Die Aktie von SUSS MicroTec zählte in der ersten Jahreshälfte zu den Highflyern am heimischen Aktienmarkt. Ende Juni erreichte sie mit 118,40 Euro ein Rekordhoch. Anschließend folgte eine scharfe Korrektur, die den Kurs in der vergangenen Woche sogar kurzzeitig unter die Marke von 50 Euro drückte. Können die für Anfang November angekündigten Zahlen eine erneute Trendwende einläuten?
AKTIONÄR-Leser wissen: SUSS MicroTec ist im Bereich temporärer Bonding-Lösungen stark aufgestellt. Temporäres Bonding bezeichnet in der Halbleiterfertigung einen Verbindungsprozess, bei dem ein Wafer oder Chip (Substrat) vorübergehend mit einem Träger (Carrier) verbunden wird. Dieser Prozess ist entscheidend für die Produktion leistungsfähiger KI-Chips.
Das wichtigste Anwendungsfeld temporärer Bonder und Debonder ist die Herstellung von Hochleistungsspeicherchips, sogenannten HBM-Chips. SUSS unterstützt seine Kunden dabei, die Chips hauchdünn zu fertigen und anschließend zu einem Stapel zusammenzufügen. Für diesen Prozessschritt gilt das Unternehmen als führender Lieferant für Kunden wie Nvidia, Micron oder TSMC. Mehr dazu hier.
Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. „Mit einem Rekordauftragsbestand von 473,7 Millionen Euro und bereits rund 220 Millionen Euro an für 2027 geplanten Auslieferungen verfügen wir über eine deutlich höhere Visibilität als noch vor einem Jahr“, sagte CFO Cornelia Ballwießer bei der Vorlage der Q2-Zahlen Anfang August. Da im laufenden Jahr voraussichtlich nur ein geringerer Teil des Auftragsbestands umsatzwirksam wird, dürfte dieser zum Jahresende weiter steigen und einen neuen Rekordwert von rund 500 Millionen Euro erreichen.
Neue Einblicke in die operative Entwicklung gibt es am 5. November. Deutsche Bank Research hat im Vorfeld das Kursziel von 96 auf 100 Euro angehoben und die Einstufung auf „Buy“ belassen. Die Klarheit beim Auftragsbestand sei ein Haupttreiber für die Aktie, so Analyst Michael Kuhn. Dieser dürfte sich im weiteren Jahresverlauf noch verbessern.
Auch Amelie Dueckelmann-Dublany von Berenberg geht in ihrem Ausblick auf die Q3-Zahlen davon aus, dass die Aufträge zugelegt haben, während die Auslieferungen stagnierten. Die Nachfragesituation spreche für starkes Wachstum und Margenverbesserungen, sobald das Übergangsjahr der Vergangenheit angehöre. Das gebe Zuversicht. Daher hat sie ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 125 Euro bestätigt.
MPCM Research sieht den fairen Wert der Aktie weiterhin bei 105 Euro. Vor den Quartalszahlen habe er seine Schätzungen gesenkt, erklärt Analyst Malte Schaumann. Hintergrund seien zunehmende Hinweise auf Lieferengpässe bei Komponenten, die kurzfristig ein Risiko darstellten. Die Nachfrage sei indes nicht das Problem; der Auftragseingang sollte sehr hoch bleiben. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten, die sich näher mit dem Titel beschäftigen, liegt bei 101,05 Euro. Damit sehen die Experten ein Kurspotenzial von rund 100 Prozent.
Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand einen Umsatz zwischen 425 und 485 Millionen Euro (Vorjahr: 503,2 Millionen Euro), eine Bruttomarge von 35 bis 37 Prozent (Vorjahr: 35,6 Prozent) und eine EBIT-Marge von 8,0 bis 10,0 Prozent (Vorjahr: 13,1 Prozent). Ab 2027 dürfte sich das Wachstum – auch mit Blick auf die gut gefüllten Auftragsbücher – wieder beschleunigen. Bei einem Umsatz von 630 Millionen Euro und einer Bruttomarge von rund 40 Prozent dürfte die EBIT-Marge auf über 15 Prozent steigen.
Die starke Entwicklung beim Auftragseingang konnte der Aktie in den vergangenen Wochen keine frischen Impulse verleihen. Im Gegenteil: Der jüngste Druck wirkt wie eine Mischung aus einem weltweiten Halbleiter-Ausverkauf und Zweifeln daran, wie schnell SUSS den starken Auftragseingang in nachhaltig steigende Umsätze und Gewinne umwandeln kann. Investoren achten dabei auf die Lieferfähigkeit, mögliche Komponentenengpässe sowie Verschiebungen bei Auslieferungen und Veränderungen im Kundenmix. Soll heißen: Mit den passenden Zahlen und Aussagen zum künftigen Wachstum sowie einer Verbesserung der Branchenstimmung könnte die Aktie ihre Talfahrt stoppen und in den kommenden Wochen wieder den Vorwärtsgang einlegen – auch wenn die Analystenkursziele und das Rekordhoch vorerst wohl außer Reichweite bleiben dürften. Im Real-Depot wird auf diese Trendwende gesetzt.
Hinweis auf Interessenkonflikte: Aktien von SUSS MicroTec befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
26.10.2026, 13:45
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