19.05.2020 Maximilian Völkl

ThyssenKrupp mit Radikalkur – jetzt steht alles zur Disposition

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ThyssenKrupp

Der Krisenkonzern ThyssenKrupp stellt alles auf den Prüfstand. Am Montagabend veröffentlichten die Essener die Strategie für die Zukunft. Im Zuge der Neuausrichtung soll das Konglomerat merklich schrumpfen.

Im Konzern verbleiben soll dabei der Werkstoffhandel sowie das Geschäft mit Industrie- und Automobilkomponenten, teilte das Unternehmen mit. Dazu komme der Stahl und der Marineschiffbau. Für seine Stahlsparte prüft ThyssenKrupp jedoch mehrere Optionen - sowohl einen Verbleib des Geschäfts im Konzern als auch eine mögliche Fusion. Gespräche würden bereits geführt, erklärte ThyssenKrupp. Gleiches gelte für den Marineschiffbau. Andere Geschäfte haben hingegen keine Perspektive im Konzern.

Durch die Corona-Krise nehme die Notwendigkeit zu einer weiteren Konsolidierung der Stahlindustrie weiter zu, da sich die bestehenden Überkapazitäten in Europa strukturell ausweiten würden, erklärte ThyssenKrupp. Auch sehe das Unternehmen gute Chancen, die Transformation zu einer klimaneutralen Stahlproduktion zu beschleunigen, wenn die Industrie ihre Kräfte bündele. Dennoch werde der Konzern seine jüngst veröffentliche Stahlstrategie weiter verfolgen. Diese sei unverändert richtig. Der Plan sieht den Abbau von 3.000 Arbeitsplätzen, die Optimierung des Produktionsnetzwerks sowie zusätzliche Investitionen von 800 Millionen Euro in den kommenden sechs Jahren vor.

Mit dieser Neubewertung des Portfolios haben wir schwierige und längst überfällige Entscheidungen getroffen, die wir jetzt konsequent umsetzen.

ThyssenKrupp-Chefin Martina Merz

Neben dem Stahl prüft ThyssenKrupp auch für den Marineschiffbau eine Konsolidierung. Aus Sicht von ThyssenKrupp kann der Marineschiffbau "in konsolidierter Aufstellung langfristig besser im nationalen wie internationalen Wettbewerb bestehen", hieß es. "Um die Arbeitsplätze und Werftstandorte zu sichern, ist die Schaffung eines starken Marinekonzerns sinnvoll", sagte Personalvorstand Oliver Burkhard, der auch für die Sparte verantwortlich ist. Es gebe dabei "nationale und europäische Optionen". ThyssenKrupp führe bereits auch hier Gespräche mit verschiedenen möglichen Partnern. Dabei sei auch die Politik einbezogen.

Neues Kerngeschäft

Zum Kern der neuen ThyssenKrupp soll nach dem Willen des Konzerns weiterhin der Werkstoffhandel und die Industriekomponenten gehören. Hier sieht der Konzern eigenen Angaben zufolge ein gutes Entwicklungspotenzial, welches aus eigener Kraft gehoben werden soll. Das Automobilzuliefergeschäft soll ebenfalls in der Gruppe weitergeführt werden. Dabei seien auch Allianzen und Entwicklungspartnerschaften denkbar.

Konzern soll weiter schrumpfen

Dazu will sich ThyssenKrupp von weiteren Geschäften mit einem Umsatz von sechs Milliarden Euro möglichst trennen. Dazu gehören neben dem Anlagenbau das italienische Edelstahlwerk, das Geschäft mit Antriebslösungen sowie Federn und Stabilisatoren, für die ThyssenKrupp Partnerschaften oder einen Verkauf anstrebt. Für die Bereiche Infrastructure, Grobblech und Battery Solutions prüft der Konzern einen Verkauf oder die Schließung von Standorten. Die Geschäfte beschäftigen rund 20.000 Mitarbeiter und würden künftig separat geführt hieß es. Hier sehe ThyssenKrupp keine "nachhaltige Perspektive".

"Mit dieser Neubewertung des Portfolios haben wir schwierige und längst überfällige Entscheidungen getroffen, die wir jetzt konsequent umsetzen", sagte Konzernchefin Martina Merz. ThyssenKrupp werde "kleiner, aber stärker aus dem Umbau hervorgehen." Mit dem Umbau des Portfolios will ThyssenKrupp auch die Organisation ändern. Der Konzern soll sich zu einer Unternehmensgruppe eigenständiger Geschäfte mit einer Dachmarke und einer möglichst schlanken Holding wandeln, hieß es.

ThyssenKrupp (WKN: 750000)

Die Neuausrichtung ist überfällig. In neuer Struktur soll nun die Trendwende gelingen. Die Aktie legt am Dienstag erneut leicht zu. Anleger sollten mit einem Neueinstieg aber weiter abwarten. Der Weg bis zum Turnaround ist noch steinig und mit vielen Risiken verbunden.

Mit Material von dpa-AFX