Schaeffler hat zu Jahresbeginn mehr verdient als erwartet. Beim Umsatz mussten die Franken zwar einen Dämpfer hinnehmen, das lag aber an ungünstigen Wechselkursen. Währungsbereinigt wäre der Konzern um rund ein Prozent gewachsen, hieß es am Dienstag von den Herzogenaurachern. Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld bestätigte den Ausblick auf das aktuelle Jahr. Die Aktie legte deutlich zu Vanessa Jeffriess von der US-Investmentbank Jefferies sieht für das Papier weiteres Potenzial.
Schaeffler steckt mitten im Umbruch – und das in einer Branche, die sich gerade neu sortiert. Während viele Autozulieferer am alten Geschäftsmodell festhalten, wagte der Konzern vor kurzem einen „Neustart“. Schaeffler erfindet sich neu. Das hat Charme und zeigt Mut, kommt aber nicht ohne Schmerzen. Kurzfristig drücken schwache Margen und sicherlich auch das eine oder andere operative Problem. Dennoch sollte sich der Fokus auf neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder in den nächsten Jahren peu a peu auszahlen.
Die Zahlen für das erste Quartal waren in Ordnung. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (ber. Ebit) legte im Jahresvergleich um 3,3 Prozent auf 285 Millionen Euro zu. Der Umsatz sank hingegen wegen ungünstigerer Wechselkurse um 2,7 Prozent auf 5,76 Milliarden Euro - ohne die Folgen des starken Euro wäre der Erlös um ein Prozent gestiegen.
Die operative Marge zog um 0,3 Prozentpunkte auf 5,0 Prozent an und fiel damit etwas besser aus als von Analysten erwartet. Schaeffler hatte bereits durchblicken lassen, dass die Marge gestiegen sein dürfte und komfortabel im Bereich der fürs Jahr anvisierten Spanne von 3,5 bis 5,5 Prozent liege.
Schaeffler habe im ersten Quartal die Erwartungen leicht übertroffen, schrieb Analystin Vanessa Jeffriess von der US-Investmentbank Jefferies. Das Unternehmen mache in allen Bereichen gute Fortschritte und sei gut gerüstet, um in unsicheren Zeiten zu bestehen. Bullish äußerte sich auch Michael Punzet von der DZ Bank. Er hat die Einstufung für Schaeffler nach den Zahlen zum ersten Quartal auf "Kaufen" mit einem fairen Wert von 10 Euro gesetzt. Er sehe Schaeffler sowohl beim Thema Antriebstechnologien als auch beim Zukunftsthema Humanoide gut positioniert, schrieb Punzet in einer Studie.
Der Blick ist nach vorne gerichtet. Schaeffler hat unter anderem im Bereich humanoider Robotik positioniert. Schaeffler wird eigenen Angaben zufolge Teile unter anderem für Robotergelenke entwickeln und liefern, die vor allem im Oberkörper, in den Schultern und Armen von Humanoiden zum Einsatz kommen.
Eine Partnerschaft besteht bereits unter anderem mit der deutschen Firma Neura Robotics. Neura mit Sitz in Metzingen ist einer der interessantesten Player innerhalb der Szene der Humanoiden Roboter.
Ein Deal mit dem britischen Unternehmen Humanoid ist ebenfalls unter Dach und Fach. Auch hier liegt der Fokus in der gemeinsamen Entwicklung von Robotik-Komponenten.
Eine Eintrittskarte in den wichtigen chinesischen Markt könnte Schaeffler mit Leju Robotics gelöst haben.
Auch im Bereich der Drohnen hat sich Schaeffler positioniert und erste Deals mit Helsing eingefädelt. Einem Bericht der "SZ" zufolge soll Schaeffler dabei die Herstellung und Beschaffung wichtiger Elektronikkomponenten übernehmen. Zudem wird Schaeffler Helsing bei der Produktion von Drohnen unterstützen.
Wichtig ist hierbei: Die neuen Geschäftsfelder und Kooperationen sind für Anleger und Analysten schwierig in Zahlen zu gießen.
Bis 2035 sollen rund zehn Prozent des Konzernumsatzes aus neuen Geschäftsfeldern stammen. Bei einem in Aussicht gestellten Umsatz von 30 bis 35 Milliarden Euro würde das rund drei Milliarden Euro entsprechen.
Schaeffler hat sich neu aufgestellt. Fantasie verleihen dem Papier auf lange Sicht die Segmente Humanoide Roboter und Drohnen. Die Aktie hatte nach dem starken Lauf bis 12,73 Euro im Hoch stark korrigiert. Die Q1-Zahlen und der Ausblick sorgten wieder für Rückenwind. Schaeffler bietet auf Sicht eine sehr attraktive Wette auf eine Erholung von Umsatz und Gewinn in den kommenden Jahren.
Heute, 16:14