05.11.2019 Nikolas Kessler

Deutsche Bank: Sewings Doppelrolle sorgt für Diskussionen

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Seit dem Start der großangelegten Restrukturierung im Sommer ist Christian Sewing nicht nur Vorstandschef der Deutschen Bank, sondern verantwortet auch die Investmentbank. Das gefällt nicht allen.

Einige Großinvestoren seien mit der Aufteilung nicht glücklich und hätten die Aufgabenvielfalt des Vorstandschefs kritisiert, meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere Insider. Ungeachtet der Kritik wolle die Deutsche Bank jedoch an dieser Aufgabenverteilung festhalten.

Verwirrung um FT-Bericht

Einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge störe sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) als eine der zuständigen Aufsichtsbehörde an Sewings Doppelrolle und verlange eine Trennung der Bereiche innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre. Grund dafür sei ein Interessenskonflikt, den die FT unter Berufung auf Insider folgendermaßen erklärt: Während der Vorstandschef in Sachen Risikobereitschaft mit Umsicht agieren sollte, sei der Chef des Investmentbankings per Definition ein Verursacher von Risiken.

Eine EZB-Sprecherin hat den FT-Artikel am Montag jedoch umgehend zurückgewiesen: „Die Geschichte stimmt nicht.“ Man habe mit der Deutschen Bank nicht über das Thema gesprochen.

Zuvor hatte die Deutsche Bank selbst erklärt, dass man in „einem kontinuierlichen konstruktiven Dialog“ mit den Aufsichtsbehörden stehe. Derzeit seien im Vorstand aber keine Änderungen hinsichtlich der Verantwortung für die Investmentbank geplant.

Stühlerücken im Top-Management

So oder so: Der riesige Umbau der Deutschen Bank hat längst auch das Top-Management erreicht. Am Freitag hatte die Deutsche Bank ein neues Vorstandsressort für Transformation und Umbau geschaffen. Unter der Leitung des bisherigen Chefs der Vermögensverwaltung, Fabrizio Campelli, sollen dort alle Aufgaben rund um den Konzernumbau gebündelt werden.

Zudem wird Michael Ilgner, aktuell Vorsitzender der Deutschen Sporthilfe, zum 1. März 2020 als neuer Personalchef zur Deutschen Bank wechseln (DER AKTIONÄR berichtete). CEO Sewing und sein Vize Karl von Rohr sollen dadurch wieder mehr Zeit bekommen, um sich auf die strategische Entwicklung des Unternehmens zu konzentrieren.

Deutsche Bank (WKN: 514000)

Ungeachtet der Personaldiskussionen kann die Deutsche-Bank-Aktie am Dienstag an ihren Vortagesgewinn anknüpfen und führt den DAX am Vormittag mit einem Plus von rund zwei Prozent an. Kurzfristig können Trader auf eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung setzen. Da der laufende Konzernumbau jedoch mit schwer kalkulierbaren Kosten und Risiken verbunden ist, sollten langfristig orientierte Anleger aber weiterhin an der Seitenlinie bleiben.