Elmos ist kein gewöhnlicher Halbleiterhersteller. Als Spezialist für Analog-Mixed-Signal-ICs behauptet sich das Unternehmen gegenüber Wettbewerbern wie Infineon, NXP Semiconductors oder Melexis durch konsequente Technologieführerschaft – und das seit über 40 Jahren. Dabei hat sich das Unternehmen von einem kapitalintensiven Chip-Produzenten zu einem cashstarken Automotive-Chip-Entwickler gewandelt – und noch einige heiße Pfeile im Köcher. DER AKTIONÄR fragte nach bei Vorstand Dr. Arne Schneider.
DER AKTIONÄR: Herr Dr. Schneider, Elmos steht 2026 an der Schwelle zur Rückkehr zu zweistelligen Umsatzwachstumsraten, getragen vom Anlaufen einer Vielzahl neuer Produkte – das Resultat der Design Wins der vergangenen Jahre. Worauf können sich Anleger im Gesamtjahr einstellen?
Dr. Arne Schneider: Wir gehen sehr zuversichtlich in das neue Jahr und erwarten eine Rückkehr zu unserem strukturell hohen Wachstumspotenzial und prognostizieren einen Umsatzanstieg von rund elf Prozent. Die Bestandsbereinigungen im Automotive-Halbleitermarkt sind größtenteils abgeschlossen und die Aufträge unserer Kunden spiegeln die realen Bedarfe wider. Zusätzlich unterstützen wichtige Produktanläufe unser Wachstum. In diesem Jahr wollen wir die Profitabilität und Cash-Performance weiter verbessern und erwarten eine EBIT-Marge im Midpoint von 24 Prozent sowie eine Free Cashflow-Marge von mindestens 17 Prozent vom Umsatz.
Sie sprechen die steigende Free Cashflow-Marge an: Der große Kritikpunkt der vergangenen Jahre – die schwache freie Mittelgenerierung – kehrt sich nun ins Gegenteil. Was machen Sie anders?
In der Phase der Chip-Krise von 2021 bis 2023 hatten wir uns voll auf Wachstum fokussiert und viel Geld in den Aufbau notweniger Kapazitäten investiert. Diese Priorisierung hat sich ausgezahlt, wir haben in dieser Zeit unseren Umsatz mehr als verdoppelt und aufgrund unserer hervorragenden Lieferfähigkeit sehr viel Neugeschäft gewinnen können.
Wie ging es danach weiter?
Nach dem Ende der Allokation haben wir den Hebel schnell wieder umgelegt und strukturelle Maßnahmen eingeleitet, um unsere Cash-Performance deutlich zu erhöhen. Dazu gehören die deutlich effektivere Nutzung unseres Testequipments und die Reduzierung von Testzeiten für unsere ICs, ein konsequentes Working-Capital-Management sowie die steuerliche Entlastung durch die neue Konzernstruktur mit dem Umzug der Holding von Dortmund nach Leverkusen. Mit diesen Maßnahmen können wir nun aus unserem erfolgreichen operativen Geschäft viel mehr Cash generieren und haben entsprechend auch unser Ziel für die Free Cashflow-Marge auf 17 Prozent am Umsatz deutlich erhöht.
Das Cash-Polster eröffnet Spielraum für neue Formen der Kapitalrückführung, etwa in Form regelmäßiger Aktienrückkäufe und gesteigerter Dividenden. Ein Anfang ist hier gemacht. Wie sieht Ihre Planung für die Zukunft aus?
Auf Basis unserer verbesserten Cash-Performance haben wir kürzlich unsere Ausschüttungspolitik angepasst. Unsere oberste Priorität für die Mittelverwendung bleibt das organische Wachstum. Wir investieren kontinuierlich in Forschung und Entwicklung, Produktentwicklung und operative Fähigkeiten, um unsere langfristige Wachstumsstrategie zu unterstützen. Über das organische Wachstum hinaus werden wir uns aber viel stärker als bisher auf die Kapitalrückführung an die Aktionäre konzentrieren. Wir wollen keine großen Barreserven am Jahresende aufbauen, daher planen wir, verfügbare Barmittel durch eine Kombination aus Dividenden und Aktienrückkäufen auszuschütten.
In welcher Dimension wollen Sie ausschütten?
Die geplante Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2025 ist der erste Schritt hin zu einer äußerst attraktiven Gewinnverwendung. Wir schlagen eine Dividendenerhöhung um 50 Prozent auf 1,50 Euro pro Aktie für das Jahr 2025 vor sowie eine Rückführung von weiteren 10 Millionen Euro an die Kapitalmärkte über ein Aktienrückkaufprogramm. Die Gesamtausschüttung im Jahr 2026 würde sich auf dann rund 36 Millionen Euro belaufen und damit mehr als doppelt so hoch sein wie im Vorjahr. Ich bin mir sicher, dass wir mit der Weiterentwicklung unserer Ausschüttungspolitik, dem Dividendenanstieg von 50 Prozent für das Geschäftsjahr 2025 sowie dem beschlossenen Aktienrückkaufprogramm ein starkes Zeichen für die nachhaltige und zukunftsorientierte Entwicklung des Elmos-Konzerns setzen.
