Die Börse reagiert mit heftigen Verlusten auf Lulas Wahlsieg in Brasilien. Der linke Präsident bleibt im Amt, während Anleger auf einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs gehofft hatten. Den Aktien von MercadoLibre und Petrobras droht ein Fehlstart in die neue Handelswoche.
Die Hoffnung auf einen politischen Wechsel in Brasilien ist geplatzt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Stichwahl gegen den rechten Herausforderer Flávio Bolsonaro mit 51,8 zu 48,2 Prozent gewonnen. An den Finanzmärkten sorgt das Ergebnis für heftige Turbulenzen. Anleger hatten nach dem überraschend starken Abschneiden Bolsonaros in der ersten Wahlrunde auf einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs gesetzt.
Jetzt droht die Gegenbewegung. Die November-Futures auf den brasilianischen Real verloren im asiatischen Handel zeitweise zehn Prozent. Der in Tokio gehandelte Nomura NF Ibovespa Link ETF sackte um 15 Prozent ab. Auch bei internationalen Unternehmen mit starkem Lateinamerika-Geschäft gerieten die Aktien unter Druck.
Schulden bleiben das große Problem
Im Zentrum der Sorgen steht Lulas Finanzpolitik. Seine Regierung will bis 2030 einen Primärüberschuss von rund 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Dabei werden Zinszahlungen nicht berücksichtigt. Gleichzeitig liegt die öffentliche Verschuldung bereits bei mehr als 82 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Investoren verlangen deshalb konkrete Ausgabenkürzungen und einen glaubwürdigen Plan zur Stabilisierung der Staatsfinanzen. Auch die Besetzung des Finanzministeriums und der Haushalt für 2027 dürften wichtige Signale liefern.
Zusätzlich erschwert die starke rechte Opposition im Kongress die Umsetzung der Regierungspolitik. Lula wird für seine Vorhaben Mehrheiten mit anderen Parteien zusammenarbeiten müssen.
MercadoLibre und Petrobras unter Druck
Besonders heftig fällt die Reaktion bei Petrobras aus. Die Aktie des brasilianischen Ölkonzerns bricht im vorbörslichen US-Handel um 17,13 Prozent auf 21,68 Dollar ein. Am Freitag hatte das Papier noch bei 26,16 Dollar geschlossen.
Auch MercadoLibre gerät massiv unter Druck: Die Aktie des lateinamerikanischen E-Commerce- und Zahlungsdienstleisters verliert vorbörslich 8,56 Prozent auf 1.655,25 Dollar. Anleger reagieren damit nicht nur auf den Wahlausgang, sondern auch auf die Unsicherheit über Lulas künftigen wirtschafts- und finanzpolitischen Kurs.
Die Kurseinbrüche bei Petrobras und MecardoLibre wiegen schwer. Anleger sollten jedoch nicht voreilig in das fallende Messer greifen. Es gilt vorerst abzuwarten, was Lulas-Regierung für die Wirtschaft konkret beschließt. Anleger beachten bei Petrobras den Stoppkurs des AKTIONÄR und bleiben an Bord. Bei MecardoLibre drängt sich ein Neueinstieg dagegen nicht auf.
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