Vor kurzem gab Mercedes-Benz den Einstieg ins Robotaxi-Business bekannt. Zusammen mit dem chinesischen Softwareentwickler Momenta Global will der Autobauer künftig selbstfahrende Fahrzeuge für den Mobilitätsanbieter Lumo Mobility in Abu Dhabi bereitstellen. Eine neue Kaufempfehlung gab es zudem von JPMorgan. Und auch charttechnisch sieht das Papier spannend aus.
Abu Dhabi dient als Startpunkt für die geplante Robotaxi-Flotte. Mobilitätsanbieter Lumo Mobility besitzt bereits eine offizielle Betriebsgenehmigung für autonome Fahrzeuge in den Vereinigten Arabischen Emiraten und wird die Autos von Mercedes-Benz in seine Flotte aufnehmen. Die Basis für den Robotaxi-Start von Mercedes-Benz stellt die neue Generation der S-Klasse. Die S-Klasse wird erstmals über Level-4-Automatisierung verfügen – der Fahrer kann dabei dauerhaft Hände und Augen vom Fahrgeschehen abwenden.
Der Schritt verdeutlicht einen globalen Trend: Automobilhersteller arbeiten verstärkt mit chinesischen Softwarefirmen zusammen, um die komplexe und teure Entwicklung autonomer Systeme zu beschleunigen. Für die deutsche Autoindustrie bedeutet das jedoch eine wachsende technologische Abhängigkeit von China – in einer Phase, in der sie ohnehin unter Druck steht: durch starke chinesische Konkurrenz bei Elektroautos, rückläufige Verkäufe und sinkende Margen.
„Deutsche (und auch andere traditionelle) Hersteller haben sicherlich einen technologischen Rückstand 3 bis 5 Jahren. Waymo fuhr das erste Mal fahrerlos auf öffentlichen Straßen im um 2018/19. Aktuell absolvieren um die 3.500 Waymos mehr als eine Million kommerzielle, fahrerlose Fahrten pro Monat, und fuhren damit mindestens 160 Millionen fahrerlose Kilometer. Wo sieht man deutsche Hersteller fahrerlos fahren? Nirgendwo! Und vor 2030 ist da auch nichts zu erwarten. Der Rückstand ist gewaltig“, sagt Zukunftsforscher Mario Herger gegenüber DER AKTIONÄR.
Dennoch hat die US-Bank JPMorgan die Aktie von Mercedes-Benz mit einer Kaufempfehlung "ausgestattet. Das Kursziel lautet 68 Euro. Analyst Jose Asumendi favorisiert Mercedes im Automobilsektor mit Blick auf 2026. Er sieht bei den Premium-Herstellern bessere Chancen im Vergleich zu den Massenproduzenten.
Aus charttechnischer Sicht präsentiert sich das Papier Anfang Januar in einer entscheidenden Phase zwischen Stabilisierung und möglicher Trendfortsetzung. „Übergeordnete Trendfolgeindikatoren sowie gleitende Durchschnitte und der MACD deuten auf einen nachlassenden Abwärtsdruck hin, ohne bislang ein klares Kaufsignal zu liefern. Kurzfristig zeigt der RSI eine neutrale bis leicht positive Marktverfassung, was auf eine abnehmende Dynamik der Verkäufer schließen lässt“, sagt Charttechnik-Experte Martin Utschneider von RoboMarkets Deutschland.
"Charttechnisch stößt die Aktie auf der Oberseite zunächst im Bereich um 61,50 Euro auf einen kurzfristigen Widerstand. Darüber würde sich das Bild weiter aufhellen, ehe im Bereich von bei 62,60 Euro abermals ein übergeordneter Widerstand wartet."
„Charttechnisch stößt die Aktie auf der Oberseite zunächst im Bereich um 61,50 Euro auf einen kurzfristigen Widerstand. Darüber würde sich das Bild weiter aufhellen, ehe im Bereich von bei 62,60 Euro abermals ein übergeordneter Widerstand wartet. Auf der Unterseite kommt dem Bereich um 60,30 Euro eine kurzfristige Unterstützungsfunktion zu. Ein nachhaltiger Bruch dieser Marken würde das Risiko einer ausgedehnteren Korrektur deutlich erhöhen“, ergänzt Utschneider.
Der Newsflow stimmt, die Mercedes-Aktie setzt ihre Kletterpartie fort. Anleger behalten aber im Hinterkopf, dass trotz aller positiven Neuigkeiten im Bereich der Robotaxis alle deutschen Hersteller nur die Hardware stellen. Die Software wird zugekauft und nicht selbst entwickelt wie etwa bei Tesla oder Waymo und Xpeng. Charttechnisch würde ein Break der Zone zwischen 61,50 Euro und 62,60 Euro neues Potenzial freisetzen. Im Vergleich der deutschen Automobil-Hersteller sieht DER AKTIONÄR aktuell weiterhin BMW vorne.
08.01.2026, 08:53