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Elmos‑Vorstand im Gespräch: Humanoide Roboter, Cashflow und China als Kurstreiber (Teil 2)

Elmos‑Vorstand im Gespräch: Humanoide Roboter, Cashflow und China als Kurstreiber (Teil 2)
Foto: Shutterstock AI/Shutterstock
Elmos Semiconductor SE -%
Michael Schröder Heute, 09:30 Michael Schröder

Elmos ist kein gewöhnlicher Halbleiterhersteller. Als Spezialist für Analog-Mixed-Signal-ICs behauptet sich das Unternehmen gegenüber Wettbewerbern wie Infineon, NXP Semiconductors oder Melexis durch konsequente Technologieführerschaft – und das seit über 40 Jahren. Dabei hat sich das Unternehmen von einem kapitalintensiven Chip-Produzenten zu einem cashstarken Automotive-Chip-Entwickler gewandelt – und noch einige heiße Pfeile im Köcher. DER AKTIONÄR fragte nach bei Vorstand Dr. Arne Schneider. 

Im ersten Teil des Hintergrundgesprächs ging es um die Rückkehr zu zweistelligen Umsatzwachstumsraten, die steigende Free Cashflow-Marge, den Prozess der Verselbstständigung des China-Geschäfts und die Impulse durch den Megatrend Humanoide Roboter. 

DER AKTIONÄR: Sie sehen „Elmos hervorragend positioniert, um an den strukturellen Wachstumstrends unserer Märkte langfristig zu partizipieren“. Wie differenziert sich Elmos gegenüber größeren Wettbewerbern im Automotive-Halbleiterbereich hinsichtlich Integrationstiefe, Energieeffizienz und Systemlösungen?

Dr. Arne Schneider: Elmos ist kein gewöhnlicher Halbleiterhersteller. Wir sind ein führender Spezialist für Analog Mixed-Signal-ICs im Automotive-Bereich mit mehr als 40 Jahren Erfahrung. Wir verfügen über fundiertes technologisches und applikationsspezifisches Know-how und verbinden dieses mit ausgeprägter Produkt- und Systemkompetenz. Elmos behauptet sich im Wettbewerb – auch mit deutlich größeren Halbleiterunternehmen – durch konsequente Technologieführerschaft in unseren Kernanwendungsfeldern. Entscheidend sind dabei unser tiefes Kunden- und Systemverständnis, unsere hohe Agilität sowie die schnelle und flexible Reaktion auf Markt- und Kundenanforderungen. Ergänzt wird dies durch eine herausragende Lieferperformance, einem engen, verlässlichen Kundensupport und einer globalen Aufstellung. Mit unserer starken Performance sowohl während der Chipkrise als auch nach dem Ende der Allokationsphase haben wir die Leistungsfähigkeit von Elmos im Vergleich zu unseren Wettbewerbern eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Können Sie diese besondere Leistungsfähigkeit ebenfalls mit konkreten Zahlen belegen?
Während der Chipknappheit in den Jahren 2021 bis 2023 ist Elmos mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 34 Prozent rund doppelt so schnell gewachsen wie unsere Hauptwettbewerber, alles globale Hightech-Unternehmen, von denen die meisten viel größer sind als Elmos. In den vergangenen beiden Jahren haben wir trotz Bestandsabbau unserer Kunden nach dem Ende der Allokation leicht zugelegt, während unsere Wettbewerber im Durchschnitt nahezu 20 Prozent Umsatzrückgang verzeichneten, einzelne sogar mehr als 30 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich unsere EBIT-Marge deutlich widerstandsfähiger und wir konnten im gleichen Zeitraum eine höhere Profitabilität als die meisten unserer direkten Wettbewerber erreichen. Das unterstreicht die Stabilität unseres Geschäftsmodells und die Stärke unserer operativen Umsetzung. Diese starke Performance spiegelt sich auch in unserem Aktienkurs wider. Einschließlich Dividenden hat die Elmos Aktie seit Januar 2021 eine fast 10x höhere Rendite erzielt als der Durchschnitt unserer direkten Wettbewerber.

