04.04.2019 Nikolas Kessler

Wirecard: Das ist der Grund für die Geheimniskrämerei

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Wirecard-Vorstandschef Markus Braun hat sich in einem Interview mit dem TV-Sender ntv zu den Vorwürfen der Financial Times (FT) wegen angeblicher Bilanzmanipulation bei der Konzernniederlassung in Singapur geäußert. Dabei erklärte er unter anderem, warum bislang nur eine eigene Zusammenfassung der Ergebnisse der externen Compliance-Untersuchung durch die Kanzlei Rajah & Tann veröffentlicht wurde.

Wirecard habe sich dazu verpflichtet, die wesentlichen Ergebnisse offenzulegen und das auch getan. „Die Details dürfen wir nicht offenlegen, weil hier Klarnamen von Personen und Klarnamen von Firmen erwähnt werden. Das heißt es geht hier um die Rechte Dritter“, so Braun in dem rund zehnminütigen Interview. Derzeit werde aber geprüft, ob ohne die Verletzung dieser Rechte mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden können.

Grundsätzlich seien aber aller wesentlichen Ergebnisse – insbesondere auch alle negativen – veröffentlicht. „Es liegt alles auf dem Tisch. Für uns ist die Sache damit abgeschlossen“, so Braun. Dass bislang nur eine Zusammenfassung des aktualisierten Berichts von Rajah & Tann präsentiert wurde, hatte zwischenzeitlich neue Fragen aufgeworfen und die FT zu einem weiteren kritischen Artikel bewogen.

Jetzt sind die Wirtschaftsprüfer gefordert

Der komplette Bericht von Rajah & Tann liegt neben Wirecard selbst auch den Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young (EY) vor, die derzeit den Jahresabschluss des Zahlungsabwicklers testieren. Dabei soll eine Fehlbuchung aus dem Jahr 2018 in Höhe von 2,5 Millionen Euro korrigiert werden. Laut Wirecard hat die Untersuchung ansonsten aber nichts ergeben, was die Jahresbilanz wesentlich beeinträchtigt.

Trotzdem scheint es Gesprächsbedarf zu geben. Denn wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, seien die Wirtschaftsprüfer nach Singapur gereist, um mit den Anwälten drei Tage lang die Ergebnisse ihrer Untersuchung zu diskutieren. Sowohl Rajah & Tann, als auch Ernst & Young wollten sich gegenüber Bloomberg unter Verweis auf ihre Mandantenbeziehung zu Wirecard nicht zu den Gesprächen äußern.

Die Zahlen kommen am 25. April

Die ursprünglich für den heutigen Donnerstag geplante Präsentation des Zahlenwerks wurde Ende März auf den 25. April verschoben, um die Ergebnisse der Prüfung darin berücksichtigen zu können. Die Ermittlungen der Behörden in Singapur wegen der Vorwürfe werden bis dahin aller Voraussicht nach aber noch nicht abgeschlossen sein.

Nach dem Auf und Ab der vergangenen Tage kann die Wirecard-Aktie am Donnerstagvormittag zunächst wieder ein gutes Prozent zulegen und gehört damit zu den Top-Gewinnern im DAX. Die Volatilität dürfte zunächst aber hoch bleiben.