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EZB: Zinsen bleiben stabil – Lagarde lässt Fragen offen

EZB: Zinsen bleiben stabil – Lagarde lässt Fragen offen
Foto: Noppasin Wongchum/Shutterstock
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Annalena Götz Heute, 15:30 Annalena Götz
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Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins in der Eurozone am Donnerstag wie erwartet bestätigt. Damit liegt der für die Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz weiterhin bei 2,25 Prozent. Von den Märkten wurde das weitgehend eingepreist – der DAX weitet seine Verluste im Tagesverlauf weiter auf 1,4 Prozent aus. Auf der anschließenden Pressekonferenz dämpft EZB-Chefin Christine Lagarde die Hoffnung auf eine schnelle Entspannung der Konjunktur: Die Inflationsrate dürfte wegen der hohen Energiepreise bis mindestens Mitte 2027 über dem Ziel bleiben. Der nächste Zinsentscheid steht im September an.

In Frankfurt ist die Entscheidung gefallen. Trotz der erneuten Zuspitzung der Lage im Iran-krieg erhöht die EZB die Zinsen kein zweites Mal in Folge. Mitte Juni hatten die Währungshüter den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Die im Zuge des Iran-Kriegs gestiegenen Energiepreise hatten die Inflation angetrieben. Obwohl sich die geopolitische Lage zuletzt wieder zugespitzt hatte, wurde eine erneute Zinserhöhung heute im Vorfeld nicht erwartet: "Für dieses starke Signal fehlt den Notenbankern der akut drängende Grund", so Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner. "Die Öl- und Gaspreise liegen deutlich unter den kriegsbedingten Höchstständen, auch wenn sie zuletzt wegen des Aufflammens der Kämpfe wieder gestiegen sind."

Nächster Zinsschritt im September?

Im offiziellen Statement der EZB lautet die Begründung für den Zinsentscheid wie folgt: "Der Ausblick für die Energiepreise ist zwar weiterhin von hoher Volatilität geprägt, liegt derzeit jedoch nahe am Basisszenario der EZB-Stabsprojektionen vom Juni und deutlich über dem Niveau vor dem Ausbruch des Nahostkonflikts. Die vollständigen Auswirkungen des Energiepreisschocks auf die Inflation sind bislang noch nicht sichtbar. Der EZB-Rat beobachtet daher die Intensität und Dauer des Schocks sowie dessen Zweitrundeneffekte genau und wird bei der Festlegung des geldpolitischen Kurses weiterhin datenabhängig und von Sitzung zu Sitzung entscheiden." Ziel bleibe es, die Inflation bei einem Wert von zwei Prozent zu stabilisieren.

Zuletzt hatte sich die Inflation schneller als erwartet abgeschwächt: Im Juni fiel die Inflationsrate in der Eurozone von 3,2 Prozent auf 2,8 Prozent. Vom Ziel der EZB, die Teuerung mittelfristig bei zwei Prozent zu stabilisieren, ist der Währungsraum allerdings weiterhin ein gutes Stück entfernt. Zudem haben die jüngsten Kämpfe im Nahen Osten die Ölpreise erneut nach oben getrieben. Die Gefahr einer zweiten Inflationswelle ist damit noch nicht gebannt.

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Die heutige Entscheidung könnte somit als Verschnaufpause zu verstehen sein, bedeutet aber nicht das Ende der Zinserhöhungen. Viele Volkswirte rechnen bereits bei der nächsten Sitzung im September mit einem weiteren Schritt nach oben. Entscheidend wird sein, wie stark sich die höheren Energiekosten auf die Verbraucherpreise, die Lohnentwicklung und das Wachstum auswirken. In einer Reuters-Umfrage von letzter Woche erwarteten rund 70 Prozent der befragten Ökonomen noch mindestens eine weitere Zinserhöhung in diesem Jahr.

Eine längere Serie von Zinsschritten gilt derzeit jedoch als eher unwahrscheinlich. Denn die EZB muss den Spagat schaffen, die Inflation einzudämmen, ohne die ohnehin schwächelnde Konjunktur zusätzlich abzuwürgen.

