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Lasst die Toten ruhen!

Lasst die Toten ruhen!
Bernd Förtsch 15.10.2026, 08:20 ‧ Bernd Förtsch
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Einkommen. Benzin. Tabak. Mehrwert. Umsatz. Branntwein. Schenkungen. Erbe. Es gibt nichts, was in diesem Land nicht besteuert wird. Und manche Menschen wollen immer mehr. Ein paar Gedanken zum Thema Lebensleistung.

Wissen Sie, wie viel Steuern und Abgaben (es gibt über 60 verschiedene Arten) ein Bürger im Laufe seines Lebens an den deutschen Staat bezahlt? Oder anders gefragt: Möchten Sie das wissen? 

Ich sage es Ihnen. Viel. Ein paar Zahlen: Das Durchschnittseinkommen für Vollzeitbeschäftigte lag 2024 laut Destatis bei 62.235 Euro pro Jahr. Brutto. Natürlich. Wir nehmen jetzt einen ledigen, kinderlosen Mann, der genau diesen Durchschnitt verdient. Wir nennen ihn Otto. Wie Otto N. 

Otto arbeitet 45 Jahre und verdient – gerechnet in heutiger Kaufkraft – immer gleich viel. Otto bezahlt rund 10.500 Euro Einkommensteuer im Jahr, das sind bis zu seiner Rente mehr als 470.000 Euro. Seine jährlichen Arbeitnehmerbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung von gut 13.000 Euro pro Jahr summieren sich am Ende des Erwerbslebens auf knapp 590.000 Euro. Damit sind wir schon bei gut über einer Million. 

Nach Steuern und Sozialabgaben bleiben Otto pro Jahr rund 38.000 Euro, also rund 3.200 Euro pro Monat. Unterstellen wir ihm eine Sparquote von beachtlichen 20 Prozent, dann gibt er gut 30.000 Euro aus – für Miete, Lebensmittel, Energie, Fortbewegung, Unterhaltung, Urlaub und so weiter. Hier begegnen ihm die Mehrwertsteuer, Steuern auf Alkohol und Tabak und viele mehr. Wir unterstellen einmal eine Belastung in Höhe von zehn Prozent, zusammengesetzt aus den verschiedenen existierenden Steuersätzen. Noch einmal 3.000 im Jahr oder 135.000 während seines Erwerbslebens. 

Kevin Kühnert
Kevin Kühnert: Das ehemalige Enfant terrible der Sozialdemokratie hat sich aus der Politik zurück­gezogen. So ganz heraushalten mag er sich dann aber doch nicht.

Unter dem Strich liegen wir bei vermutlich rund 1,2 Millionen an Steuern. Mancher dieser Euros wurde schon mehrfach besteuert, mancher wird es später als Rente noch werden. Laut OECD liegt der Anteil der Abgaben an Ottos Arbeitskosten (also inklusive Arbeitgeberanteil an den Sozialleistungen) bei stolzen 47,9 Prozent – ein weltweiter Platz 2 ist uns damit sicher! Jeder Mensch, der treu und fleißig zur Arbeit geht, der Kinder aufzieht, Steuern zahlt und die Gemeinschaft am Laufen hält, der es sich nicht in der sozialen Hängematte bequem macht und seinen Kindern einmal etwas hinterlassen möchte: Jeder dieser Menschen ist wie Otto!

Nehmen wir einmal an, Otto hat es trotz Steuer- und Abgabenlast geschafft, etwas auf die Seite zu legen. Das Geld nicht für Unfug ausgegeben, sondern investiert. Oder ein Haus abgezahlt. Wenn Otto dann eines Tages von uns geht, warum sollen dann seine Erben eigentlich Unsummen bezahlen? Für sein Haus? Seine Aktien, falls vorhanden? Natürlich gibt es Freibeträge. Aber haben sich unsere Finanzpolitiker einmal die Immobilienpreise in deutschen Großstädten angesehen? Es ist einfach nur lächerlich. Otto hat im Laufe seines Lebens jeden Euro mehrfach versteuert. Und dann seine Kinder noch einmal? Schafft diesen Unfug ab!

Der Zeitgeist spricht eine andere Sprache. Die SPD will Zucker besteuern (und ein neues Bürokratiemonster mit knapp 1.000 Beamten schaffen), die Linke will gleich komplett enteignen (wenigstens ehrlich!). Kevin Kühnert wird im Handelsblatt zum Erbschaftsteuerprivileg für Betriebsvermögen befragt und antwortet: „Das regt die Menschen auf!“ Ganz ehrlich? Was die Menschen wirklich aufregt, sind immer neue und immer höhere Steuern und Abgaben, ein Staat, der mit seinem Geld nicht auskommt (und selbst massiv verschlanken müsste), und Politiker, die immer gieriger ihre Hände nach dem Eigentum fleißiger Menschen ausstrecken!

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