Dr. Arne Schneider
Quelle: Elmos Semiconductor SE
Dr. Arne Schneider, CEO Elmos

Am 1. November 2025 haben Sie ein neues R&D-Center im tschechischen Brünn eröffnet und damit Ihre internationale R&D-Präsenz um einen strategischen Schlüsselstandort erweitert. Könnten Sie uns einen kleinen Einblick geben, an welchen innovativen Zukunftsprojekten Sie gerade arbeiten und wie Sie mit Ihrer Innovationsstärke künftig im Wettbewerb punkten möchten?
Der Markt für Automobilhalbleiter befindet sich auf einem langfristigen, strukturellen Wachstumspfad. Mehrere Megatrends, Elektrifizierung und Effizienz, erhöhte Sicherheits- und Komfortanforderungen, ADAS-Funktionen und autonomes Fahren sowie neue Software-definierte Fahrzeugarchitekturen erhöhen den Halbleiteranteil pro Fahrzeug signifikant und treiben damit das strukturelle Marktwachstum. Elmos ist genau dort positioniert, wo diese Erhöhung des IC-Contents besonders dynamisch verläuft: in hoch-performanten und intelligenten Applikationen am Rande des Fahrzeugs. Also genau dort, wo die Leistungsanforderungen, Integrations- und Funktionsdichte am stärksten steigt. 

Das zeigt sich auch in den wichtigen Design Wins, oder?
In unseren Segmenten konnten wir in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich neues Geschäft akquirieren. Im Zeitraum 2021 und 2025 haben wir mehr als 1.200 Design-Wins in allen wichtigen Automobilanwendungen mit entsprechend einem Umsatzpotenzial über die gesamte Laufzeit von mehr als 3,3 Milliarden Euro. Das belegt unsere starke Entwicklungsleistung und die hohe Relevanz unseres innovativen Produktportfolios für unsere Kunden. Unsere Innovations- und Produktpipeline für die kommenden Jahre ist auf jeden Fall sehr gut gefüllt. 

Elmos Semiconductor (WKN: 567710)

Das Umsatzziel von einer Milliarde Euro bis 2030 haben Sie bestätigt. Welche technologischen Schwerpunkte und Marktsegmente sollen dabei den größten Beitrag leisten? 
Unser mittelfristiges Wachstumsziel ist marktkonform, und wir haben uns für einen konservativen Ansatz entschieden. Die jährliche Wachstumsrate von rund zwölf Prozent ist weitgehend durch das bestehende Seriengeschäft und Design-Wins gesichert. Auf Basis der erfolgreichen Design Wins der vergangenen Jahre werden alle unsere Segmente und auch alle Regionen zu diesem Wachstum beitragen. Das bedeutet, dass unser Portfolio bis 2030 weiter ausgewogen bleiben wird und darüber hinaus die zunehmende Bedeutung von Sensor-ICs und die wachsende Dynamik softwaredefinierter Fahrzeuganwendungen zu erkennen sein wird. 

Das Umsatz-Milliarde basiert ausschließlich auf der Umsetzung der Automotive-Pipeline, oder? 
Richtig. Darüber hinaus sehen wir zusätzliches Potenzial in angrenzenden Märkten wie der Robotik oder Cybersecurity. Diese zusätzlichen Chancen sind in unserem Umsatzziel bewusst nicht berücksichtigt – was unsere Planung umso robuster und belastbarer macht.

Der Plan steht
Elmos dürfte auf dem profitablen Wachstumskurs bleiben. Der steigende Elektronik-Anteil im Fahrzeug sichert die Planungen bis 2030 ab. Der große Kritikpunkt der vergangenen Jahre – die schwache freie Mittelgenerierung – kehrt sich spürbar und nachhaltig ins Gegenteil. Das 2026er-KGV von mehr als 20 rückt damit in den Hintergrund. Die vielen Parallelen bei den Auto-ICs sollten helfen, im boomenden Geschäft mit humanoiden Robotern ordentlich Cash zu generieren. Mögliche wertschaffende Aktivitäten in Asien sorgen auf Sicht für zusätzliche Fantasie. 


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