencore Teil eines Mergers wären, bleibt jedoch unklar.
Die Verhandlungen sind komplex und könnten wie im Vorjahr an Detailfragen zur Bewertung oder der künftigen Führungsstruktur scheitern. Im nachbörslichen Handel verliert die Aktie von Rio Tinto leicht, Glencore-Scheine legen ordentlich zu. Die Lage bleibt für Anleger vorerst hochspannend, die Unternehmen dürften aber bereits in Kürze auf die Gerüchte eingehen. DER AKTIONÄR bleibt bei Rio Tinto bullish.
08.01.2026, 21:04