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12.03.2021 Michael Schröder

Superzyklus, Übernahmeangebot, Kursrallye: Bewegte Zeiten bei Aixtron – Hintergründe und Ziele!

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Aixtron

Bei Aixtron läuft es rund. Nach dem starken Ausblick für 2021 haben die Anleger bei der Aktie des Hightech-Maschinenbauers kräftig zugegriffen und die Aktie mit 20,35 Euro auf den höchsten Stand seit Mitte 2011 getrieben. Es war die vorläufige Krönung einer monatelangen Kursrallye: Im Anschluss fiel die Aktie zwar wieder unter die 20-Euro-Marke zurück. Zum Vergleich: Anfang 2016 wurden die Papiere der damals noch defizitären Gesellschaft zeitweise zu weniger als drei Euro gehandelt.

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Damals wollte der chinesische Investors Fuijan Grand Chip (FGC) bei Aixtron zugreifen. Ende 2016 zogen die Chinesen ihr Übernahmeangebot über sechs Euro je Aktie oder 676 Millionen Euro aber zurück, nachdem der damalige US-Präsident Barack Obama wegen Sicherheitsbedenken sein Veto eingelegt. Auf dem aktuellen Niveau bringt es Aixtron an der Börse auf einen Marktwert von rund zwei Milliarden Euro. Aus heutiger Sicht hätten die Chinesen 2016 also mehr als nur ein Schnäppchen gemacht.

Die Anlagen von Aixtron stellen Schlüsselkomponenten für die Halbleiterindustrie her. Die Maschinen des Konzerns bringen hauchdünne Schichten verschiedener Materialien wie Galliumarsenid, Indiumphosphid und Galliumnitrid Atom für Atom auf Träger auf. Anders als klassische Computerprozessoren aus Silizium bestehen diese Halbleiter aus mindestens zwei verschiedenen Elementen. Daher rührt auch ihr Name: Verbindungshalbleiter.

Vorteil: Elektronen können sich in ihnen sehr schnell bewegen, weshalb daraus gefertigte Bauelemente etwa die sehr hohen Frequenzen im Mobiltelefon gut "verarbeiten", wie Aixtron erklärt. Außerdem funktionierten sie auch noch bei sehr hohen Temperaturen und vor allem: Sie könnten Licht effizient in elektrischen Strom umwandeln und umgekehrt. Das ebne den Weg für Hochleistungssolarzellen und alle Leuchtdioden (LED).

Damit ist Aixtron gut aufgestellt, um vom Digitalisierungsboom zu profitieren, den die Corona-Krise zusätzlich befeuert hat. Aber auch der 5G-Mobilfunk, die Verbreitung von Elektroautos und immer neue Technik in Smartphones bringen dem Unternehmen Rückenwind. So verbaut Apple in seinen iPhones mittlerweile auch sogenannte Lidar-Scanner, um mit Hilfe von Laserchips Entfernungen und Raumtiefe zu messen.

Aixtron will auf dieser Welle reiten und das Geschäftswachstum 2021 deutlich beschleunigen. "Im Jahr 2020 sind wir einen großen Schritt bei der Stärkung unserer Wettbewerbsposition in den relevanten Wachstumsmärkten vorangekommen", sagte Vorstand Bernd Schulte Ende Februar bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2020 und des Ausblicks.

Für das laufende Jahr erwarten Schulte und sein Vorstandskollege Felix Grawert ein Umsatzwachstum von bis zu gut einem Drittel auf 320 bis 360 Millionen Euro. Ihr Optimismus fußt auf einer Geschäftsdynamik, die sich gerade im Schlussquartal 2020 deutlich verbessert hat. Hinzu kommen ein Auftragsbestand von knapp 151 Millionen Euro zum Jahreswechsel sowie ein erwarteter Anstieg des Ordereingangs auf 340 bis 380 Millionen Euro im neuen Jahr.

Enthalten in der Prognose ist auch die Aixtron-Tochter Apeva. Sie hatte Ende 2020 mit dem Abschluss eines Oled-Entwicklungsprojekts einen lange erhofften, großen Fortschritt gemacht. Ein Kunde - laut Aixtron einer der weltweit größten Displayhersteller - nahm eine entsprechende Anlage nach langen Tests ab. Jetzt führt Aixtron Kundengespräche über ein abschließendes Qualifizierungsprojekt. Bei dem Kunden könnte es sich Experten zufolge um Samsung handeln. Dieser manchmal langwierige Projektverlauf ist typisch für die Branche, da nicht nur die grundsätzliche Tauglichkeit der komplizierten Technik geprüft werden muss, sondern auch deren Anwendung im industriellen Maßstab.

Aixtron (WKN: A0WMPJ)

Die Aussichten könnten zwar besser kaum sein. Die Aktie dürfte nach der jüngsten Kursrallye allerdings vorerst weiter im Konsolidierungsmodus verweilen. Anleger setzen nach der Verschnaufpause auf eine Trendfortsetzung in Richtung der Hochs während des großen Branchenbooms im Zuge des LED-Superzyklus 2010 und 2011. Damals war der Kurs bis auf rund 34 Euro gestiegen.

(Mit Material von dpa-AFX)

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