Zusätzlich eröffnet der aktuell laufende Prozess der Verselbstständigung des China-Geschäfts im kommenden Jahr eine potenzielle Wertaufdeckung. Wie könnte man die lokal rekordhohen Bewertungen wertschaffend nutzen und gleichzeitig politische Risiken reduzieren?
China ist der größte Automobilmarkt der Welt und setzt regelmäßig neue Innovationsstandards in der Branche. Es ist zugleich ein sehr dynamischer Markt, der eine lokale und sehr flexible Organisation erfordert. Aufgrund dieser Marktdynamik und des geopolitischen Umfelds wird China oft als großes Risiko wahrgenommen. Wir bei Elmos teilen diese Ansicht nicht. Wir sehen in China auch große Chancen, zumal Elmos in China sehr erfolgreich ist.
Was steckt dahinter?
Unser China-Geschäft ist in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 30 Prozent pro Jahr gewachsen und wir wollen unsere starke Position weiter stärken. Daher bauen wir unsere Organisation in China mit einer Vollfunktionsgesellschaft aus. Unsere Priorität ist es, strategische Optionen zu schaffen und unter allen zukünftigen politischen oder geopolitischen Szenarien Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten. Unsere neue lokale chinesische Gesellschaft bildet die strukturelle Grundlage, um diese strategische Flexibilität zu erreichen, möglicherweise neue Partnerschaften einzugehen und den geschäftlichen Erfolg mit der Geopolitik in Einklang zu bringen. Die Bewertungen in China sind viel höher als für deutsche Tech-Unternehmen, da kann man sich viele sehr wertschaffende Transaktionen vorstellen.
Humanoide Roboter sind in aller Munde. Welche Rolle könnte Elmos auf diesem Gebiet einnehmen? Wie groß würden Sie aus heutiger Sicht das Potenzial für Elmos beziffern?
Wir arbeiten bereits mit mehreren Roboterherstellern zusammen und stimmen die Produktanforderungen für die Integration unserer Applikationen ab. Einige unserer Produkte sind bereits in Lieferrobotern und humanoide Roboterplattformen integriert und wir erzielen bereits – wenn auch noch recht bescheidene – Serienumsätze mit Humanoiden und Lieferrobotern. Autos und Roboter sind von der elektronischen Architektur sehr ähnlich aufgebaut. Moderne Fahrzeuge werden zunehmend zu autonomen, softwaredefinierten Maschinen auf Rädern und humanoide Roboter sind intelligente Maschinen auf zwei oder vier Beinen. Es handelt sich im Prinzip um die gleiche Logik: Eine zentrale Recheneinheit in Kombination mit einer Vielzahl von intelligenten Applikationen an der Peripherie des Systems – das ist genau unser Spezialgebiet.
Demnach sind viele Ihrer Automotive-Produkte für Anwendungen in Robotern übertragbar?
Ja, denken Sie an das Power- und Batteriemanagement oder an hochsensible Sensoren und Aktuatoren an jedem Gelenk und jeder Extremität eines Roboters. Humanoide Roboter benötigen eine große Anzahl von Motortreiber-ICs an allen Gelenken, Schultern, Ellbogen, Hüften, Knien und Fingern. Jede Bewegung hängt von der Motor- und Sensorsteuerung ab, einschließlich präziser Positions- und Kraftmessung. Oder Autonomie und Sicherheit: Sowohl autonome Fahrzeuge als auch autonome Roboter erfordern funktionale Sicherheit, Redundanz und ausfallsichere Konzepte. Dazu benötigen Roboter optische und Ultraschallsensoren, um sicher in ihrer Umgebung interagieren zu können.
Können Sie das genauer beziffern?
Wenn man alles zusammenzählt, kann ein einzelner humanoider Roboter problemlos mehr als 120 potenzielle Elmos-ICs in den Bereichen Stromversorgung, Bewegung, Sensorik und Steuerung integrieren. Wir befinden uns in der Anfangsphase eines potenziell neuen großen Marktes. Selbst wenn nur ein Teil der optimistischen Szenarien Realität wird, könnte sich die Robotik in den kommenden zehn Jahren zu einem bedeutenden Wachstumstreiber für Elmos entwickeln und wir uns über unser Kerngeschäft hinaus zusätzliche Potenziale erschließen.
Morgen folgt an dieser Stelle Teil zwei des Hintergrundgesprächs. Dann geht es unter anderem darum, warum Elmos kein gewöhnlicher Halbleiterhersteller ist, wie der Vorstand das Umsatzziel von einer Milliarde Euro bis 2030 erreichen will – und was das für die Aktie bedeuten könnte.
Heute, 08:11