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09.01.2020 Maximilian Völkl

Siemens: Im Kreuzfeuer der Kritik

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Siemens

Für Siemens ist der rund 20 Millionen Euro schwere Auftrag für eine Zugsignalanlage in Australien vergleichsweise klein. Doch der Konzern gerät deshalb mehr und mehr in die Kritik von Umweltschützern. Nach den Fridays-for-Future-Aktivisten nimmt nun auch eine Klimaexpertin die Beteiligung an der umstrittenen Kohlemine des indischen Adani-Konzerns ins Visier.

„Das ist kriminell und ein offener Angriff auf unsere Zukunft“, nahm Kathrin Meissner, Leiterin des Climate Change Research Centre an der Universität von New South Wales in Sydney gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland kein Blatt vor den Mund. „Über 60 Unternehmen haben es abgelehnt, am Bau oder an der Finanzierung der Adani Carmichael Kohlemine beteiligt zu sein. Dazu zählt zum Beispiel auch die Deutsche Bank. Ich hoffe, Siemens wird sich sehr schnell von dem Projekt distanzieren.“

Für Meissner ist es unbegreiflich, dass das Adani-Projekt überhaupt genehmigt wurde. Gebaut werden soll dort eines der größten Kohlebergwerke der Welt, mit einer Förderung von bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr. Durch die verheerenden Buschbrände in Australien, für die auch der Kohleabbau mitverantwortlich gemacht wird, hat die Kritik der Umweltschützer zuletzt noch einmal zugenommen.

Siemens hatte zuletzt betont, bis 2030 klimaneutral zu werden. Dennoch ist offen, ob der Konzern den Auftrag ablehnt. Ökonomisch ist die Bedeutung zwar nicht so groß, doch alleine aus Vertragstreue gegenüber Adani könnte Siemens durchaus an dem Auftrag festhalten. Konzernchef Joe Kaeser muss aber klar sein, dass die Kritik dann nicht abebben wird, nachdem er in der Vergangenheit immer wieder Wert auf seine unternehmerische Verantwortung gelegt hatte.

Siemens (WKN: 723610)

Die Siemens-Aktie notiert nach wie vor knapp unterhalb des 52-Wochen-Hochs. Die Kritik an dem Adani-Auftrag ist zwar schlecht fürs Image, sollte aber kaum Auswirkungen auf den Aktienkurs haben. Durch die Entspannung im Iran-Konflikt hat sich auch das Marktumfeld wieder verbessert. Anleger können nun wieder über erste Positionen nachdenken und auf den Ausbruch auf ein neues Hoch setzen.