Der geplante Bau eines Audi-Werks in den USA sollte Donald Trump besänftigen und Volkswagen im wichtigen US-Markt stärken. Doch nach dem gemeinsamen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner und dem US-Präsidenten hagelt es Kritik. Betriebsrat und IG Metall sprechen von einem politischen Fehltritt. Zudem ist das Milliardenprojekt noch längst nicht beschlossen.
- Audi plant ein neues SUV-Werk in Georgia mit 4.500 Arbeitsplätzen.
- VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wirft dem Konzernvorstand vor, sich für Trumps politische Inszenierung einspannen zu lassen.
- Die Arbeitnehmervertreter verlangen Klarheit über die Folgen für die deutschen Standorte.
Trump kündigte am Samstag überraschend den Bau eines Audi-Werks im US-Bundesstaat Georgia an. Anschließend trat Döllner auf die Bühne und bedankte sich beim Präsidenten für dessen Unterstützung. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezeichnete den Auftritt als beschämend. Nach einer Rede mit rassistischen, sexistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen habe ein führender Konzernvertreter aktive Wahlkampfhilfe geleistet, kritisierte sie. Auch Konzernchef Oliver Blume und der übrige Vorstand gerieten ins Visier.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner nannte den Auftritt politisch inakzeptabel. Brisant ist der Zeitpunkt: Die US-Zwischenwahlen finden am 3. November statt. Nach den internen Richtlinien von Volkswagen sollen in den letzten drei Monaten vor Wahlen keine öffentlichkeitswirksamen Termine mit zur Wahl stehenden Politikern stattfinden. Cavallo sieht deshalb einen möglichen Verstoß gegen die selbst auferlegten Regeln.
Vier Milliarden Dollar für Georgia
Audi plant eine jährliche Produktionskapazität von 200.000 SUV. Dafür sind Investitionen von vier Milliarden Dollar vorgesehen, rund 3,6 Milliarden Euro. Insgesamt sollen 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Der Baubeginn ist für 2027 geplant, die Produktion soll Anfang der 2030er-Jahre anlaufen. Es wäre das erste eigene Audi-Werk in den USA.
Der Schritt könnte helfen, Zölle zu umgehen und die Position im US-Markt zu verbessern. Allerdings ist offen, ob Trump im Gegenzug Erleichterungen für den gesamten VW-Konzern gewährt. Auch die langfristige Verlässlichkeit möglicher Zusagen ist unklar.
Der US-Ausbau kann Audi wirtschaftlich helfen. Doch hohe Investitionen, offene Zollfragen und mögliche Folgen für deutsche Werke bleiben mit hohen Risiken verbunden. DER AKTIONÄR rät weiterhin nicht zum Kauf der VW-Aktie und favorisiert unter den Autoherstellern dagegen Tesla.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
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