Ein freundliches Umfeld für Stahlwerte hat der Aktie von Thyssenkrupp in den vergangenen Wochen wieder Rückenwind verliehen. Auf der Hauptversammlung am Freitag gibt es beim Traditionskonzern dennoch viele Diskussionspunkte. Die laufenden Übernahmegespräche mit Jindal Steel, die Dividende oder auch der anhaltende Konzernumbau bleiben Streitthemen.
So hat CEO Miguel López bei der Hauptversammlung für den Umbau geworben. „Lange Zeit wurde Thyssenkrupp als integrierter Industriekonzern geführt“, sagte López vor rund 500 Aktionärinnen und Aktionären. Strategische Entscheidungen seien in der Zentrale in Essen getroffen worden. „In Zukunft wird die Thyssenkrupp AG eine Finanzholding sein – eine Beteiligungsgesellschaft, die grundsätzlich Mehrheitsbeteiligungen an starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter einem Dach vereint.“
Die Segmente werde man Schritt für Schritt in die Eigenständigkeit führen. Dies bedeute mehr Flexibilität, mehr Geschwindigkeit und einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt. „Damit heben wir Werte, die bislang im Unternehmen verborgen waren“, so López.
Thyssenkrupp ist in fünf Segmenten tätig: Marineschiffbau, Stahl, Autoteile, Werkstoffe und grüne Technologien. Ende September beschäftigte das Unternehmen gut 93.000 Menschen. Die Umsetzung der „Aces 2030“ genannten neuen Strategie hat bereits begonnen. Die Marinesparte TKMS brachte Thyssenkrupp im vergangenen Herbst an die Börse. Für das Stahlsegment laufen Gespräche mit dem indischen Stahlkonzern Jindal Steel über eine Übernahme. „Mit Jindal Steel sind wir in konstruktivem Austausch“, erklärt López. Weitere Angaben machte er dazu nicht.
Rückenwind von den Aktionärsvertretern
Aktionärsvertreter äußerten sich positiv über die Unternehmensentwicklung. „Vertrauen ist wieder da, Zuversicht ist zurückgekehrt“, sagte Oliver Vollbrecht von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Wir vertrauen ihnen, aber niemals blind“, sagte Daniel Voss von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger.
Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka Investment forderte, Thyssenkrupp weiter zu entflechten und die Komplexität zu verringern. „Das wird der Kapitalmarkt honorieren. Auch wenn es deutliche Fortschritte gab, darf es das nicht gewesen sein. Wir wünschen uns ein schlankes Geschäftsmodell und einen Abbau weiterer Beteiligungen in absehbarer Zeit.“
Kritik an der Dividende
Vor Beginn der Hauptversammlung demonstrierten mehrere hundert Beschäftigte vor der Veranstaltungshalle und forderten die Aktionäre auf, auf eine Dividende zu verzichten. „Nach dem jüngsten Börsengang der Marine haben Aktionäre bereits überdurchschnittlich profitiert. Jetzt eine Dividende aus der Substanz auszuschütten, wäre wirtschaftlich falsch und ein fatales Signal“, hieß es in einem Flugblatt der IG Metall.
Die Aktionäre sollen eine Dividende in Höhe von 15 Cent je Aktie erhalten. Insgesamt will das Unternehmen 93 Millionen Euro ausschütten. Auch manche Aktionärsvertreter lehnten die Pläne ab: „Die Zahlung einer Dividende erfolgt zulasten der Substanz“, sagte Speich. Thyssenkrupp lebe seit Jahren von seiner Substanz. „Damit muss endlich Schluss sein.“
Thyssenkrupp ist mit dem Umbau auf dem richtigen Weg. Doch die Zahlen zuletzt waren weiter schwach. Als Finanzholding muss der Konzern auch noch klarstellen, für was er letztlich eigentlich steht. Deshalb drängt sich ein Einstieg aktuell nicht zwingend auf.
Enthält Material von dpa-AFX
Heute, 14:48