21.05.2020 Thorsten Küfner

Lufthansa: Die Rettung?!

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Deutsche Lufthansa

Die Meldung, wonach sich die Regierung und die Lufthansa offenbar endlich in nahezu allen Punkten einig sind, sorgte an der Börse für Erleichterung. Der zuvor über viele Wochen hinweg gebeutelte Kurs legte deutlich zu. Die Zitterpartie um die mögliche Hilfeleistungen für den DAX-Konzern hatte zuletzt für große Unsicherheit gesorgt, zumal selbst der Super-Gau im Raum stand

Lufthansa-Anleihen nur noch Ramsch

Wie wichitg die Unterstützung des Staates für die Airline ist, zeigt diese Meldung: Für die US-Ratingagentur S&P sind Anleihen der Fluggesellschaften Lufthansa und IAG nur noch "Ramsch". Das Institut stufte am Mittwoch in einer Sektorbetrachtung die Bewertung beider Unternehmen um eine Stufe auf 'BBB-'. Trotzdem will die Agentur die Fluggesellschaften auf weitere Abstufungen prüfen. Auch die Bewertung von Easyjet und Ryanair wurde um eine Stufe gesenkt. Anleihen im "Ramsch"-Bereich sind nur noch für spekulativ eingestellte Investoren interessant.

Die Pandemie habe drastische Folgen für die Airlines, hieß es weiter. Sie gefährde die Kreditqualität europäischer Fluggesellschaften erheblich und stelle die globale Luftfahrtindustrie insgesamt vor große Herausforderungen, so S&P. Die Agentur rechnet mit einem Rückgang des weltweiten Flugverkehrs in diesem Jahr um die Hälfte.

Offenbar doch keine Sperrminorität

Wie nun bekannt wurde, sind die Verhandlungen mit der Bundesregierung auf der Zielgeraden. Das noch nicht final vereinbarte Konzept sieht Hilfen von bis zu neun Milliarden Euro vor. Im Zuge der umfangreichen Stabilisierungsmaßnahmen will der Bund mit bis zu 25 Prozent plus eine Aktie bei der Airline einsteigen, das soll größtenteils über eine Kapitalerhöhung erfolgen. Der Fonds beabsichtigt dabei eine Wandelschuldverschreibung nur in Ausnahmefällen wie dem Schutz vor einer Übernahme auszuüben. 

Bernstein-Analyst Daniel Roeska reagierte in einer am Donnerstag vorliegenden Studie mit gemischten Gefühlen. Die Bundesregierung habe zwar ihr Bekenntnis bekräftigt, die Airline in der Krise zu stützen. Er monierte jedoch, dass dies erheblich zu Lasten der Aktionäre gehen dürfte. Offen bleibe die Frage, ob die Lufthansa nun einen Kapitalschnitt machen werde, um den Nominalwert der Aktien zu senken.

Zudem hat Goldman Sachs die Lufthansa-Aktie nach dem Bericht über eine bevorstehende Rettung der Fluggesellschaft durch die Bundesregierung auf "Sell" belassen. Das Kursziel beträgt unverändert 6,10 Euro. Zwar hingen ihre Schätzungen und die Bewertung letztendlich von den Bedingungen des möglichen Abkommens ab, doch ändere dies nichts an den Grundprobleme der Lufthansa, schrieb Analystin Venetia Baden-Powell in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Dabei verwies sie auf die zunehmend schwache Bilanz und das wenig konkurrenzfähige Geschäftsmodell. Beides dürfte sich negativ auf das Wachstum und die Renditeaussichten in den kommenden Jahren auswirken.

Deutsche Lufthansa (WKN: 823212)

Die Aktie konnte deutlich zulegen, da nun der Super-Gau für die Aktionäre (sowie die Mitarbeiter und Gläubiger), eine Insolvenz in Eigenregie, verhindert werden dürfte. Dennoch dürfte die sehr ungünstige Gemengelage im Airline-Sektor eine große Belastung für die Lufthansa bleiben. Anleger sollten die von der Coronakrise arg gebeutelte Branche weiterhin meiden - zumal es zahlreiche Aktien gibt, bei denen jetzt schon satte Kursgewinne eingefahren werden.

Mit Material von dpa-AFX

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Lufthansa.