Die jüngste Nachricht rund um neue Payment-Ambitionen von Shopify hatte auch bei PayPal-Anlegern für Aufmerksamkeit gesorgt. Nun hat sich der kanadische E-Commerce-Spezialist gegenüber DER AKTIONÄR zu Wort gemeldet – und den Vorstoß relativiert. Dennoch bleibt der Schritt für PayPal negativ.
Das Wichtigste kurz und knapp
• Shopify hat den Vorstoß nun eingeordnet und betont die Bedeutung bestehender Payment-Partnerschaften.
• Einen abrupten Bruch mit PayPal will der E-Commerce-Spezialist damit nicht signalisieren.
• Am Kern ändert das dennoch wenig: Der Wettbewerb im Payment-Markt wird für PayPal härter.
Shopify ist ein wichtiger Partner für PayPal. Ob das auch umgekehrt gilt, daran kamen durch einen Schritt von Shopify Zweifel auf. So hat der E-Commerce-Spezialist eine Lizenz als sogenannter Money Transmitter beantragt, mit der das Unternehmen Händlergelder künftig selbst halten und transferieren könnte (DER AKTIONÄR berichtete).
Shopify sieht das nicht als Frontalangriff auf PayPal. „Shopify bietet seit Jahren Finanzprodukte und Zahlungsdienste an. Der Erwerb von Lizenzen ermöglicht es uns, bestehende Tools weiterzuentwickeln, die Händler:innen dabei helfen, ihr Geschäft zu führen“, so Shopify gegenüber DER AKTIONÄR. „Unsere Payment-Partnerschaften sind ein wesentliches Fundament dafür, und Millionen von Händler:innen verlassen sich auf die Infrastruktur, die wir gemeinsam aufgebaut haben.“
Shopify will den Schritt somit nicht in Richtung eines abrupten Bruchs mit bestehenden Partnern verstanden wissen. Stattdessen verweist das Unternehmen auf Kontinuität. Finanzprodukte und Zahlungsdienste gehören schon länger zum Angebot, die neuen Lizenzen sollen vor allem helfen, bestehende Lösungen weiterzuentwickeln. Auch die Bedeutung der bisherigen Payment-Partnerschaften hebt Shopify ausdrücklich hervor.
In der Tat ist es unwahrscheinlich, dass Shopify von heute auf morgen große externe Bezahldienstleister wie PayPal oder Stripe aus seinen Diensten werfen wird. Dennoch: Shopify baut seine Aktivitäten im Zahlungsbereich weiter aus – und genau das bleibt für PayPal eine schlechte Nachricht.
Auch wenn Shopify nicht den radikalen Schnitt vollzieht, erscheint die strategische Richtung eindeutig. Der Konzern strebt offenbar eine stärkere Rolle im Zahlungsverkehr an. Das erhöht den Druck auf etablierte Payment-Anbieter – in einem Markt, der ohnehin von intensivem Wettbewerb und sinkenden Margen geprägt ist.
Hinzu kommt: Schon die stärkere Verzahnung von Shopsystem, Check-out und Zahlungsabwicklung verschiebt die Machtverhältnisse im E-Commerce. Plattformen wie Shopify gewinnen an Einfluss, während spezialisierte Zahlungsanbieter härter um ihre Stellung kämpfen müssen.
Das Shopify-Statement nimmt Schärfe aus der Debatte, ändert für PayPal-Anleger am Kern aber wenig. Der Schritt bleibt für PayPal negativ, weil Shopify seine Position im Payment ausbaut und den Wettbewerbsdruck erhöht. Die PayPal-Aktie bleibt daher kein Kauf.
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FAQs zu PayPal
Was macht PayPal?
PayPal ist ein US-Zahlungsdienstleister, über den Verbraucher und Händler digital Geld senden, empfangen und Online-Zahlungen abwickeln können.
Womit verdient PayPal sein Geld?
PayPal erzielt seine Erlöse vor allem mit Gebühren für Zahlungsabwicklungen. Einnahmen kommen unter anderem aus dem Online-Checkout, Händlerlösungen, Venmo sowie weiteren Finanz- und Mehrwertdiensten.
Warum steht die PayPal-Aktie unter Druck?
Die Aktie leidet unter schwächerem Wachstum, hohem Wettbewerbsdruck und einem Vertrauensverlust an den Märkten. Neue Vorstöße von Konkurrenten im Payment-Markt sorgen für zusätzlichen Gegenwind.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: PayPal.
Heute, 10:45