Es war eine der wichtigsten Meldungen der abgelaufenen Börsenwoche: Die beiden Bergbau-Giganten Rio Tinto und Glencore führen konkrete Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss. An den Börsen wurde direkt wild spekuliert, was dies für die beiden Unternehmen, aber auch für andere Konkurrenten wie etwa BHP bedeuten könnte.
Fakt ist nun jedenfalls: Nach britischem Börsenrecht muss sich Rio Tinto nun bis zum 5. Februar um 17:00 Uhr entscheiden, ob man ein konkretes Übernahmeangebot für Glencore abgeben will oder nicht. Daher dürften die Marktteilnehmer nun gespannt auf die weiteren Meldungen der beiden Bergbauriesen blicken. Nach Einschätzung von Derren Nathan, Analyst bei der britischen Investmentgesellschaft Hargreaves Lansdown, ist keineswegs garantiert, dass ein Zusammenschluss automatisch zu einer Wertsteigerung für die Aktionäre führen würde. Auch Christopher LaFemina vom Analysehaus Jefferies äußerte sich vorsichtig. Er verwies darauf, dass die Ausgestaltung eines möglichen Deals bislang offen sei und im Falle einer Umsetzung wohl sehr komplex ausfallen dürfte. Gleichzeitig sieht LaFemina jedoch durchaus Potenzial, einen Weg zu finden, der beiden Rohstoffkonzernen einen spürbaren Mehrwert verschaffen könnte.
Ähnlich argumentiert RBC-Analyst Ben Davis. Aus seiner Sicht würde insbesondere Rio Tinto von einem Zusammenschluss profitieren, da sich der Konzern damit den dringend benötigten Zugang zu zusätzlichen Kupferressourcen sichern könnte. Das Eisenerzgeschäft würde im Vergleich an Bedeutung verlieren. Für Glencore wiederum sieht Davis die Chance, bislang gebundene Werte für die Aktionäre freizusetzen. Er geht davon aus, dass Glencore grundsätzlich offen für einen Verkauf ist. Gleichzeitig warnt Davis jedoch vor möglichen finanziellen und operativen Stolpersteinen. Vor allem das Kohlegeschäft sowie das Marketing seien aus seiner Sicht kritische Punkte, die bei einem Zusammengehen sorgfältig adressiert werden müssten.
Es dürfte spannend bleiben, ob es in dem Sektor bald tatsächlich zu einem Mega-Merger kommen wird. Die Aktie von Rio Tinto ist jedenfalls attraktiv – unabhängig davon, ob es zu einem Deal kommt oder nicht. Wer bei der Dividendenperle engagiert ist, belässt den Stoppkurs nach wie vor bei 51,00 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Rio-Tinto-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Rio Tinto.
Heute, 07:38