Rätsel um EZB-Chefin: Rücktritt weiter nicht ausgeschlossen

Um 14:45 Uhr folgt wie gewohnt die Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Ihre Rede gibt mehr Hinweise zum weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank und ist für Anleger der weitaus spannendere Teil des heutigen Termins. 

Besondere Brisanz erhält Lagardes Auftritt durch die anhaltenden Spekulationen, dass sie ihr Amt vorzeitig niederlegen könnte. Ihre achtjährige Amtszeit läuft eigentlich bis Oktober 2027. Zuletzt schloss die Französin in einem Interview mit der Zeitung Les Échos einen früheren Rücktritt jedoch nicht kategorisch aus und verwies auf ein mögliches Engagement im französischen Präsidentschaftswahlkampf. "Ich glaube, dass in der französischen Präsidentschaftsdebatte eine europäische Stimme zu hören sein muss", so Lagarde.

Auf Nachfrage äußerte sich Lagarde am Donnerstag zu den Spekulationen um ihre persönliche Zukunft. Einen vorzeitigen Abschied von der EZB wollte sie erneut weder klar bestätigen noch dementieren. Allerdings stellte sie klar, dass sie ihr Amt "nicht vor 2027" niederlegen werde. "Dieser Kapitän bleibt auf diesem Schiff", sagte die EZB-Chefin. Solange am Horizont noch Wolken zu sehen seien, werde sie ihren Posten nicht verlassen.

Christine Lagarde: Inflation bis 2027 über Ziel

Inhaltlich bestätigte Lagarde weitgehend den Tenor des Zinsentscheids. Zwar habe sich die wirtschaftliche Aktivität im zweiten Quartal etwas verbessert, insbesondere der Dienstleistungssektor erhole sich. Die kurzfristigen Wachstumsaussichten blieben jedoch gedämpft.

"Vorausschauende Indikatoren deuten darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum vorerst verhalten bleiben wird – belastet durch den Energieschock und die damit verbundenen Unsicherheiten. Dennoch bleiben die grundlegenden Triebkräfte für mittelfristiges Wachstum intakt. Der private Konsum, Investitionen in neue digitale Technologien, staatliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur sowie eine gewisse Erholung der Exporte dürften allesamt zur gesamtwirtschaftlichen Dynamik beitragen", erklärte Europas Notenbankchefin in ihrer Rede. Zugleich bekräftigte sie den Appell, dass es "umgehend Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft des Euroraums" brauche.

Bei der Inflation schlug Lagarde einen vorsichtigen Ton an: "Der Energieschock schlägt sich weiterhin in höheren Preisen nieder. (...) Während sich die Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation im Rahmen hielt, sind die vollen Auswirkungen des Energieschocks noch nicht absehbar." Die steigenden Energiepreise dürften die Teuerung bis in das erste Halbjahr 2027 oberhalb des EZB-Ziels von zwei Prozent halten. Erst danach sollte die Inflation wieder zurückgehen.

DAX (WKN: 846900)

Der DAX hat nach seinen Vortagesgewinnen heute wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Nach den Vormittagsverlusten zuckt der deutsche Leitindex um 14:15 Uhr kurzzeitig nach oben, dreht dann jedoch sofort wieder und fällt auf ein Tagestief bei 24.775 Punkten. Die Zinspause der EZB kam für die Märkte grundsätzlich nicht überraschend. Für die Anleger bleibt nun entscheidend, ob sich die Inflationsrisiken bis zur nächsten EZB-Sitzung im September weiter abschwächen. Falls nicht, dürfte eine weitere Zinserhöhung fällig sein.

Am Devisenmarkt bleibt die Entscheidung in Frankfurt hingegen nicht ohne Folgen: Der Euro fiel nach der Bekanntgabe auf ein Tagestief von 1,1371 Dollar. Die Zinspause bremst den kurzfristigen Rückenwind für die Gemeinschaftswährung. 

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