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03.08.2020 Martin Mrowka

MTU: So schlecht hat es kaum jemand erwartet

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MTU Aero Engines

Am vergangenen Freitag erfreute der Triebwerksbauer MTU viele Börsianer mit einer überraschend positiven Geschäftsprognose (DER AKTIONÄR berichtete). Doch die heute vorgelegten Quartalszahlen sind schlechter ausgefallen als die meisten vorab befragten Analysten erwartet haben. Die MTU-Aktie sackt am Vormittag ans DAX-Ende.

Der Einbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise hat dem Triebwerksbauer MTU im zweiten Quartal herbe Einbrüche bei Umsatz und Gewinn eingebrockt. Die Erlöse brachen im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf gut 776 Millionen Euro ein. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) sackte um rund drei Viertel auf gut 42 Millionen Euro zusammen.

Am Freitag hatte MTU mit einer recht optimistischen Prognose überrascht. Vorstands-Chef Reiner Winkler rechnet demnach zwar auch für das Gesamtjahr mit deutlichen Rückgängen, aber trotz der Krise mit schwarzen Zahlen.

MTU-Aktie sackt ab

Am Finanzmarkt kommen die Nachrichten schlecht an. Nachdem die MTU-Aktie infolge der neuen Jahresprognose am Freitag noch zugelegt hatte, geht es für sie am Montag steil abwärts. Am Vormittag verliert sie zeitweise rund acht Prozent auf 135,00 Euro. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit wieder 47 Prozent eingebüßt.

MTU Aero Engines (WKN: A0D9PT)

Quartalsgewinn fällt um 87 Prozent

Während Analysten beim Umsatz im zweiten Quartal einen noch stärkeren Einbruch erwartet hatten, ging der operative Gewinn noch deutlicher zurück als gedacht. Dennoch konnte der Triebwerksbauer trotz eines mehrwöchigen Stillstands in den Werken einen positiven freien Barmittelzufluss vorweisen. Mit 56,5 Millionen Euro fiel dieser aber rund 40 Prozent geringer aus als ein Jahr zuvor. Unter dem Strich blieb ein Quartalsgewinn von gut 13 Millionen Euro – ein Rückgang um 87 Prozent.

Für das laufende Jahr erwartet MTU-Chef Winkler jetzt einen Umsatz von etwa 4,0 bis 4,4 Milliarden Euro. Davon sollen 9 bis 10 Prozent als operativer Gewinn beim Unternehmen hängen bleiben. "Den Ersatzteilbereich trifft die Krise am stärksten", hatte Finanzvorstand Peter Kameritsch erklärt. Legt man die Mitte der beiden Zielspannen zugrunde, entspricht dies einem operativen Gewinn von knapp 400 Millionen Euro.

2019 hatte MTU einen Rekordumsatz von gut 4,6 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 757 Millionen Euro erzielt.

Zwei Anleihen sichern Liquidität

Derzeit befindet sich das Unternehmen allerdings im Krisenmodus. Der Vorstand hat die Liquidität des Konzerns unter anderem mit der Ausgabe von zwei Anleihen auf rund 1,5 Milliarden Euro aufgestockt.

MTU hat wie viele andere Unternehmen viele Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt, was den Hersteller bei den Kosten stark entlastet. Weil Fluggesellschaften derzeit kaum neue Flieger und Ersatzteile brauchen und auch weniger Maschinen in die Wartung bei MTU schicken, haben die Flugzeugbauer Boeing und Airbus ihre Produktion deutlich gedrosselt und den Abbau tausender Arbeitsplätze angekündigt. Auch MTU hat daher angekündigt, 10 bis 15 Prozent der zuletzt 10.661 Arbeitsplätze abzubauen. (Mit Material von dpa-AFX)

Es wird noch dauern, bis die Luftfahrt-Branche wieder richtig Fahrt aufnimmt. DER AKTIONÄR hatte bereits Mitte März – etwas zu früh – mutigen Anlegern den DAX-Wert zum spekulativen Kauf von MTU-Aktien empfohlen. Langfristiges Kursziel: 200 Euro. Spätestens bei 125 Euro sollte jedoch eine Stop-Loss-Order platziert werden.